Unternehmen entgehen mit Rückzug einem möglichen Verbot durch die EU-Kommission und verhandeln neu
EMI und Time Warner ziehen Fusion zurück

Die Fusion von EMI und Time Warner zum weltweit größten Musikkonzern ist vorerst vom Tisch. Gestern zogen die beiden Unternehmen ihren Antrag bei der EU-Kommission zurück. Allerdings bekunden beide Unternehmen weiteres Interesse am Zusammenschluss. Die Pläne sollen überarbeitet werden.

siri/fmd NEW YORK/LONDON. Der britische Musikverlag EMI und das amerikanische Medienunternehmen Time Warner haben ihre geplante Fusion vorerst abgesagt. Gestern zogen sie ihren Antrag vor der EU-Kommission, die den Zusammenschluss mit einem Volumen von 20 Mill. $ genehmigen sollte, zurück.

Allerdings wollen beide Unternehmen weiter verhandeln und einen neuen Fusionsplan erarbeiten. EMI Group Plc zeigt sich weiterhin zuversichtlich, in weiteren Gesprächen mit Warner Music eine auch für die EU-Behörden akzeptable Lösung zu finden. "Mit unserem Rückzug gewinnen wir mehr Zeit, um die Bedenken der Behörden zu bewerten und in Europa und den USA parallel nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen", sagte EMI-Chairman Eric Nicoli in einem Statement. Die Börse reagierte verstimmt. Der Kurs der EMI-Aktie ging in London bis zum Nachmittag um 5,45 % auf 529 p zurück.

EMI-Chairman Nicoli hält einen Zusammenschluss auch weiterhin für möglich: "Wir glauben immer noch, dass die Stärken beider Unternehmen sich ergänzen. Davon würden Aktionäre, Künstler, Kunden und Angestellte profitieren", schreibt er in einer Stellungnahme.

Der Rückzug kam, nachdem die Wettbewerbshüter der EU mehrfach Bedenken wegen des Zusammenschlusses angemeldet hatten, durch den der größte Musikverlag der Welt entstanden wäre. Experten gehen davon aus, dass die Unternehmen mit ihrer Absage möglicherweise einem Verbot zuvorgekommen sind.

Durch die Fusion hätte sich die Zahl der weltweit führenden Musikkonzerne von fünf auf vier verringert. Größen der Popmusik wie die Beatles, Madonna und Eric Clapton wären gemeinsam von EMI/Time Warner betreut worden. Beide Konzerne hatten den Wettbewerbshütern in Brüssel angeboten, die Musik-Labels Pathe Marconi (Frankreich), CMC (Dänemark), Minos (Griechenland) und Dro (Spanien) zu veräußern. Auch wurde erwogen, sich von Virgin Records zu trennen. Das hätte allerdings bedeutet, dass sich das Unternehmen auch von Stars wie den Rolling Stones, den Spice Girls und David Bowie hätte trennen müssen.

Analysten in London wiesen darauf hin, dass der Charme des im Januar angekündigten Zusammenschlusses, der einen Wert von 20 Mrd. $ hat, verloren gehen könnte. Durch die voraussichtliche Trennung von Teilbereichen dürfte das Ziel, Kosteneinsparungen von 250 Mill. £ zu erzielen, nicht mehr erreichbar sein.

Mit negativen Auswirkungen für den gesamten Telekom -, Medien- und Technologiebereich rechnet die Commerzbank-Analystin Nicola Stuart. Mit dem Zusammenschluss hätte eine Konsolidierung des Sektors eingeleitet werden können, hieß es.

Viele EMI-Aktionäre werden das Ergebnis nach neun Monaten ernüchternd finden. Falls sich EMI und Warner Music nicht einig werden sollten, bleibt die Frage, ob sich die Aktionäre auf erneute Marathon-Verhandlungen einlassen wollen.

Der Rückzug von EMI/Time Warner könnte die geplante Fusion von Time Warner und AOL erleichtern. Die Fusion mit einem Volumen von 135 Mill. $ wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Nach Berichten des Wall Street Journals soll bei der Kommission in Brüssel bereits ein Papier vorliegen, das den Weg für die Time Warner/AOL-Fusion ebnen soll.



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