Unternehmen bereits gut in den Vodafone-Konzern integriert
D2 reduziert Subventionen für Handys

Der Mobilfunkbetreiber D2 Vodafone will den Wettlauf um immer neue Kunden beenden und verstärkt Stammkunden an sich binden. D2 kündigte zudem an, Subventionen für Handys künftig abzubauen.

DÜSSELDORF. Der Marktführer auf dem Mobilfunkmarkt D2 Vodafone will seine Unternehmensstrategie ändern: Nicht mehr das Kundenwachstum um jeden Preis, sondern die Pflege der Stammkunden stehe im Vordergrund, sagte D2-Chef Jürgen von Kuczkowski im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Wir müssen die Balance halten zwischen dem Kundenpotenzial und den Kosten für Akquisition." Demnach telefonieren die neu gewonnenen Kunden immer weniger, so dass sich die Akquisitionskosten nicht mehr rentierten. Die Handy-Subvention liegen im Durchschnitt bei 300 DM pro neuem Mobilfunkkunden.

Potenzielle Handy-Besitzer müssen sich daher darauf einstellen, dass Mobiltelefone teurer werden und Discountangebote wie das Handy zum Nulltarif der Vergangenheit angehören. "Wir werden die Handy-Subvention zurückfahren", so Kuczkowski, "die Preise für subventionierte Geräte werden steigen, es sei denn, die Hersteller senken ihre Preise." Auf der Computermesse Cebit will D2 Gespräche mit Vertriebspartnern führen, um die Händlerprovisionen zu senken.

Auf dem Weg zum Verdrängungswettbewerb

"Wir sind auf dem Weg in den klassischen Verdrängungswettbewerb, wie wir ihn aus der Old Economy kennen", sagt Kuczkowski. Daher sei die Pflege der Stammkunden jetzt wichtiger als der Gewinn neuer Kunden. Dafür will das Unternehmen sein Bonusprogramm ausbauen und durch Umfragen ganz genau herausfinden, worüber sich seine Kunden ärgern, und was sie wünschen. "Das Geld, das wir heute für Subventionen ausgeben, können wir besser im Customer Relationship Management einsetzen", meint Kuczkowski.

D2 und T-Mobile, die Mobilfunksparte der Deutschen Telekom, haben sich in den vergangenen Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. In den Netzen der beiden Unternehmen telefonieren inzwischen jeweils 20 Millionen Kunden. Ende 2000 führt D2 die Statistik mit einem Plus von 100 000 Kunden an.

Um Stammkunden stärker an sich zu binden, hat D2 in den vergangenen Monaten einen "dreistelligen Millionenbetrag" in die neue Übertragungstechnik GPRS investiert. Damit werden via Handy schon jetzt Daten in ISDN-Geschwindigkeit übertragen, zwei- bis dreimal so schnell wie im alten GSM-Netz. GPRS sieht Kuczkowski als Vorbereitung auf den schnelleren Übertragungsstandard UMTS.

Großer Boom bei GPRS nicht absehbar

Bei beiden Techniken wird nicht nach der Online-Zeit abgerechnet, sondern nach übertragener Datenmenge. Kuczkowski: "Wenn man ohne GPRS in die UMTS-Welt springen will, macht das die Sache erheblich schwieriger." Vorerst müssen D2 und die Konkurrenten T-Mobil, E-Plus und Viag Interkom damit kämpfen, dass es nicht genügend Endgeräte gibt. Zudem seien es ohnehin zuerst die Technikbegeistern unter den Handy-Kunden, die den neuen Dienst nutzen würden. "Der große Boom ist bei GPRS noch nicht absehbar", so Kuczkowski.

Bei UMTS erwartet der D2-Chef die ersten nennenswerten Umsätze erst nach 2004. Beim Aufbau der neuen Mobilfunknetze spricht er sich für Wettbewerb aus und gegen die gemeinsame Nutzung von Infrastuktur. "Wenn wir keinen Wettbewerb in der Infrastruktur haben, dann haben wir auch keinen Wettbewerb bei den Diensten."

Grenzen überschreitende Produktentwicklung

Der D2-Chef gehört seit Anfang des Jahres als Chef der Region Zentraleuropa dem Vorstand des britischen Mobilfunkanbieters Vodafone an und ist dort für die Länder Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen und die Schweiz verantwortlich. Im Zuge der Integration des Konzerns hat Vodafone eine Aufgabenteilung zwischen den operativen Ländergesellschaften und der Produktentwicklung eingeführt: Neue Produkte werden nur einmal entwickelt. "Es wird künftig keine nationalen Netze mehr geben, sondern stark international verknüpfte Services. Die Produkte dürfen nicht an den Ländergrenzen aufhören", meint Kuczkowski. "Diese Aufgabenteilung ist nicht so sensationell neu, aber innerhalb unserer Branche ist sie neu." Zentral koordiniert wird unter Verantwortung von Thomas Geitner neben der Produktentwicklung auch der Einkauf, um Synergien zu erzielen und so mehr Produkte in kürzerer Zeit zu entwickeln.

Erstes Ergebnis der Aufgabenteilung ist ein einheitlicher Europa-Tarif, den Vodafone Anfang des Jahres unter anderen in Spanien, Großbritannien und Deutschland eingeführt hat. Kuczkowski: "Der Tarif hat großen Anklang bei Geschäftskunden gefunden." Künftig soll der Kunde auch im Ausland auf dieselben gewohnten Service-Angebote zurückgreifen können wie zu Hause. Das Portal Vizzavi, das Vodafone gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Vivendi entwickelt hat, soll die Basis für alle Internet-Aktivitäten

sein.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
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