Unternehmen der zweiten Reihe bieten Potenzial
Kleine Datenbankanbieter sind noch verborgene Stars

Die Übertragung von Daten im Internethandel überfordert die Software der bisherigen Marktführer. Bis sich XML als neuer Standard durchgesetzt hat, wollen kleine Anbieter Marktanteilte erobern.

DÜSSELDORF. Für Hermann B., Chef eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens, steht fest: Wer nicht auf das Internet setzt, hat keine Chance. Schon bald will er einen großen Teil der Geschäfte mit seinen Zulieferern und Kunden über das weltumspannende Computer-Netzwerk abwickeln. Im Business-to-Business (B2B) liegt die Zukunft, hat B. gelesen. Doch schon bald ist seine Euphorie verflogen. Zwar ist ein Lieferant für die notwendige Internet-Software schnell gefunden. Auch die Integration der internen Firmendaten bereitet keine Probleme. Doch das ist nur die halbe Miete. B?s Lieferanten und Kunden nutzen andere Systeme, deren Daten erst mühsam umgewandelt, konvertiert werden müssen, damit sie von der neuen Internet-Software verstanden werden.

Eine Situation, die sich zurzeit in vielen Unternehmen abspielt. "Auf Grund der hohen Komplexität der meisten B2B-Anwendungen fließen 90 Prozent der Mittel in die Integration in die bestehende IT-Landschaft und nur zehn Prozent in die eigentliche Installation der B2B-Software", wissen Wolfgang Fickus und Norbert Loeken, Analysten von West LB Panmure, zu berichten. Es genüge nicht, einfach eine beliebige B2B-Software zu kaufen, entscheidend sei die Integration.

Gängige Datenbanken sind zu dumm für den Internethandel

Dabei - das zeigt das oben genannte Beispiel - ist der größte Knackpunkt der Austausch von Daten. Zwar gibt es Datenbank-Systeme, die sich in vielen großen Unternehmen durchgesetzt haben. So arbeiten in Deutschland etwa 80 Prozent der Programme von SAP - dem Marktführer bei unternehmensinterner Software - mit Datenbanken des US-Konzerns Oracle. Doch diese Datenbank-Typen - in der Regel sind es so genannte relationale Systeme - sind nur eingeschränkt geeignet, um Geschäfte über das Internet abzuwickeln.

Das hat folgende Gründe: Die meisten Systeme können nur die Daten eines Unternehmens darstellen und verknüpfen. Sie können keine Töne, Bilder oder andere Formen von Präsentationen verwalten. Das ist aber ein unabdingbares Kriterium für den Handel über das Internet.

Jede Menge Stolpersteine also auf dem Weg zu einem funktionierenden und effizienten Internet-Handel. Doch Abhilfe ist in Sicht: das neue Format XML oder eXtensible Markup Language. XML ist eine Sprache zur Beschreibung von Daten. Dabei trennt XML den Inhalt vom Layout, also der Darstellung. Dadurch ist das neue Format unabhängig von EDV-Plattformen oder Anwendungen. Erst über Zusatzmodule werden die Daten für die einzelnen Anwendungen etwa in der internen Kreditprüfung, der Beschaffung oder der Produktion aufbereitet.

Ein weiterer Vorteil: XML eignet sich auch für die Datenübermittlung auf das Handy. Im mobilen Internet aber - das sagen viele Experten voraus - wird künftig die Musik im E-Business spielen.

Die IT-Forscher der renommierten amerikanischen Gartner-Group sind sich sicher: Bis 2005 wird XML die Standardsprache für den Internet-Handel (E-Commerce) sein. Davon sind auch ihre Kollegen des US-Instituts IDC überzeugt. Sie bescheinigen den auf XML basierten Datenbank-Systemen bis 2004 Wachstumsraten von rund 130 Prozent jährlich.

Noch beherrschen drei Anbieter den Markt

Für die führenden Datenbank-Anbieter hat dies einen radikalen Paradigmenwechsel zur Folge. Bislang wird der Markt nach Erhebungen der Marktforscher von IDC von drei Giganten dominiert. Oracle lag im vergangenen Jahr bei den relationalen Datenbanken - sie sind sehr weit verbreitet - mit einem Weltmarktanteil von 42,4 Prozent klar an der Spitze. Es folgten IBM (20,4 Prozent) und Microsoft (7,8 Prozent).
Doch während Microsoft sich mittlerweile voll zum XML-Standard bekannt hat und IBM in der Entwicklung von Anwendungen bereits viel mit dem neuen Format arbeitet, tut sich Marktführer Oracle recht schwer mit XML. Zwar liefert der US-Konzern Adapter, die die neue Datenbank-Sprache unterstützen. "Ob damit aber auf lange Sicht entsprechende Softwarelösungen entwickelt werden können, ist unklar", sagt Christian Junk, Analyst bei der Commerzbank. So haben Tests ergeben, dass die Konvertierung der Daten in das XML-Format deutlich zu Lasten der Schnelligkeit des gesamten Systems geht.

Das hebt die Chancen für Spieler aus der zweiten Reihe: Die am Neuen Markt notierte Poet Holdings Inc. setzt mit einem objektorientierten System voll auf den E-Business-Boom. Allerdings birgt dieser Wert ein Risiko. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit die eigenen Umsatzerwartungen deutlich verfehlt und wird deshalb zurzeit von Investoren gemieden. Dagegen sprechen Analysten der WebMethods Inc., einem Spezialisten für die Integration von XML-Anwendungen, ein starkes Wachstum zu. Noch ist das Unternehmen freilich fast ausschließlich auf dem US-Markt vertreten.

Sehr gut steht dagegen die Darmstädter Software AG da. Mit Tamino verfügt das im MDax notierte Unternehmen über die weltweit erste reinrassige XML-Datenbank. Analysten der Commerzbank, der Hypo-Vereinsbank und von WestLB Panmure bescheinigen der Software AG klare Technologievorteile. Auch die Gartner-Group billigen dem Unternehmen einen in der Internetwelt beachtlichen Vorsprung von immerhin zwölf Monaten zu. Den gilt es jetzt zu nutzen - bevor die mächtige Konkurrenz bei XML zuschlägt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%