Unternehmen ist viertgrößter Kabelbetreiber Deutschlands
Primacom weitet Nettoverlust aus

Der Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom ist wie von Analysten erwartet in den ersten neun Monaten 2001 bei einem deutlichen Umsatzanstieg tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Umsatz habe sich in den ersten drei Quartalen akquisitionsbedingt auf 120,3 Millionen Euro von 81,7 Millionen Euro im Vorjahr erhöht, teilte die Nemax 50 gelistete Gesellschaft am Donnerstag mit. Dies sei unter anderem auf die erstmalige Konsolidierung des niederländischen Kabelnetzbetreibers Multikabel zurückzuführen. Der Nettoverlust habe auf 81,3 Millionen Euro von 36,8 Millionen Euro ausgeweitet.

Reuters MAINZ. Von Reuters befragte Analysten hatten für die ersten neun Monaten im Durchschnitt einen Umsatz von 119 Millionen Euro und ein Nettoverlust von 80,8 Millionen Euro erwartet. Die Primacom-Aktie notierte in einem gut behaupteten Gesamtmarkt mit 0,5 Prozent im Minus bei 3,78 Euro.

Primacom teilte weiter mit, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei auf 50,783 Millionen Euro von 31,803 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum gestiegen. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich auf 31,188 Millionen Euro von minus 14,773 Millionen Euro in der Vorjahresperiode erhöht. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ebitda von 51,09 Millionen Euro und einem Ebit von minus 27,3 Millionen Euro gerechnet.

Zum 30. September 2001 habe die Verschuldung von Primacom auf rund 813,3 Millionen Euro belaufen. Diese Summe setze sich aus offenen Bankschulden von 802,6 Millionen Euro und 10,7 Millionen Euro Leasing-Finanzierungsverbindlichkeiten zusammen. "Im dritten Quartal 2001 setzte Primacom die Konsolidierung ihrer Akquisitionen zur Realisierung von Synergieeffekten sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden fort", sagte Primacom-Vorstandssprecher Paul Thomason. "Da wir uns schon kurz vor Jahresende befinden, sind wir zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden", fügte er hinzu.

Primacom hat 1,3 Millionen Kunden

Thomason hatte Anfang September gesagt, die Gesellschaft erwarte für 2001 einen Umsatzanstieg auf 158 (Vorjahr: 124,3) Millionen Euro und ein bereinigtes Ebitda zwischen 70 und 72 Millionen Euro. Schwarze Zahlen auf Basis des Jahresüberschusses werde Primacom frühestens im Jahr 2004 schreiben. Primacom ist nach eigenen Angaben der viertgrößte private Kabelnetzbetreiber in Deutschland und der Niederlanden mit rund 1,3 Millionen Kunden.

DZ-Bank-Analyst Wolfgang Specht sagte, der Umsatz habe seine Erwartungen leicht übertroffen, der Nettoverlust sei allerdings deutlicher schlechter als erwartet. Specht zufolge ist die Ergebnisentwicklung bei Primacom noch zu schwach, der Analyst behält daher seine "Reduzieren"-Empfehlung für die Primacom-Aktie bei. Die Analysten von SES Research teilten mit, sie bewerteten den Titel unverändert mit "Outperformer". Die Zahlen für das dritte Quartal lägen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. In den kommenden Quartalen sind nach Einschätzung der Analysten weitere Steigerungen bei der angepassten Ebitda-Marge von Primacom zu erwarten.

Ende Oktober hatten Primacom und die niederländische United Pan-Europe Communications NV UPC ihre Fusionsgespräche über den Zusammenschluss von Primacom mit der deutschen UPC-Tochter EWT nach Angaben von UPC bis zum 15. Dezember verlängert. UPC hatte die Übernahme von Primacom in Form eines Schulden-Aktien-Tauschs im März angekündigt. Angesichts der steigenden Schuldenlast des niederländischen Konzerns gilt jedoch ein Abschluss des Geschäfts unter Analysten als zusehends unwahrscheinlich. Die Gesellschaften hatten Ende August unter Berufung auf erheblich veränderte Marktbedingungen die vorgesehene Aktionärsabstimmung über die Fusion von Primacom mit EWT verschoben. Wegen des veränderten Marktumfeldes seien bestimmte unabdingbare Voraussetzungen des Zusammenschlusses noch nicht erfüllt worden, hatte es geheißen.

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