Unternehmen kritisieren mangelnde Transparenz
Mittelstand ist mit Online-Banking unzufrieden

Die mittelständischen Unternehmen fühlen sich von den Banken beim Online-Banking im Stich gelassen. In einer Studie der St. Gallener Unternehmensberatung Information Management Group (IMG) fordern die Unternehmen neben der einfachen Beratung auch internetbasierte Mehrwertleistungen, wie Online- Finanzierung oder Währungsdisposition.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Firmenkundenportale sind ihnen zu wenig transparent, um diese effektiv einsetzen zu können. Die auf der Befragung von 4 000 Unternehmen basierende Studie sieht in der unzureichenden Beachtung der elektronischen Entwicklung und der Bedürfnisse des Mittelstandes ein Gefahrenpotenzial auch für Banken.

Für Christian Johannsen, Co-Autor der Studie, ist die direkte Verbindung der Bankdienstleistungen mit der Wertschöpfungskette der Mittelständler entscheidend. Dadurch könnten Unternehmen noch stärker in partnerübergreifenden Geschäftsprozessen unterstützt werden. Vor allem bei einfachen Finanzierungen zeigen die Ergebnisse ein erhebliches Nachfragepotenzial auf. Die Deutsche Bank will ab der zweiten Juli-Hälfte auf ihrem Portal Kreditziehungen bei bestehenden Kreditlinien ermöglichen. Die Laufzeit soll bis zu einem Jahr reichen.

Vorsichtige Vorgehensweise

Eine selektive und vorsichtige Vorgehensweise bei der Einführung von Firmenkundenportalen empfiehlt Thomas Eichelmann, leitender Partner für Finanzdienstleistungen bei der Unternehmensberatung Roland Berger den Banken. Anfangs seien die Portale überladen und Vorteile nicht sofort ersichtlich gewesen. Die Vorteile für die Banken in einem einfach strukturierten Online-Angebot lägen darin, auch kleineren Unternehmen ihre Produkte kostengünstig anzubieten.

Auf Grund der unbefriedigenden Ertragslage im Firmenkundengeschäft sind Zweifel angebracht, ob die Banken in die Weiterentwicklung ihrer klassischen Geschäftsmodelle sowie damit verbundenen Vertriebs- und Betreuungskonzepten investieren wollen.

Dass sich die privaten Großbanken aus der Mittelstandsfinanzierung zurückziehen, war das Ergebnis einer vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorgelegten Studie. Da das mittelständische Kreditgeschäft eine entsprechende Eigenkapitalunterlegung erfordert, sind vor allem kleinere Unternehmen für Banken zunehmend unattraktiv. Eine Neuausrichtung der Banken gegenüber kleineren und mittleren Firmen ist laut Hans W. Reich, Vorstandssprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), schon zu beobachten.

Ratingdiskussion bietet "Riesenchance"

Ein Vorwurf, gegen den sich die Banken wehren. "Das Mittelstandsgeschäft ist nach wie vor interessant", sagt Peter Rogalski, Leiter des Zentralbereichs Firmenkunden bei der Hypo-Vereinsbank. Nur werde die Margenkalkulation immer mehr von der Bonität des Kreditnehmers bestimmt. Für die risikoangemessene Bepreisung setzen die Banken bereits interne Ratingverfahren ein. Diese sind auch Bestandteil der neuen Eigenkapitalanforderungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II).

Laut Alexander von Tippelskirch, Sprecher des Vorstands der IKB Deutsche Industriebank, bietet die Ratingdiskussion den Banken eine "Riesenchance". Es finde ein qualitativer und quantitativer Dialog statt, durch den das gegenseitige Verständnis wachse und die Transparenz über das Unternehmen zunehme. "Die Vertrauensbasis Kunde/Bank wird noch wichtiger", sagt der Vorstandssprecher. Außerdem werde ein Umdenkungsprozess im Unternehmen selbst ausgelöst.

Für Unternehmen mit guter Bonität kann dies nur von Vorteil sein, denn sie erhalten dann günstigere Konditionen. Die Quersubventionierung schlechter Risiken müssten sie nicht mehr mitfinanzieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%