Unterlassungsklage
Des Kanzlers Haarfarbe ist weiter umstritten

Der gerichtliche Streit um die Haarfarbe von Bundeskanzler Gerhard Schröder dauert an. Das Landgericht Hamburg kündigte am Freitag nach der mündlichen Verhandlung an, es werde erst am 17. Mai über die von Schröder verlangte Unterlassungsverfügung gegen die Nachrichtenagentur ddp entscheiden.

wiwo/ap HAMBURG. Der Kanzler und SPD-Vorsitzende will der Agentur die weitere Verbreitung von Äußerungen verbieten lassen, dass er sich die Haare färbe oder töne. Der ddp-Anwalt Klaus Sedelmeier kündigte an, er werde notfalls bis zum Bundesgerichtshof gehen. "Hier geht es um die Pressefreiheit", sagte er. In einem ddp-Bericht über Schröder war die Imageberaterin Sabine Schwind von Egelstein mit der Aussage zitiert worden: "Es käme seiner Überzeugungskraft zugute, wenn er sich die grauen Schläfen nicht wegtönen würde."

Am nächsten Tag verbreitete die Agentur auf Verlangen Schröders eine Richtigstellung und sicherte zu, sie werde das Zitat nicht wiederholen. Schröders Anwalt Michael Nesselhauf betonte vor Gericht, im Wahlkampf sei es für den Kanzler wichtig, als glaubwürdig zu gelten. Die Richtigstellung sei ein Witz. Auch der Vorsitzende Richter Andreas Buske merkte an, es habe sich nicht um einen "uneingeschränkten Widerruf" gehandelt. Die Nachrichtenagentur hafte für von ihr verbreitete Inhalte, auch wenn es Äußerungen Dritter seien. ddp habe Sorgfalt bei der Recherche vermissen lassen. Schröder hatte zunächst eine Einstweilige Verfügung gegen ddp erwirkt.

Er forderte eine strafbewehrte Unterlassungserklärung, was ddp aber nicht akzeptierte. Sedelmeier betonte, ddp habe sich bei der Verbreitung des Zitats nichts zu Schulden kommen lassen. "Das war lediglich ein Nebensatz in einem für den Kanzler durchweg positiven Text", erklärte er. Niemand habe von den Redakteuren verlangen können, sich ans Kanzleramt zu wenden, um Schröder direkt nach der Echtheit seiner Haarfarbe zu fragen. "Das wäre eine maßlose Überspannung der Sorgfaltspflicht", erklärte Sedelmeier. Die Nachrichtenagentur hatte in der Richtigstellung geschrieben: "Bundeskanzler Gerhard Schröder legt Wert auf die Feststellung, dass seine Haare weder gefärbt, noch getönt sind.

Die Behauptung von Egelsteins, Gerhard Schröders Haare seien gefärbt oder getönt, ist nach Angaben des Bundeskanzlers unwahr, was wir hiermit richtig stellen." Die Vorsitzende der Jungen Union, Hildegard Müller, forderte unterdessen: "Gerhard Schröder sollte dieser Farce endlich ein Ende machen und sich einem Haartest unterziehen."

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