Unternehmen hoffen auf schnelle Einigung
US-Gericht widerruft Mobilfunkauktion

Ein US-Bundesgericht stellt die Mobilfunkauktion vom Januar dieses Jahres in Frage. Nach Ansicht der Richter hat die amerikanische Telekommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC) gegen das Gesetz verstoßen, als sie die Mobilfunklizenzen des bankrotten Telekomunternehmens Next Wave erneut versteigerte.

kk/slo NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Gerichtsentscheidung bringt Chaos in den Mobilfunkmarkt. Sie könnte die FCC dazu zwingen, die Lizenzen an Next Wave zurückzugeben und die Gewinner der Auktion auszuzahlen. Das wiederum würde die Ausbaupläne der Mobilfunknetzbetreiber gefährden. Diese haben die Lizenzen ersteigert, um ihre Kapazitäten zu erhöhen.

Der Telekomanbieter Next Wave Telecom hatte die Frequenzen bereits 1996 für 4,7 Mrd. $ erworben. Zwei Jahre später beantragte das Unternehmen Gläubigerschutz, die Lizenzen waren damals nur teilweise bezahlt. Die FCC stornierte daher den Verkauf und versteigerte die ursprünglich von Next Wave erworbenen Lizenzen zum zweiten Mal. Die Auktion von insgesamt 422 Lizenzen - 216 gehörten zuvor Next Wave - brachte der US-Regierung auf dem Höhepunkt der Mobilfunk-Euphorie fast 17 Mrd. $. Fast 16 Mrd. kamen allein von den NextWave-Lizenzen.

Zu den Käufern gehörten unter anderem AT&T, Verizon Wireless (Gemeinschaftsunternehmen von Vodafone und Verizon Communications) und Cingular. Sie haben zwischen 2,3 Mrd. $ und knapp 9 Mrd. $ für die zusätzlichen Frequenzen geboten und wären nach Ansicht von Analysten am härtesten betroffen, falls das Urteil des Gerichts Bestand haben sollte. Auch die Deutsche-Telekom-Tochter Voicestream Wireless hat für knapp 1 Mrd. $ Lizenzen ersteigert, um die eigene Mobilfunkabdeckung zu vergrößern. Die internationale Mobilfunksparte der Telekom, T-Mobile, sieht jedoch vorerst keine negativen Auswirkungen des Lizenzstreits auf ihre US-Tochter. Man habe Frequenzen ersteigert, um die regionale Mobilfunkversorgung auszudehnen, leide aber nicht unter Kapazitätsengpässen. "Wir haben genügend Spektrum", heißt es bei T-Mobile.

Die FCC hat noch nicht entschieden, ob es in Berufung gehen will. Man überprüfe derzeit das Urteil, sagte eine Sprecherin. Branchenexperten gehen nicht von einer Berufung aus, sondern rechnen mit einer außergerichtlichen Einigung. So könnte das Unternehmen zum Beispiel nur einen Teil der Lizenzen zurückbekommen, dafür aber Geld erhalten.

"Das Schlimme ist, dass Next Wave davon kommt. Sein Versprechen, zu zahlen, hält es nicht ein und erhält trotzdem einen Milliarden-Geldsegen", sagte William Kennard, ein ehemaliger FCC-Vorsitzender gegenüber dem Wall Street Journal. Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass die FCC nur die Kompetenzen eines Regulierers habe und nicht die eines Kreditgebers.

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