Archiv
Unternehmen machen bei Webauftritten zu viele Fehler

Erfüllen die Internetauftritte von Unternehmen die Informationswünsche von Journalisten? Das untersuchten die Beratungsunternehmen ProfNet und Dr. Doeblin . Das Ergebnis war einhellig vernichtend: Nur 50% der analysierten Seiten führen zu den gewünschten Information. Die Rote Karte gab es vor allem für fehlende Dialogfunktion

DÜSSELDORF. Unternehmen möchten Journalisten als Multiplikator für ihre Informationen nutzen. Dabei bietet das Internet eine Fülle an Möglichkeiten. Das haben die meisten Unternehmener erkannt, aber an der Umsetzung hapert es gewaltig.

ProfNet, ein Institut für Internet-Marketing, befragte daher 330 Journalisten in Workshops und online nach ihren Informationswünschen und Lösungen. Die Ergebnisse wurden mit dem Angebot der 50 größten deutschen Industrieunternehmen, der je 15 großen Banken und Versicherungen, der 10 größten deutschen Städte sowie mit 10 Internetauftritten von Verbänden und politischen Parteien verglichen. Das Ergebnis war niederschmetternd: Es gab keine Sieger, nur Verlierer. Der beste Internetauftritt erreichte 28 Punkte von 50 möglichen. Die Wissenschaftler stellen fest: "Die Chancen und Möglichkeiten des neuen Mediums werden nur unzureichend erkannt und nach wie vor nicht umgesetzt." Durchschnittlich erreichten die Unternehmen, bzw. Städte, Verbände und Parteien nur knapp 15 Punkte.

Auf folgende Punkte kommt es an:

Gestaltung

Wie sind die Seiten gestaltet? Journalisten lieben es einfach, schlicht und übersichtlich. Im Bereich Layout sind die Unterschiede zwischen Angebot der Unternehmen und Bedürfnissen der Journalisten noch am geringsten. Die Nutzung von Audio und Video als gestalterische Elemente einer Website sind seitens der Anbieter selten und werden von der Zielgruppe auch nicht im besonderen Maß nachgefragt. Auch auf "animated gifs" (bewegte Bilder ) kann aus Sicht der Presse verzichtet werden. Audiosequenzen werden ausschließlich von Hörfunkredakteuren als nützlich empfunden, sofern die Audiosequenzen downloadfähig sind.

Handling


Wie leicht findet der Nutzer die Seiten? Wie zügig erscheinen die Seiten? Das schnelle und einfache Finden von Informationen ist für Journalisten von großer Wichtigkeit. Und ausgerechnet hier versagen die Unternehmen jämmerlich. Suchfunktion wie Volltextsuchmaschinen oder schlicht eine Sitemap, die dem Nutzer helfen, für ihn wichtige Inhalte zügig zu finden, suchen Journalisten vergeblich.

Besondere Ansprache erwünscht


Journalisten wünschen sich einen eigenen Button "Presse". Ein Klick auf diesen Knopf sollte spezielle Informationen zu Tage fördern. Das sind vor allem Pressemitteilungen (aktuell und Archiv), Name des Pressespreches incl. Adresse, Handy-Nummer und E-mail. Aus der (>>Übersicht) erkennt man: Adresse, Fotos und Texte sollten zum Downloaden sein. Wichtig sind ebenso: Eine Volltextsuchfunktion, die Möglichkeit einer Online-Anmeldung für Events und Pressekonferenzen. Hier formuliert eine informationsorientierte Zielgruppe ihre Wünsche. Eigentlich sind die gewünschten Angaben ja Selbstverständlichkeiten, aber die Erfahrung hat die Zielgruppe gelehrt, "dass sie mit Ihren Wünschen in der Web-Wüste stehen", wie die Verfasser der ProfNet-Studie feststellen

Die Zielgruppe der Journalisten erwartet(>>mehr) als alle anderen Aktualität. Damit ist gemeint, dass die Internetnews nicht nur zutreffen, sondern dass auch ständig neue Nachrichten aus dem Unternehmen bereitgestellt werden. Zu einem ähnlichem Ergebnis kommt auch die Dr. Doeblin, Gesellschaft für Wirtschaftskommunikation. Nach Befragung von 340 Wirtschaftsjournalisten stellt das Institut fest: Auf der Wunschliste ganz oben stehen: "Aktuelle Presseinformationen". Aber dieser Wunsch wird nicht befriedigt. Die Mehrheit der Journalisten (69 %) beklagt die fehlende Aktualität der Seiten. Die Hälfte wundert sich auch, dass E-Mail-Anfragen im "Schneckentempo" beantwortet werden.

Zusatznutzen liegt in der Interaktivität


Internetauftritte sind nur dann sinnvoll, wenn sie einen echten Zusatznutzen zu anderen Medien bieten. Und der Zusatznutzen liegt nun mal in der Interaktivität. 78% der Befragten wünschen sich einen Call-Back-Service. Dabei handelt es sich lediglich um ein Formular, mit dem der Journalist den Ansprechpartner um Kontaktaufnahme (in der Regel per Telefon) zu einer bestimmten Zeit bittet. Als großes Problem wurden auch in dieser Untersuchung die Antwortzeiten auf E-Mail-Anfragen genannt. Oberstes Gebot für die Anbieter muss es daher sein, die Zuständigkeiten im E-Mail Verkehr zu klären. Als wünschenswert wurde in der Befragung auch die Möglichkeit von Chatrooms und Foren erachtet. Wichtig auch die Online-Akkreditierung für Veranstaltungen. Dies würde der Zielgruppe erhebliche Arbeitserleichterungen darstellen.

