Unternehmen: Kopf in der Schlinge

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Kopf in der Schlinge

Vom Milliardär zum Pleitier: Gerhard Schmid musste private Insolvenz anmelden. Der Mobilcom-Gründer verhob sich mit Aktiengeschäften und Bauprojekten.

Der Mann hat seine Siegespose verloren. Seine Lippen sind fest zusammengekniffen. Sein pausbackiges Gesicht läuft immer wieder rot an und sitzt wie eine Signallampe auf dem kräftigen, in dunklen Anzug gekleideten Oberkörper. Nervös versucht Schmid, das Blitzlichtgewitter der Kameras zu meiden, indem er hektisch auf einem kleinen Block herumkritzelt.

Gerhard Schmids Betroffenheit ist verständlich. Dem Firmengründer der Büdelsdorfer Mobilcom AG droht privat die Pleite. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Hamburger Rathaus gesteht der Selfmade-Manager seine Niederlage ein. Er musste am Freitag vergangener Woche beim Flensburger Amtsgericht Insolvenz anmelden, da ihm "die Zahlungsunfähigkeit bei einem sich weiter fortsetzenden Wertverfall der Mobilcom-Aktien" drohe. Auslöser für die Bankrotterklärung sind Aktien- und Immobiliengeschäfte. Sie führten offenbar zu einem Schuldenberg "von weniger als 300 Millionen Euro". Über die genaue Höhe schweigt sich Schmid noch aus. Sie wird derzeit noch festgestellt.

Dass er finanziell in die Klemme geraten ist, ist größtenteils seine eigene Schuld. So hatte der 51-Jährige im vergangenen Jahr darauf spekuliert, dass der französische Großaktionär France Télécom sein Aktienpaket übernimmt. Um möglichst viel Geld bei dem Pariser Telefonriesen herauszuschlagen, stockte Schmid sein Aktienpaket behutsam weiter auf, bis zu 44 Prozent, indem er Anteile an der Börse auf Pump kaufte.

Bei dem Megadeal half auch seine Ehefrau, Sybille Schmid Sindram. Sie gründete die Millennium GmbH und kaufte mit 71 Millionen Euro aus der Konzernkasse von Mobilcom Aktien der Handy-Gesellschaft hinzu. Damit verfügte die Familie Schmid über die Mehrheit an dem Telekommunikationskonzern und spekulierte auf einen satten Paketaufschlag für den Fall des Verkaufs.

Doch der Pariser Telefonriese France Télécom war nicht bereit, die überzogenen Preisvorstellungen des ehemaligen Shootingstars des Neuen Marktes zu zahlen. Entnervt zogen sich die Franzosen aus ihrem deutschen Engagement zurück. Die Folge: Der Aktienkurs der norddeutschen Gesellschaft rutschte in den Keller.

Damit ging es auch persönlich für Schmid abwärts. Er hatte Probleme, die privaten Wertpapierkredite bei den Banken zu bedienen. Denn dem Finanzjongleur sitzen auch die Gläubiger für seine Immobiliengeschäfte im Nacken. So hatte der Manager in Kiel, auf dem ehemaligen Industriegelände der Howaldtswerke Werft-Deutsche AG am Germaniahafen, vor einigen Jahren ein millionenschweres Bauvorhaben angeschoben. Dort sollten für mehr als 50 Millionen Euro Büros für Internet-Millionäre entstehen. Aber die Handwerker bekamen von Schmid nicht das zugesagte Geld. Das Projekt muss mit Hilfe der Banken zu Ende geführt werden.

Trotz seiner finanziellen Niederlage lässt sich Schmid nicht beirren. "Ich will mir das Heft nicht weiter aus der Hand nehmen lassen", betont der frühere Mobilcom-Chef gestern. Er will die aus seiner Sicht Verantwortlichen für sein privates Unglück zur Verantwortung ziehen. Dazu zählen vor allem seine beiden ärgsten Widersacher: der Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, der als Treuhänder für sein Aktienpaket eingesetzt wurde, und der neue Mobilcom-Aufsichtsratschef Dieter Vogel. Gegen sie will er Schadensersatzforderungen durchsetzen, weil ihr Verhalten den Aktienkurs gedrückt habe. Ob Schmid hieraus aber einen Geldsegen erwarten kann, gilt als sehr fraglich.

Allerdings könnte ihm das private Insolvenzverfahren tatsächlich helfen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dabei setzt er auf Insolvenzverwalter Otto Gellert. Schmid hatte ihn ursprünglich als Ersatz für den Treuhänder Thoma einsetzen wollen. Doch die Banken und der Bund waren dagegen.

Nun kann Gellert zurückschlagen. Der Sanierungsexperte dürfte zunächst alles versuchen, durch das vorläufige Insolvenzverfahren auch Mobilcom wieder in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Die Anleger könnten es honorieren, dass jetzt nicht mehr Schmid selbst mit den anderen Beteiligten über Kreuz liegt, ist Gellerts Hoffnung. "Es diszipliniert alle Beteiligten", erklärte er. Damit will der Wirtschaftsprüfer vor allem ein Ziel erreichen - einen schnell steigenden Kurs der Aktien von Mobilcom. Gestern gab es bis zum frühen Abend ein Plus von rund acht Prozent.

Sollte die Aktiennotierung deutlich über die derzeit gut drei Euro klettern, könnte Schmid wieder handlungsfähig werden, indem Gellert die Aktien verkauft. Damit wäre Schmid wieder in der Lage, seine Kredite bei den Banken zu bedienen - die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wäre überflüssig. Am Ende könnte Schmid wieder als Gewinner dastehen und sein verschmitztes Lächeln zurückgewinnen.

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