Unternehmen droht Totalabschreibung
EM.TV kämpft um Formel-1-Rechte

Das Medienunternehmen EM.TV & Merchandising will notfalls gerichtlich gegen die von der Bayerischen Landesbank angekündigte Ausübung des Pfandrechts auf seinen Anteil an der Formel 1 vorgehen.

Reuters MÜNCHEN. Wenn die so genannten Formel-1-Banken tatsächlich ihr Pfandrecht auf die 16,7-prozentige Beteiligung von EM.TV ausüben würden, "werden wir alle sich uns bietenden rechtlichen Schritte dagegen unternehmen", sagte EM.TV-Chef Werner Klatten am Mittwoch auf der Hauptversammlung. Ein BayernLB-Sprecher sagte dazu, die Banken seien von der Rechtmäßigkeit ihres Pfandrechtes überzeugt und wollten dieses auch wahrnehmen. Im operativen Geschäft sieht Klatten das auf Jugend-Fernsehprogramme spezialisierte Unternehmen auf einem guten Weg. Die Liquidität will er durch Verkäufe von Beteiligungen sichern.

Klatten weiter um Lösung bemüht

Der Formel-1-Anteil steht bei EM.TV mit einer Bewertung von 204 Millionen Euro in den Büchern. Im schlimmsten Fall droht dem Unternehmen eine Totalabschreibung, was eine Aufzehrung des Eigenkapitals um fast die Hälfte zur Folge hätte. Der Streit um das Pfandrecht ist die Folge einer Vereinbarung der Kirch-Gruppe, die ein Darlehen über 1,6 Milliarden Dollar der Banken BayernLB, JP Morgan und Lehman Brothers für den Einstieg bei der Formel 1 unter anderem mit dem Anteil des Partners EM.TV abgesichert hatte. Nach der Kirch-Insolvenz hatten die Banken angekündigt, dieses Pfandrecht auszuüben.

Er bemühe sich weiter um eine Lösung im Konsens mit den Banken, sagte Klatten weiter. Er habe aber englische Kanzleien zur Klärung juristischer Fragen zu der nach den Gesetzen der Kanalinsel Jersey getroffenen Pfandrechtsvereinbarung hinzugezogen. "Die Ergebnisse aus diesen Analysen werden in eine Auseinandersetzung einfließen", kündigte er an. Immerhin habe BayernLB-Chef Werner Schmidt den Wert der Formel 1 mit vier bis fünf Milliarden Euro beziffert. Bei einer solchen Bewertung liege der Preis für den 16,7-prozentigen EM.TV-Anteil deutlich über dem bilanziellen Ansatz von 204 Millionen Euro.

Die Formel-1-Banken, an die Kirch insgesamt 75 Prozent an der Rennsportserie verpfändet hat, wollen die Anteile zum Beispiel an die an der Formel 1 beteiligten Autohersteller verkaufen. Mit der Einfädelung solcher Geschäfte haben sie den ehemaligen Deutsche-Bank-Vorstand Thomas Fischer beauftragt. "Wir haben keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Pfandrechts", sagte ein BayernLB-Sprecher.

Klatten: "Härteste Sanierung meines Lebens"

Der eingeleitete Umbau der in die Krise geratenen EM.TV & Merchandising AG komme gut voran, erläuterte Klatten vor mehreren hundert Aktionären. "Nach einem Jahr ist EM.TV deutlich schlanker und schlagkräftiger geworden". Einige kleinere nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen seien bereits veräußert worden.

Weiter auf der Verkaufsliste stehen die US-Tochter Jim Henson und die Beteiligung an dem Filmrechtehändler Tele München Gruppe (TMG). Wenigstens eine dieser Beteiligungen muss EM.TV bis zum Jahresende veräußern, sonst droht ein Engpass in der Liquidität. In Unternehmenskreisen hieß es, ein Verkauf von Henson oder ein Hereinnehmen eines strategischen Partners solle bis Ende September über die Bühne gehen. Der Preis für den Produzenten von "Muppetshow" und "Sesamstraße" sei in den letzen Wochen eher gestiegen. An der Beteiligung an dem Münchener Filmproduzenten Constantin werde EM.TV festhalten.

"Dies ist hier ohne Zweifel die härteste Sanierung meines Lebens", bekannte Klatten auf der Hauptversammlung. Der 56-jährige hatte die Führung von EM.TV im September 2001 von dem zurückgetretenen Unternehmensgründer Thomas Haffa übernommen, der wegen Insiderhandels und Kursbetrugs angeklagt ist. Die Familie Haffa hält noch 17,5 Prozent der EM.TV-Stimmrechte.

Im vergangenen Jahr hatte EM.TV einen operativen Verlust von 133 Millionen Euro verbucht. Das Unternehmen, das unter der Krise auf dem Medienmarkt und dem Überangebot an Kinder- und Jugendprogrammen leidet, will ab 2004 operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Positive Impulse erwartet EM.TV vom Erwerb der Merchandisingrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Das Überleben des Unternehmens sei noch immer nicht gesichert, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Liquidität reiche derzeit nur bis zum Jahresende. Sie forderte EM.TV-Chef Werner Klatten auf, die Sanierung entschiedener anzugehen. Er sei nicht als Buchhalter angetreten, sondern müsse der Motor für die Umstrukturierung sein.

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