Unternehmen erhalten vom Markt schnell die Quittung für nächtliche Meldungen
US-Anleger strafen Ad-hoc-Trickser gnadenlos ab

US-Gesellschaften, die Negativ-Meldungen in den Nacht- oder in den frühen Morgenstunden veröffentlichen, werden von Investoren besonders hart abgestraft.

Bloomberg CHICAGO. Die Aktie von Nicor brach am 19. Juli um 40 % ein, nachdem das Unternehmen die Investoren kurz vor Mitternacht mit der Meldung aufschreckte, ein Joint Venture des Gasversorgers habe seinen Umsatz zu hoch angegeben. "Es ist wirklich keine gute Angewohnheit, Nachrichten in den späten Nachstunden zu veröffentlichen, vor allem in der jetzigen Zeit", sagte Louis Thompson, Vorsitzender des amerikanischen National Investor Relations Institute. Unternehmen sollten sich das gut überlegen, "wenn wir ernsthaft daran interessiert sind, das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen".

Neben Nicor haben 42 weitere US-Unternehmen im Juli zwischen acht Uhr abends und fünf Uhr morgens New Yorker Zeit negative Meldungen veröffentlicht. Viele von ihnen erhielten von den aufgeschreckten Investoren bei der ersten Gelegenheit die Quittung dafür. Bei Nicor fand "der Zeitpunkt der Veröffentlichung besondere Beachtung, weil sich gleich mehrere negative Neuigkeiten in der Meldung befanden", kommentierte Sam Brothwell von Merrill Lynch. "Es wäre nicht fair zu sagen, dass Nicor nach dem Prinzip 'melden und schnell verschwinden' vorgegangen ist, aber der Eindruck entsteht, dass Sachen verschleiert werden sollten."

Es gibt gute Gründe, die für eine Veröffentlichung außerhalb der Handelszeiten sprechen

Es gibt jedoch auch Stimmen, die sich gerade für eine Veröffentlichung von Nachrichten außerhalb der Handelsstunden aussprechen. Ein Vorteil, wenn Neuigkeiten nach 20.00 Uhr New Yorker Zeit veröffentlicht werden, ist, dass auch der elektronische Handel dann beendet ist. "Es gibt gute Gründe, die für ein solches Vorgehen sprechen", sagte Henry Hu, ein Professor für Aktienrecht an der University of Texas. "So haben alle die gleichen Chancen und keiner profitiert davon, etwas als erster gehört zu haben."

Es gibt keine Vorgaben, wann Firmenmeldungen erfolgen sollten, bestätigten Sprecher der Börsenaufsicht SEC, der New York Stock Exchange und des Nasdaq Stock Market. Unternehmen handeln nicht illegal, wenn sie wichtige Enthüllungen spät nachts veröffentlichen, erklärte Michael McAlveney, früherer stellvertretender Chef der Abteilung für Unternehmensfinanzen der SEC. Es sei aber besser, "Nachrichten herauszubringen, wenn der Markt sie verdauen kann".

Das gilt auch für positive Nachrichten: Von den 90 Gesellschaften, die zu nachtschlafender Zeit etwas bekanntgaben, hatten 47 gute Meldungen für die Anleger in petto. "Wenn wir eine Umfrage unter den verantwortungsvollsten Unternehmensangehörigen machen, würde sich ergeben, dass sie Meldungen kurz vor Börsenbeginn oder kurz nach Börsenschluss bringen", fuhr McAlveney fort.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%