Unternehmen in Westeuropa streichen wieder mehr Stellen
Neue Entlassungswelle bedroht Konjunktur

Europas Großunternehmen reagieren mit einer neuen Welle von Stellenstreichungen und Entlassungen auf die anhaltend schlechte Geschäftslage und die sich immer weiter eintrübenden Konjunkturperspektiven.

FRANKFURT/M. Das zeigt die Statistik des angekündigten Stellenabbaus, die die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) in London monatlich aufstellt. Im September kündigten Unternehmen in Westeuropa danach den Abbau von 48 000 Stellen an, fast 20000 mehr als im Vormonat. Das war der zweite Anstieg in Folge.

Die neuen Zahlen zerstreuen Hoffnungen auf ein Abflachen des Stellenabbaus, die aufgekommen waren, als der Indikator im Juli auf den tiefsten Stand seit Frühjahr 2001 gefallen war. "Wir müssen auf Grund dieser Daten davon ausgehen, dass die Arbeitslosenzahlen in Europa in absehbarer Zukunft weiter steigen werden", sagte Julian Callow, Leiter des Research von CSFB, dem Handelsblatt.

Für die kommenden Monate rechnet er sogar tendenziell mit noch mehr Stellenstreichungen. "Solche Ankündigungen werden häufig mit der Verkündung schlechter Quartalsergebnisse verbunden, wie sie in den nächsten Wochen zu erwarten sind", warnt er. Zudem vergrößere die Börsenschwäche den Spardruck, weil sie es für die Unternehmen teurer mache, sich frisches Kapital zu beschaffen.

Die neue Entlassungswelle zeigt, dass die Unternehmen schnell Konsequenzen daraus ziehen, dass sich ihr Konjunkturoptimismus seit dem Frühsommer immer mehr verflüchtigt hat. "Der Konsum wird bei solchen Arbeitsmarktperspektiven schwach bleiben, und die Wirtschaft dürfte in den nächsten Quartalen nur wenig wachsen", lautet Callows pessimistische Schlussfolgerung aus der Erhebung.

Zu den Unternehmen, die im September größere Entlassungen angekündigt haben, gehören der Telekomausrüster Alcatel, der Chemiekonzern Bayer, die Dresdner Bank, das angeschlagene Telekomunternehmen Mobilcom, der insolvente Flugzeugbauer Fairchild Dornier und der Versicherungskonzern Zurich Financial.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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