Unterhaus berät über Gesetz
Blair für therapeutisches Klonen

dpa LONDON. Ein Streit um das Klonen von Embryonen für therapeutische Zwecke hat am Dienstag im britischen Parlament begonnen. Das Unterhaus wollte am Abend entscheiden, ob Großbritannien als erstes Land Europas das Klonen von bis zu 14 Tage alten Embryonen erlaubt.

Premierminister Tony Blair ließ unmittelbar vor Beginn der Debatte wissen, er werde für eine Gesetzesänderung stimmen, mit der unter anderem der Weg für das therapeutische Klonen mit embryonalen Stammzellen freigemacht wird. "Als Unterstützer der Wissenschaft hält er es für wichtig, dass wir den Fortschritt der Wissenschaft erlauben", sagte Blairs Sprecher.

Kein Fraktionszwang

Bei der Abstimmung über das Klonen von Embryos am späteren Abend gibt es keinen Fraktionszwang. Parlamentsbeobachter rechneten mit einer Mehrheit für die Gesetzesänderung. Vor dem Westminister-Palast demonstrierten mehrere Dutzend Menschen, gekleidet in weiße Kittel mit Masken des Gesichts von Tony Blair, gegen das Gesetz. Vor allem der britische Ärzteverband und die Sprecher von Organisationen, die beispielsweise Patienten mit Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose oder Leukämie vertreten, forderten die Abgeordneten auf, den Weg zum therapeutischen Klonen zu ermöglichen. Dies sei die einzige Hoffnung für viele Schwer- oder Todkranke.

Hingegen appellierten Vertreter der Kirchen und von Organisationen zum Schutz des ungeborenen Lebens an die Parlamentarier, das Gesetz abzulehnen. Sie fürchten, dass mit dem therapeutischen Klonen das Tor zum Klonen von Menschen aufgestoßen und menschliches Leben als Ware betrachtet werden könne.

Die Befürworter des Klonens mit embryonalen Zellen argumentierten schon vor der Parlamentsdebatte, es handele sich bei Zellen im frühen Embryo-Stadium (Blastozyste) noch nicht um einen Menschen. Sie wollen neues Gewebe mit dem Erbgut eines Patienten züchten, indem sie Erbmaterial aus gesunden Zellen dieses Patienten in eine zuvor entkernte Eizelle spritzen. Sie wollen, da die embryonalen Stammzellen in diesem Stadium nicht ausdifferenziert sind, auf diese Weise neues "Ersatzteil"-Gewebe züchten, das vom Patienten nicht abgestoßen wird.

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