Unternehmen hat ein Auge auf Logistikfirma Géodis geworfen
Deutsche Post steht möglicherweise vor wichtigem Zukauf in Frankreich

Die Transaktion könnte den für den 6. November geplanten Börsengang verzögern, berichtet die Börsenzeitung.

afp FRANKFURT. Die Deutsche Post steht nach einem Bericht der "Börsen-Zeitung" vor einem bedeutenden Zukauf in Frankreich, durch den sich der für 6. November geplante Börsengang verzögern könnte. Die Finanzzeitung berichtete am Dienstag, der Bonner Konzern interessiere sich für das Logistikunternehmen Géodis mit umgerechnet mehr als sechs Milliarden Mark Umsatz und 25 000 Mitarbeitern. Das Unternehmen zählt zu den größten auf dem Postmarkt des Nachbarlandes und ist bislang mit der französischen Post, einem der schärfsten Konkurrenten der Deutschen Post, verbandelt. Ein Postsprecher in Bonn wollte den Bericht nicht kommentieren, während Géodis ausdrücklich dementierte. Am Freitag hatte die Deutsche Post allerdings kurzfristig die Vorlage ihrer Halbjahresbilanz verschoben und damit Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme genährt.

Laut "Börsen-Zeitung" müsste die Post ihren Börsengang um rund eine Woche verschieben, sollte der Kauf von Géodis zu Stande kommen. In anderen Medienberichten hatte es zuvor geheißen, die Post wolle sich nicht in Europa, sondern in den USA oder Asien verstärken. Géodis betreibt die Sparten Stückgut, Straßentransport, Logistik und Überseetransporte und erwirtschaftet nach mehreren Zukäufen inzwischen mehr als drei Viertel seines Umsatzes im Ausland. Präsent ist der Konzern außer in Frankreich vor allem noch in Großbritannien, Italien und den Niederlanden.

Größter Anteilseigner von Géodis ist bisher mit fast 44 Prozent die französische Staatsbahn SNCF; eine vereinbarte Kapitalbeteiligung von La Poste ist noch in der Schwebe. Im Rahmen einer Neuordnung der Logistik-Töchter beider Unternehmen sollte die französische Post 24 Prozent des Géodis-Kapitals übernehmen, der SNCF-Anteil sollte dabei auf 24,5 Prozent sinken. Dies sei aber noch nicht vollzogen, betonte eine Firmensprecherin gegenüber AFP.

Die französische Post und der US-Konzern Federal Express als einer der weltweit größten Postdienstleister schlossen unterdessen in Paris ein Kooperationsabkommen. FedEx und die Schnelldiensttochter von La Poste, Chronopost International, werden demnach künftig beim Paketdienst und der Logistik zusammenarbeiten. So soll FedEx für den französischen Partner den gesamten Lufttransport abwickeln, während Chronopost den FedEx-Paketdienst zunächst in Frankreich und Belgien, später in ganz Europa organisiert. Das Abkommen, das keinerlei Kapitalverflechtungen zwischen den beiden Unternehmen vorsieht, soll ab Januar kommenden Jahres wirksam werden.

Der Chef der Deutschen Post World Net, Klaus Zumwinkel, kündigte in der "Financial Times Deutschland" vom Dienstag an, er wolle sein Unternehmen unabhängiger vom Briefgeschäft machen, das in Zeiten von E-Mail und E-Commerce schlechtere Wachstumsperspektiven als etwa der Logistikbereich hat. Bislang trage die Briefsparte noch 95 Prozent zum Konzerngewinn von gut einer Milliarde Euro bei. Bis spätestens 2005 solle dieser Anteile aber auf 50 Prozent fallen. Den Rest würden dann Logistik, Express und Finanzdienstleistungen beisteuern. Die Erträge dieser Sparten bewegen sich derzeit erst im zweistelligen Millionenbereich.

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