Unternehmen kann April-Gehälter nicht mehr zahlen
Flugzeugbauer Dornier steht kurz vor der Pleite

Für den Flugzeughersteller Fairchild Dornier wird es eng. Das Unternehmen hat noch keinen Investor gefunden und muss möglicherweise schon am morgigen Dienstag Insolvenz anmelden. Verhandlungen mit dem US-Konzern Boeing sind nach Informationen aus Branchenkreisen abgebrochen worden.

HB DÜSSELDORF. Der zweitgrößte deutsche Flugzeughersteller Fairchild Dornier steht unmittelbar vor dem Konkurs. Wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, muss das Unternehmen noch am morgigen Dienstag einen Insolvenzantrag stellen. Nach Überweisung der März-Gehälter an die mehr als 4 000 Arbeitnehmer sei klar, dass im April die Gehälter an die Belegschaft ohne weitere Finanzhilfe nicht mehr gezahlt werden können, heißt es in Unternehmenskreisen. Fairchild Dornier hat entsprechende Spekulationen über Ostern nicht dementiert.

Aufsichtsratschef Chuck Pieper sagte kürzlich, das Unternehmen befinde sich in einer prekären Situation: "Es gibt einen gewissen Zeitdruck. Die Lage ist kritisch", so Pieper. Nach Unternehmensangaben verbrennt Fairchild Dornier derzeit 50 Mill. $ pro Monat, weil geplante Umsätze angesichts der weltweiten Luftfahrtkrise ausblieben und gleichzeitig die Kosten für die Expansion des Unternehmens und die Entwicklung des Regionaljets 728 in die Höhe schossen. Der neue 70-Sitzer, dem Experten sehr gute Marktchancen einräumen, wurde vor zwei Woche erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Im Sommer 2003 soll das Basismodell 728-100 an den Erstkunden Lufthansa CityLine ausgeliefert werden.

In Branchenkreisen heißt es, Verhandlungen mit dem US-Konzern Boeing, der bisher als Wunschpartner und rettender Investor galt, seien vor den Feiertagen ergebnislos abgebrochen worden. Dem Luftfahrt-Riesen reichte offenbar die Zeit nicht, um innerhalb weniger Wochen ausreichend Einsicht in die Strukturen und Finanzen des Regionaljetbauers zu erhalten. Inzwischen wird spekuliert, Boeing wolle die Insolvenz des Unternehmens abwarten. Ein späterer Einstieg - ohne die hohen Schulden übernehmen zu müssen - wäre für Boeing ohnehin günstiger.

Der US-Hersteller Fairchild hatte die Dornier-Produktion in Oberpfaffenhofen 1996 von der Dasa gekauft. Anfang 2000 wurde das Unternehmen von der amerikanischen Investmentfirma Clayton, Dubilier & Rice sowie der Allianz-Tochter Capital Partners übernommen. Noch im Januar hatte Unternehmenschef Charles Pieper erklärt, die Finanzierung des Jet 728 sei gesichert.

Im Falle der Zahlungsunfähigkeit von Fairchild Dornier stehen nun Bankbürgschaften des Bundes und des Landes Bayern in Höhe von 350 Mill. $ sowie Bankkredite von rund 740 Mill. $ auf dem Spiel. Dass die Banken dem Unternehmen in letzter Minute noch einmal zu einer rettenden Finanzspritze verhelfen, wird von Branchenbeobachtern bezweifelt: "Mit Kirch haben die bayerischen Banken derzeit gerade genug am Hut. Da ist die Angst wohl zu groß, ein weiteres Fass ohne Boden aufzumachen", sagte ein Kenner der Münchner Bankenszene.

Ende 2001 hatten sich die Eigentümer zusammen mit Banken sowie der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung auf ein Finanzierungspaket in Höhe von 870 Mill. $ geeinigt. Nachdem sich allerdings abzeichnete, dass diese Summe nicht ausreichen würde, wollten die Beteiligten einen kapitalkräftigen Partner wie Boeing ins Boot holen.

Auch die Politik hatte wiederholt ihr Interesse daran bekunden, dass Fairchild Dornier erhalten bleibt. Das bayerische Unternehmen gilt als der einzige in Deutschland verbliebene Betrieb, der Verkehrsflugzeuge komplett entwickelt und produziert.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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