Unternehmen „Goldmedaillen 2008“
Chinas ehrgeiziger Gold-Plan

Damit China seinen ehrgeizigen Plan umsetzen kann, 119 Medaillen zu gewinnen, griff Peking auch auf die Dienste früherer DDR-Trainer mit Dopingvergangenheit zurück.

HAMBURG. Der Kanadier Richard Pound, ehedem Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, blickte vor gut einem Jahr auf die Olympischen Sommerspiele und ihren Gastgeber China. Ihm schwante Unheilvolles: "Wenn China mit tausend Athleten erscheint, von denen vorher noch niemand etwas gehört und gesehen hat, und alle Goldmedaillen gewinnen, ist das ein Problem", so der Kanadier. Man könne im Internet Wachstumshormone, das Blutdopingmittel Epo, Steroide "und vieles mehr bestellen, und es kommt aus China". Das, sei alarmierend, sagte Pound und wies zusätzlich auf einen Umstand hin, der in der Berichterstattung über den Handel und Einsatz von Dopingpräparaten im "Reich der Mittel" bis dato kaum Beachtung fand: "In Chinas Sport-Schulen ist jahrelang systematisches Doping betrieben worden. Schließlich wurden dafür ehemalige DDR-Trainer eingekauft."

In der Tat trimmen derzeit ostdeutsche Wissenschaftler und Trainer im Zuge von Chinas "Strategischem Plan zum Gewinn olympischer Medaillen 2008" - 119 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen sollen es werden - chinesische Athleten für die Spiele in Peking. Auch 19 Jahre nach dem Mauerfall stehen die Übungsleiter aus der ehemaligen DDR hoch im Kurs. Wie zum Beispiel Professor Helga Pfeifer aus Leipzig. Sie gehörte einst zum innersten Zirkel der DDR-Dopingplaner ("Komplex 08") und leitete die "Forschungsgruppe Schwimmen." Pfeifer, so der Potsdamer Antidoping-Experte Giselher Spitzer, "hat über ihre Funktion als Wissenschaftlerin im Schwimmen gewusst, wie man mit Doping Leistung erzeugt."

Jetzt ist sie im chinesischen Schwimmzentrum Shanghai tätig, wo ein Leipziger Hersteller eine hypermoderne Strömungsanlage installiert hat.

Für den Chef der amerikanischen Schwimmtrainer-Vereinigung John Leonhard ist das ein nichtakzeptables Unding. Leonhard hält Pfeifer für eine "Sportkriminelle, die dreizehn Jahre lang untergetaucht ist, um der Bestrafung zu entgehen." Er fordert deshalb "die Verbannung dieser Frau aus der Sportgemeinde und dem Land China." Was nicht geschieht. Warum, glaubt US-Frauencoach Jack Bauerle zu wissen: "Chinas Schwimmer wollen endlich die USA schlagen. Alles andere ist für die unwichtig."

China und die untergegangene Weltsportmacht DDR - schon vor der Wende waren die Chinesen detailliert über die Arbeitsweise ostdeutscher Trainer informiert, sogar über die zu DDR-Zeiten höchst geheimen Unterdruckkammern in der Sportschule Kienbaum, in denen DDR-Spitzenathleten ihr Höhentraining simulieren mussten. Allein sind sie dabei nicht, nach dem Ende der DDR sicherten sich zahlreiche Länder das Wissen der Biomechaniker, Dopingexperten und Übungsleiter. China ist somit kein Einzelfall - als Gastgeber aber im Fokus der Öffentlichkeit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%