Unterhalt
Wie lange Eltern zahlen müssen

Die Schule ist zu Ende - die Zahlungspflicht der Eltern noch lange nicht. Sie müssen für die Ausbildung aufkommen. Im Extremfall bis zum 29. Lebensjahr.

ddp BERLIN. Die Schule ist geschafft, das Kind ist volljährig - und liegt den Eltern weiter auf der Tasche. Denn während der Lehr- oder Studienzeit besteht Anspruch auf Unterhalt. Kompliziert wird die Lage, wenn die Eltern geschieden sind. Oft kommt es dann zum Streit über die Frage des Unterhalts während der Ausbildung - sowohl zwischen den früheren Ehepartnern als auch zwischen Kindern und Eltern(-teilen).

Am besten kommt klar, wer sich an den Regeln orientiert: Der Unterhalt für Kinder in der Ausbildung lässt sich in Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern genau berechnen. Für Kinder bis zum Alter von 21 Jahren, die noch zuhause wohnen, gilt die Düsseldorfer Tabelle. Danach beträgt der Kindesunterhalt für einen 21-Jährigen 420 ? monatlich, sofern der Unterhaltspflichtige 2100 bis 2300 ? monatlich verdient. Ein Netto-Monatsverdienst zwischen 4400 und 4800 ? ergibt 622 ? Unterhalt. Selbst bei einem Mindesteinkommen von bis zu 1300 ? sind noch 311 ? Unterhalt fällig.

Rechtsverbindlich ist die Düsseldorfer Tabelle zwar nicht. Doch Familienrichter entscheiden fast immer auf ihrer Grundlage. Was der Unterhaltspflichtige tatsächlich zu zahlen hat, wird so errechnet: Monatsgehalt minus halbes Kindergeld minus vermögenswirksame Leistungen minus berufsbedingte Kosten. Auch Schulden aus der geschiedenen Ehe, die noch zu tilgen sind, wirken sich unterhaltsmindernd aus. Doch Vorsicht: Spätere, allein eingegangene Schulden zählen nicht. Sogar der Selbstbehalt muss angetastet werden, um den Mindestunterhalt für das Kind aufzubringen.

Führt ein Kind während seiner Ausbildung einen eigenen Haushalt, wird ein Bedarfssatz von 600 ? angesetzt. Vom Lehrlingsentgelt sind 85 ? tabu, der Rest mindert zur Hälfte den Unterhaltsanspruch. Ähnlich ist es bei Studenten. Auch bei ihnen mindern eigener Verdienst ab 361 ? monatlich und Bafög vom Staat den Unterhaltsanspruch. Hier allerdings in voller Höhe.

Die aktuelle Rechtsprechung geht davon aus, dass die Eltern in jedem Fall die Erstausbildung finanzieren müssen. Ein Studium nach der Lehre fällt nur dann darunter, wenn es sich unmittelbar anschließt oder von vornherein geplant war. Dazu gibt es zwei Urteile des Bundesgerichtshofes (AZ: XII ZR 148/99 und AZ: XII ZR 215/93). Bummelei im Studium gilt jedoch als sittenwidrig: Eltern dürfen dann den Unterhalt kürzen, geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (AZ: elf UF 36/01) hervor. Zahlen sie weiter, können sie sich immerhin einen Stichtag im Kalender ankreuzen: den 29. Geburtstag ihres Kindes. Für diese schon nicht mehr jungen Erwachsenen ohne eigenes Einkommen ist dann das Sozialamt zuständig.

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