Unternehmen erhalten leichteren Zugang zu ihren Aktionären
Bundestag verabschiedet Gesetz zur Namensaktie

Der Bundestag hat am Donnerstag mit großer Mehrheit mehrere Änderungen im Aktienrecht gebilligt. So können Aktienregister künftig elektronisch geführt werden. Durch das Gesetz soll auch der Datenschutz für Aktionäre verbessert werden

Reuters BERLIN. Mit dem Wechsel von der derzeit noch weit verbreiteten Inhaberaktie zur Namensaktie können sich Aktiengesellschaften den Kontakt zu ihren Aktionären sichern und leichter Zugang zur internationalen Börsennotiz finden. Der Deutsche Bundestag beschloss am Donnerstagabend das "Gesetz zur Namensaktie und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung" (NaStraG), das den Begriff der Namensaktie aktualisiert und die Stimmrechtsausübung bei Hauptversammlungen erleichtern soll.

Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sagte: "Mit diesem Gesetz treiben wir die Modernisierung des Aktienrechts zügig voran." Unternehmen und Aktionäre könnten jetzt auch die elektronischen Medien nutzen, wenn sie Pflichten und Rechte aus dem Aktiengesetz wahrnehmen wollten.

Große Konzerne wie Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Siemens oder Deutsche Telekom haben bereits auf die Namensaktie umgestellt, bei der der Name des Aktionärs künftig im Aktienregister festgehalten wird. Nach Einschätzung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt liegt der Vorteil der Namensaktie darin, dass Unternehmensinformationen ohne Zwischenschaltung Dritter direkt an die Aktionäre versandt werden können. Bei Inhaberaktien, deren Eigentümer anonym sind, müssen etwa Aktionärsbriefe über die Depotbanken verteilt werden. "Aktiengesellschaften mit einer guten Investor-Relations-Arbeit haben einen Vorsprung im weltweiten Wettbewerb um Kapital", schrieb das DAI in einer Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf.

Die Neufassung sieht vor, dass bei der Namensaktie der Name, Geburtsdatum und Adresse aber nicht mehr der Beruf des Inhabers sowie die Stückzahl ins Aktienregister (früher Aktienbuch) eingetragen werden. Der Aktionär kann von der Gesellschaft Auskunft über die zu seiner Person eingetragenen Daten verlangen. Eine vollständige Einsicht soll jetzt ausgeschlossen werden, auch um Missbrauch durch professionelle Adressenhändler, die durch den Kauf einer Aktien an den gesamten Datenbestand herankämen, auszuschließen.

Transaktionskosten haben sich angeglichen

Die früher kaum genutzte Namensaktie war mit höheren Transaktionskosten verbunden, da jeweils die Namen physisch ins Aktienbuch geschrieben werden mussten. Durch die Einbeziehung der Namensaktie in die Girosammelverwahrung und durch die Entwicklung elektronisch geführter Aktienbücher konnten die Transaktionskosten aber weitgehend angeglichen werden.

Namensaktien oder so genannte "registered shares" sind international weit verbreitet. Insbesondere bei der direkten Börseneinführung in den USA benötigt man Namensaktien. Ansonsten müsste man bei Inhaberaktien mittelbar auf Zertifikate (American Depositary Receipts - ADR), die durch Inhaberaktien gedeckt sind, zurückgreifen.

Der Bundesrat wird sich nach Angaben des Bundesjustizministeriums voraussichtlich am 21. Dezember mit dem nicht zustimmungspflichtigen Gesetz befassen. Das Namensaktiengesetz soll den Unternehmen schon in der kommenden Hauptversammlungssaison zur Verfügung stehen.

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