Unternehmen erweitern Service und müssen sich neu positionieren
Gute Aussichten für Logistik-Aktien

Das Umfeld für Logistik-Werte hellt sich wieder auf. In den vergangenen Monaten haben die Aktien unter den düsteren Konjunkturprognosen stark gelitten. Die Kurse von Stinnes, Vopak & Co. sind seit dem vergangenen Frühjahr um jeweils etwa ein Drittel gefallen.

ali/sfu DÜSSELDORF. Langfristig dürfte es nach Ansicht der Experten aber wieder nach oben gehen: "Selbst wenn die Kurse sich bis Ende des Jahres möglicherweise noch etwas nach unten entwicklen - jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Logistik-Titel zu kaufen", sagt etwa Christian Obst, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank.

Auch Rolf Geck, Analyst der WGZ Bank, hält vor allem bei Stinnes die Zeit für reif, Positionen aufzubauen. Viele Anleger hielten sich aber noch aus Furcht vor einer konjunkturellen Eintrübung zurück.

Dabei könnten gerade die Logistik-Dienstleister durchaus auch von einer Krise profitieren. "Gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten steigt in der Industrie der Druck, die Kosten stärker zu senken und Dienstleistungen vermehrt von externen Anbietern zu beziehen", erklärt der Experte.

Im Vorteil seien dabei vor allem Unternehmen, die ihren Kunden Mehrwertdienste bieten könnten, also Service, der über den reinen Transport hinausgeht. "Wer etwa für seinen Kunden neben der Beschaffungslogistik auch gleich noch die Lagerhaltung mit anbietet, kann höhere Margen nehmen", erklärt Geck. Daher übernehmen breit aufgestellte Logistik-Dienstleister heute schon den Gütertransport, verpacken die Waren, übernehmen die Lagerhaltung etc.

Doch trotz des Trends zum Outsourcing - eine echte Rezession ginge auch an den Logistikern nicht spurlos vorbei: Denn wenn die gesamtwirtschaftliche Tätigkeit zurück geht, bedeutet das natürlich, dass auch weniger Waren umgeschlagen und transportiert werden, warnt Geck.

Der Markt wächst weiter

"Die Nachfrage nach Logistik- Dienstleistungen wird auf jeden Fall weiter wachsen", meint indes Axel Schmidt, Partner bei Roland Berger. Bis 2005 erwartet die Unternehmensberatung vor allem bei den Mehrwertdienstleistungen ein Plus von mehr als 20 %. Auch das Volumen im Interkontinentalverkehr werde dank der engeren globalen Handelsbeziehungen deutlich zulegen. Mit rund 5 % sei das Plus im innereuropäischen Transportbereich am geringsten. "Konkurrenz bedingt tendieren die Preise dort außerdem nach unten, Gewinne aus dem höheren Geschäftsaufkommen werden aufgefressen", sagt Schmidt.

Gegenüber den global agierenden Kunden bringe vor allem die weltweite Präsenz entscheidende Wettbewerbsvorteile, betont Hypo-Vereinsbank-Experte Obst. Insbesondere die angelsächsischen Märkte gelten als interessant. Dort ist die Ausgliederung aller Aufgaben, die nicht zur direkten Kernkompetenz einer Firma gehören, besonders weit fortgeschritten. Ein starkes Nordamerikageschäft haben vor allem die deutsche Stinnes, die britische Exel und die niederländische Vopak.

So beträgt die Outsourcing-Quote in den USA bereits zwei Drittel, in Großbritannien beziehen die Unternehmen immerhin mehr als ein Drittel aller Leistungen von Dritten. Hier hat Deutschland noch Nachholbedarf: Die Quote liegt hierzulande nur bei einem Fünftel.

Um dem Druck von Konkurrenz und Kunden gerecht zu werden, schließen sich die Dienstleister immer stärker zu dichten "supply networks" zusammen. Sie lösen die alten "supply chains" allmählich ab. Fusionen und neue Kooperationsverträge sind laut Branchenexperten im Logistik-Markt alltäglich. Noch sei der Prozess aber nicht abgeschlossen.

Als wichtiges Kriterium für Logistik-Dienstleister führt WGZ-Experte noch eine flexible Kostenquote ins Feld. Denn wer keinen eigenen Fuhrpark besitzt, hat darauf keine Abschreibungen vorzunehmen und bindet kein Kapital.

Ein Blick auf die Branchenbewertung spricht für die Logistiker: Der Subindex CDax Transport & Logistik hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,64. Der Dax 100 weist dagegen ein KGV von mehr als 20 aus.

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