Anspruch und Wirklichkeit

Gefragt nach ihren Zielen im Internet antworteten vor 2 Jahren 82% der PR-Verantwortlichen mit: "Schaffung einer Feedbackmöglichkeit". Dies wurde bereits damals als zweitwichtigstes Ziel (nach der Informationsbereitstellung) so gesehen. Bleibt die Frage: Warum haben Sie es dann auch nicht getan?.

Dr Peer Walter Jahn, Produktmanger, der die Studie bei Profnet durchgeführt hat, erklärt sich dies so: "Die Unternehmen haben die strategische Bedeutung des Internets noch nicht erkannt". Er vermutet, dass dies auch alterstbedingt ist: "In deutschen Vorstandsetagen sitzt eine andere Generation, die zum Internet wenig Bezug hat."

Und: IT-Verantwortliche und Marketingleute mit Internetwissen, die die Möglichkeiten des Internets zu Kundenbindung kennen, sitzen oft nicht auf Vorstandsebene. Zwar wurden die Internetauftritte der Unternehmen immer umfangreicher, aber nicht besser. Jahn drückt es so aus: Die meisten Unternehmen handeln wohl nach dem Motto: "Dabeisein ist alles."

Umdenken bei den Unternehmen ist dringend nötig - Hemmschwelle vor Dialog muss fallen


Obwohl sich also die meisten Journalisten einen Call-Back-Service wünschen, bieten ihn nur 1% an. 88% der Redakteure möchten eine Newsletter - eine für die Firma optimale und preisgünstige Gelegenheit Unternehmensnews unters Volk zu bringen - angeboten wird er nur von 30 % der Unternehmen. So lassen sich weitere negative (>>Beispiele) finden. Viele Unternehmen stellen prachtvolle Hochglanzbroschüren einfach ins Netz. Einige wundern sich, dass die Resonanz ausbleibt. Jahn vermutet, ein Grund könnte sein, dass viele auch keine Resonanz wollen: "Wer immer noch nicht die Namen der Anprechpartner und Telefonnummer ins Netz stellt, der möchte nicht angerufen werden." Der Wissenschaftler kennt aber auch andere Gründe: Ein Softwareunternehmen stellt die Vertriebsleiter aus Angst vor Abwerbung nicht ins Netz: "Da rufen doch nur die Headhunter an und holen uns die Leute weg."

Nur 5 untersuchte Unternehmen erreichen mehr als 50% der möglichen Punkte


Die positiven (>>Beispiele) kann man an einer Hand abzählen. Die Veba AG (nach dem Zusammengehen mit Viag heute Eon) erreichte 28 von 50 Punkte, weil sie umfangreiche Presseinformation ins Netz stellt und immerhin alle Ansprechpartner mit Name und Bildchen ins Web stellen. Preussag hat im Vergleich mit den anderen Unternehmen die beste Note für Dialog erhalten. Unter dem sofort ersichtlichen button "Presse und Medien" findet man sogar eine Call-Back-Funktion. Weiter positive Beispiele sind BASF und Mannesmann . Die (>>Unterschiede) zwischen den Web-Seiten der Unternehmen, Kreditinstituten, Städten, Verbänden und Parteien sind in einigen Punkten groß. Generell sagt die ProfNet-Studie, dass Kreditinstitute und Verbände in dieser Untersuchung die besseren Informationen ins Netz stellen. Dafür geizen Verbände und Städte oft auffällig mit der Angabe der Ansprechpartner. Das ist umso verwunderlicher, als sich der Besucher gerade in diesen großen Institution mit ihren verzweigten Fachabteilungen schwer zurechtfindet. Das Downloaden von Videos bieten nur 10% an. Es fällt auf, dass keine Stadt ein Video zur Verfügung stellt. Das verwundert, da doch gerade Städte hier ein Instrument an der Hand habe, das auch für Touristen interessant wäre.

Auch Journalisten nutzen das Internet unzureichend


Das Internet wird teilweise schon heute für die Recherche eingesetzt. Allerdings gibt es auch immer noch eine große Anzahl von Redaktionen, die nicht nicht einmal E-Mail-Anschluss besitzen. So hatte ProftNet Probleme unter den Tageszeitungen genügend Teilnehmer für seine Befragung zu finden.

Fazit


Die schlechten Ergebnisse sind für die Wissenschaftler nichts Neues. Im letzten Jahr untersuchten das Institut die Internetauftritte von 500 großen Unternehmen und Banken/Versicherungen, wie sie den Kontakt zu ihren Aktionären und Finanzjournalisten pflegen. Schon damals hagelte es schlechte Noten. Insbesondere fielen die Unternehmen bei dem Kriterium Interaktivität durch.

Der Rat kann nur heißen: Den Auftritt so simpel wie möglich machen. Die Maxime heißt: Jeder muss mit maximal 3 Klicks dahin kommen, wo er hin will. Eine Hilfe dabei ist auch die Mouse-Over-Funktion (bei Berührung eines Wortes mit der Maus erscheinen zusätzliche Informationen), die von den Journalisten explizit genannt wird. Auf die Frage, wann die Unternehmen endlich ihre Auftritte verbessern hat Dr. Jahn nur eine Antwort: "Wenn mit dem Internet Geld verdient werden kann."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%