Unternehmen bezeichnen Beziehung zu USA als stabil
Wirtschaft sucht das Gespräch

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA sind so verflochten, dass kurzfristige Spannungen sie nicht beeinträchtigen können. Das jedenfalls sagen Vertreter von Unternehmerverbänden beiderseits des Atlantiks. In den Aussagen schwingt allerdings ein leichtes "Aber" mit.

dri/je/kk BERLIN/NEW YORK. So sagen Experten der American Chamber of Commerce (AmCham), des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) einmütig, dass sie die Reisen von Ministern beider Regierungen als Indiz für eine Wiederannäherung der Politik sehr begrüßen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wird beispielsweise am 20. Mai zum deutsch-amerikanischen Managergipfel in Washington erwartet.

AmCham-Geschäftsführer Dierk Müller ist Erleichterung anzuhören, wenn er sagt: "Das Thema Boykott ist weg, da bleibt nichts übrig." So ist eine Anzeige gegen deutsche Autos, die im Februar in US-Zeitungen platziert werden sollte, nie erschienen. Stattdessen prangte am 16. Februar eine ganzseitige Anzeige in der New York Times mit dem Titel "A Message from Germany" - gesponsert von der Atlantik-Brücke und unterzeichnet von Namen wie Josef Ackermann von der Deutschen Bank und Jürgen Schrempp von Daimler-Chrysler. Vorstöße von Kongressabgeordneten gegen deutsche Unternehmen erwiesen sich als nicht mehrheitsfähig.

Allerdings nutzten Geschäftsführer deutscher Töchter in den USA die schlechten Beziehungen manchmal als Ausrede für ihre eigenen schlechten Ergebnisse, sagt Markus Lahrkamp, Leiter der US-Tochter der deutschen Unternehmensberatung Droege in New York. "Wir haben seit Beginn des Jahres keine Verschlechterung bemerkt. Im Gegenteil: Die Beziehungen sind eher wieder besser geworden", meint Nicola Michels von der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York. "Wir beobachten die Entwicklung natürlich sehr sorgfältig", sagt der US-Sprecher von BMW, Rob Mitchell, "aber bisher spüren unsere Händler nichts." VW-of - America-Sprecher Tony Fouladpour sekundiert: "Der jüngste Rückgang bei den Verkaufszahlen hat nach unseren Erkenntnissen keine politischen Gründe." Auch bei Daimler-Chrysler ließen sich die Autokäufer nach Aussagen von Sprecher Stuart Schorr nicht von politischen Erwägungen leiten. Müller von der AmCham sieht deutliche Unterschiede zwischen den Beziehungen privater Unternehmen, die unberührt von den politischen Verstimmungen gut geblieben seien, und der öffentlichen Auftragsvergabe: Hier bewegten sich deutsche Anbieter auf schwierigem Terrain.

Andere Beobachter machen dafür eine generelle Umorientierung der Bush-Regierung auf nationale Anbieter verantwortlich. Die Abneigung gegen europäische Auftragnehmer werde eher von der Entscheidung des europäischen Luftfahrt-Konzerns EADS, den Milliardenauftrag für die Triebwerke des Militär-Airbusses A400M an das europäische Konsortium EPI zu geben, negativ beeinflusst als vom Irak-Thema.

In Gesprächen von Unternehmern stehen laut Müller jedoch ganz andere Themen im Vordergrund: Die schwierige Konjunktur, der schwache Dollar, und die stockenden WTO-Handelsverhandlungen. Der parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch berichtet nach seiner US-Reise, dass potenzielle Investoren sehr genau die Diskussion um die Sozialstaatsreformen verfolgten.

Aus dem Clement-Ministerium ist die Einschätzung zu hören, dass es jetzt darauf ankomme, die USA beim Aufbau einer Irak-Nachkriegsordnung zu unterstützen - etwa indem Deutschland beim Thema Irak-Sanktionen der Uno nicht neues Öl ins Feuer gießt.

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