Unterhaltungselektronik, Telekommunikation und Bildtechnologien wachsen zusammen
Fotokonzerne entdecken neue Wege zum Kunden

Die Digitalisierung hat der Fotografie neue Impulse gegeben. Die Kameras produzieren immer bessere Bilder. Die digitalen Fotos lassen sich über verschiedene Wege auf eine Vielzahl von Medien übertragen und bearbeiten. Dabei geht es auch ohne PC. Mit Hilfe der Set-Top-Box wird der Fernseher zum Fotolabor.

BERLIN. Fotografie und Unterhaltungselektronik verschmelzen miteinander. Die Fotokonzerne erschließen TV-Netze und Mobiltelefone als neue Infrastruktur für das Geschäft mit Bildern. Digitale Kameras mit Video- und Audiofunktionen, mit Datenfunk-Option oder eingebautem Organizer haben sie ohnehin im Programm. Gleichzeitig drängen die Anbieter von Fernsehern auf den Fotomarkt. TV-Geräte und Heimkinoprojektoren ersetzen die Diavorführung. Und Dank neuer digitaler Set-Top-Boxen mit Internetanschluss wird der Bildschirm zum digitalen Fotolabor. Bilder können nicht nur wie am Computer bearbeitet werden. Der Nutzer kann gleich online Abzüge bestellen.

Möglich wird das Zusammenwachsen der Medien durch die Digitaltechnik. Sie erlaubt es, dass unterschiedliche Inhalte auf einer gemeinsamen Plattform erfasst, aufbereitet, ausgegeben und verbreitet werden. Mit Hilfe der Digitaltechnik wird jede Information - Bild, Ton oder Text - durch ein binäres System mit den Werten 1 und 0 beschrieben und gespeichert oder weitergeleitet. Früher übernahm das vor allem der Computer - er zeichnete Texte, Audiodaten oder Bilder auf. Zunehmend kommen Kameras oder Drucker ohne den zwischengeschalteten Rechner aus und kommunizieren direkt miteinander - neuerdings sogar kabellos über Funktechniken wie beispielsweise Bluetooth.

"Das Zusammenwachsen von Technologien, Branchen und Medien ist unaufhaltsam", sagt Karsten Eggert, Vertriebsleiter für digitale Consumer Kameras bei der Kodak AG Deutschland. Mit dem Verschmelzen von Fotografie und Fernsehen entstehen neue Allianzen: "Wir arbeiten beispielsweise mit Anbietern von DVD-Playern zusammen. Ziel ist es, dass unsere Picture-CD künftig auch auf DVD-Playern über den Fernseher abgespielt werden kann", sagt Eggert. Außerdem entwickelt das Unternehmen mit Softwareanbietern neue Programme. Die sollen es ermöglichen, dass sich digitalisierte Fotos von der Picture-CD auf dem Computermonitor oder dem Display von Handy und Palm betrachten und bearbeiten lassen.

Speichern von 500 Fotos mit hoher Auflösung

Über ihre Allianzen entwickeln auch andere Konzerne ausgeklügelte Anwendungsprogramme oder winzige Speichermedien mit hohem Fassungsvermögen. Sie arbeiten an hoch auflösenden Bildsensoren und knüpfen Breitbandnetzwerke, um die riesigen Datenmengen schnell transportieren zu können. So hat Casio seine neue Digitalkamera QV-4 000 mit der Speichertechnik von IBM bestückt. Auf der 1 Giga-Byte großen Microdrive können über 500 Fotos in hoher Auflösung gespeichert werden. Kodak hat mit Siemens eine Technik entwickelt, mit der Bilder vom Fotoapparat zum Handy geschickt werden können.

Angesichts der Alleskönner in Sachen Foto wirkt eine Kamera, die nur Bilder machen kann, auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) überholt. Laptops ermöglichen über eingebaute Webcams unterwegs Videokonferenzen. Handys können Bilder schießen und Bildergrüße versenden. Taschencomputer spielen Videos ab, und die DVD wird zum Familienalbum für Foto und Video. Selbst die winzigen digitalen Camcorder mit Blitz und Fotofunktion oder die Digitalkameras mit Bluetooth-Verbindung zum Drucker und Mobiltelefon sowie zusätzlicher Videoaufzeichnung wirken da schon fast wie eine Selbstverständlichkeit.

Es zeigt sich jedoch immer wieder, wie mühsam es ist, verschiedene Geräte miteinander zu verbinden. So setzen japanische Foto-Konzerne wie Sharp auf das System Firewire, um Daten zum Computer zu übertragen. In Europa, wo inzwischen der USB-Anschluss die gängige Schnittstelle ist, müssen sich Nutzer erst eine Netzwerkkarte kaufen, damit sie ihre Bilder an den PC übertragen und diese dort bearbeiten können.

Auch bei der Energieversorgung haben manche Kamera-Hersteller noch Probleme. Sie setzen in ihren Kameras und Camcordern Batterien ein, die schnell verbraucht sind - das wird teuer für denjenigen, der viele Bilder machen will. Auch hier hat beispielsweise der Hersteller Casio dazu gelernt. Er hat der neuen Digitalkamera nun leistungsstarke Nickel-Metallhydrid-Akkus beigelegt, die einen deutlich längeren Fotospaß garantieren.

Wie eng die einzelnen Branchen bereits miteinander verwachsen sind, zeigt sich auch bei den Messen. "Die traditionellen Messeplatz-Definitionen stimmen nicht mehr", sagt Karsten Eggert von Kodak. Fotokonzerne gehen längst nicht mehr nur zur Photokina, sie schauen bei der Computermesse Cebit oder der auf Unterhaltungselektronik ausgerichteten Funkausstellung in Berlin vorbei. "Wir gehen dahin, wo wir unsere Händler und Kunden sind", sagt Eggert. "Das Bild ist heute überall und wird überall gebraucht."

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