Unternehmen
Kommentar: Mehr Mut

Die Verärgerung der deutschen Top-Manager ist am Siedepunkt angelelangt. Nun geht ein Ruck durch die Unternehmen. Man will sich mit der Regierung zusammensetzen.

Ein Ruck geht durch die Unternehmen. Weil die rot-grüne Regierung vor allem bei den Firmen noch Chancen für zusätzliche Steuereinnahmen entdeckt hat, ist die Verärgerung in den Top-Managements der deutschen Großkonzerne auf dem Siedepunkt angelangt. Verschärfungen bei der Ökosteuer treffen vor allem Unternehmen mit hohem Energieverbrauch, die geplante Einführung einer Mindeststeuer würde quer durch die Bank alle größeren Firmen zusätzlich belasten. Und es sind nicht nur höhere Steuern, die in den Unternehmen für Unruhe sorgen. Mit den geplanten Änderungen bei der Rente steigt auch der Aufwand für die Sozialversicherung noch einmal beträchtlich.

Deshalb ist es alles andere als eine Überraschung, dass die Unternehmen jetzt selbst aktiv geworden sind. Die großen Konzerne nehmen die Initiative in die Hand, um nach möglichen Auswegen zu suchen. Es ist nur legitim, die von Rot-Grün geplanten zusätzlichen Belastungen zu umgehen. Die Unternehmen haben das gute Recht, nach steuerlichen Alternativen zu suchen. Wenn sich im Einzelfall die Auflösung einer Konzernholding lohnt, dann sollten betroffene Unternehmen auch schnell zu dieser Lösung greifen.

In den großen Konzernen hat aber nicht nur die Suche nach steuerlichen Alternativen begonnen. Die Dax-Unternehmen verbinden ihren Schulterschluss gleichzeitig mit einem Verhandlungsangebot an die rot-grüne Regierung: Die Steuerpläne müssen nachgebessert werden und dürfen die Unternehmen nicht einseitig belasten. Gleichwohl sehen die Manager auch die Geldnöte der öffentlichen Hand, die Unternehmen wollen Steuern zahlen. Doch die Belastung darf nicht ins Unermessliche steigen und den Firmen die Luft zum Atmen nehmen. Außerdem muss es tief greifende strukturelle Änderungen am Rentensystem und bei der Besteuerung geben - Flickschusterei bringt niemandem etwas.

Die Dialogbereitschaft der Konzerne sollte dabei klare Grenzen haben. Dieses Land hat in den vergangenen Jahren schon genug faule Kompromisse gesehen. Kompromisse, die vielleicht kurzfristig einzelnen Interessengruppen geholfen, die Volkswirtschaft insgesamt aber zurückgeworfen haben. Die Unternehmen tragen zudem ein Stück Mitverantwortung dafür, dass die Lage in Deutschland inzwischen so vertrackt und verfahren ist. Über ihre Verbände haben sie zum Teil ökonomisch unsinnige Regelungen mit den Gewerkschaften ausgehandelt, die jetzt der gesamten Wirtschaft schaden.

Im Zweifelsfall dürfen es dann nicht mehr nur leere Drohungen sein, mit denen Firmen ihre Forderungen in Berlin durchzusetzen versuchen. Unternehmen müssen durch konkretes Handeln unter Beweis stellen, dass sie ihre Sache auch wirklich ernst meinen.

Es geht darum, die besten Lösungen für dieses Land zu finden. Die aktuellen Probleme sind der beste Beweis dafür, dass halbe Sachen Deutschland nicht mehr voranbringen können. In der Wirtschaft muss deshalb der Mut zu mehr Konfliktbereitschaft wachsen. Nur durch den Wettstreit, nur durch den wirklich ausgetragenen Wettbewerb von Ideen kann es wieder aufwärts gehen. Auch wenn es manchmal wehtut.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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