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Unterhaltungselektronik-Branche verliert ein Stück Unabhängigkeit

München/Kronach (dpa) - Die dahin siechende deutsche Unterhaltungselektronik-Branche verliert wieder ein Stück Unabhängigkeit. Ob Schneider, Grundig oder Telefunken: Viele Traditionsfirmen sind vom Markt verschwunden oder dienen nur noch als Vertriebsmarke für ausländische Unternehmen.

München/Kronach (dpa) - Die dahin siechende deutsche Unterhaltungselektronik-Branche verliert wieder ein Stück Unabhängigkeit. Ob Schneider, Grundig oder Telefunken: Viele Traditionsfirmen sind vom Markt verschwunden oder dienen nur noch als Vertriebsmarke für ausländische Unternehmen.

Nun musste auch der lange erfolgreiche Fernseher-Produzent Loewe einen Partner ins Boot holen. Der Elektronik-Riese Sharp sichert sich zehn Prozent. Nicht ausgeschlossen, dass die Japaner einmal die Mehrheit übernehmen. Dennoch wurde die Nachricht in Kronach mit Freude aufgenommen. Mit Sharp will Loewe vom Boom bei LCD-Flachbildfernseher profitieren.

Loewe galt lange als Vorzeigeunternehmen in der gebeutelten Branche. Die deutsche Konkurrenz setzte vielfach auf billige Massenware und verlor den Wettbewerb mit aufstrebenden asiatischen Herausforderern. Loewe fand dagegen eine attraktive Nische mit hochpreisigen Bildröhrengeräten, mit denen eine ordentliche Margen erzielt wurde. «Wir waren mal der Tiger und jetzt sind wir eher das kleine Kätzchen», sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München.

Denn vom Trend hin zu flachen Fernsehgeräten wurde Loewe überrumpelt. «Die Dynamik des durch die neuen Bildschirmtechnologien veränderten Käuferverhaltens in Europa haben wir zunächst unterschätzt», räumte Konzern-Chef Rainer Hecker ein. 2003 stieg der gesamte europäische Fernsehgerätemarkt leicht auf 11,6 Milliarden Euro. Ein Fünftel davon entfiel bereits auf Flachbildtechnologien. So verfünffachte sich der Markt für LCD-Fernseher auf 650 Millionen Euro. Plasma-Geräte legten um 170 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro zu. Teure Bildröhrengeräte waren dagegen weniger gefragt. Als Folge dieser Entwicklung sank der Marktanteil von Loewe bei TV- Geräten in Europa von 5,9 auf 4,9 Prozent.

Nun verbündet sich Loewe mit dem LCD-Weltmarktführer Sharp. Die Japaner übernehmen zunächst für 4,3 Millionen Euro knapp zehn Prozent an der Loewe AG. «Die Finanzspritze scheint ein wenig klein zu sein», sagte ein Analyst. Konzernchef Rainer Hecker sagte denn auch, dass man in Verhandlungen mit weiteren potenziellen Investoren stehe. Branchenexperten schließen nicht aus, dass auch Loewe eines Tages wie so viele andere enden könnte und nur noch als Vertriebsmarke dient. Künftig wird Loewe bereits kleinformatige LCD- Fernseher von Sharp unter der eigenen Marke vertreiben.

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