Unternehmen mieten IT-Anwendungen kostengünstig übers Internet
Geschäftsprozesse aus der Steckdose

Application Management erfreut sich bei Unternehmen wachsender Beliebtheit. Dabei lagern die Firmen nicht die komplette IT aus. Aber die Anwender greifen auf Programme zurück, die extern betrieben werden.

Die Mitarbeiter in der fränkischen Porzellanmanufaktur Rosenthal verfügen an ihren Arbeitsplätzen lediglich über Monitore und Tastaturen. PCs benötigen sie nicht, denn sie beziehen ihre Anwendungsprogramme direkt von zentralen Servern in einem externen Rechenzentrum von T-Systems. Hierhin hat Rosenthal unter anderem SAP-R/3, das Lohnabrechnungs- sowie das Management-Informationssystem ausgelagert.

Die Anwendungen, die Unternehmen an externe Dienstleister auslagern, reichen von Online-Speicherlösungen, die Daten automatisch und regelmäßig an externe Rechenzentren übermitteln, bis hin zu komplexen E-Business-Lösungen wie Internet-Marktplätzen. Die Marktforscher Pierre Audoin Consultants (PAC) und Lünendonk sehen für dieses so genannte Application Management in den nächsten Jahren zweistellige Wachstumsraten voraus. Vor allem legten die Kunden dabei Wert auf Service und Beratung. Der Übergang zu weiterführenden Arten des Outsourcings, beispielsweise der Übernahme kompletter Rechenzentren einschließlich des IT-Personals, dürfte allerdings fließend bleiben.

IT-Ausgaben stagnieren

Nach einer Umfrage, die Mummert Consulting im Mai dieses Jahres durchführte, investieren immer weniger deutsche Firmen in Informationstechnologie und Telekommunikation. Geld fließt nur noch in Projekte, welche die Produktivität steigern und Geschäftsabläufe optimieren. Ausgaben sollten sich innerhalb von zwei Jahren refinanziert haben. Diesem Trend kommen die beim Application Management üblichen Mietmodelle entgegen. Hierbei bleibt der Dienstleister Eigentümer der Software. Er betreibt Anwendungen auf zentralen Servern und verwaltet die Lizenzen. Der Nutzer verwandelt auf diese Weise fixe IT-Investitionskosten in kalkulierbare monatliche Beiträge. Er bezahlt Leistungen nur noch nach tatsächlichem Bedarf. Weitere Kosten fallen nicht an, da der Provider die von ihm gestellten Anwendungen selbst wartet und auf dem neuesten Stand hält.

Zeit- und Kostenvorteile

Heute verbringen Techniker in vielen Unternehmen einen Großteil ihrer Zeit mit der Pflege von Standardsoftware. Demgegenüber erzielt ein Unternehmen, das Routineanwendungen auslagert, erhebliche Zeit- und Kostenvorteile, da die Mitarbeiter sich ausschließlich mit Kernprozessen wie der strategischen Weiterentwicklung der IT befassen. Laut IDC, SevenOne Media und NFO Infratest rechnen sich Software-Dienste über das Internet bereits nach 1,3 Jahren. Innerhalb von fünf Jahren erzielen die Nutzer einen Return on Investment (ROI) von 400 Prozent.

Wer beispielsweise seinen Webauftritt auslagert, spart mehr als nur die Kosten für die Serverhardware. Der Dienstleister stellt darüber hinaus die Netzanbindungen, betreibt die erforderlichen IT-Systeme und ist dafür verantwortlich, dass sich die oft sehr umfangreichen Webpräsenzen rund um die Uhr störungsfrei abrufen lassen. Diese Vorteile sind vielen bereits bekannt: Nach Marktprognosen von Ovum steigen die Umsätze für das Web-Hosting bis zum Jahr 2006 um 50 Prozent.

Neben dem eigentlichen Webauftritt lagern Unternehmen aber auch Datenbanken ins Internet aus. Zum Beispiel betreibt T-Systems für Kommunikationsdienstleister eine plattformunabhängige Lösung, mit der sich Medienformate online vervielfältigen, archivieren und verteilen lassen. In die Datenbank sind Bestell- und Abrechnungsfunktionen integriert, die es ermöglichen, Inhalte zu vermarkten.

Mehr Partner als Kunde

Damit das Application Management die gesteckten Erwartungen erfüllt, müssen Auftraggeber und Dienstleister über einen längeren Zeitraum partnerschaftlich zusammenarbeiten. Es kommt darauf an, gemeinsam eine individuelle und zukunftsfähige Lösung zu finden. Dies wird an dem Beispiel Barmer deutlich. T-Systems konzipiert, baut und betreibt für die Krankenkasse einen Beschaffungsmarktplatz und bindet ihn vollständig in die Barmer-Systemwelt ein. Um hohe Investitionen zu vermeiden, bezieht die Barmer diese Transaktionsplattform auf Mietbasis. Die erste Projektphase beginnt unter anderem mit katalogfähigen Einrichtungsartikeln sowie Druckerzeugnissen. Zukünftige Erweiterungen lassen sich mit der modular erweiterbaren Plattform ohne technischen Aufwand rasch umsetzen.

Auswahl des geeigneten Providers

Oberstes Kriterium bei der Auswahl eines Dienstleisters ist dessen wirtschaftliche Situation. Je geschäftskritischer die ausgelagerten Applikationen sind, um so mehr muss ein Provider Investitionssicherheit garantieren können. Erst ab einer bestimmten Größe ist es darüber hinaus möglich, über entsprechende Auftragsvolumina günstige Einkaufskonditionen für IT-Systeme zu erzielen und diesen Vorteil über den Preis an den Kunden weiterzugeben.

Weiterhin sollte der Provider die über das Internet gelieferten Anwendungen vor Dritten ausreichend schützen können. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn der Kunde Anwendungen über das Internet bezieht, bei denen die Mitarbeiter über Online-Offices im Außendienst oder Heim-Büro mobil auf ihre Dateien und Kommunikations-Software wie E-Mail oder die Adressverwaltung zugreifen. Hier sollte der Kunde unter anderem prüfen, ob der Outsourcer über Rechenzentren verfügt, die nach dem strengen britischen Sicherheitsstandard BS 7799 zertifiziert sind. Nicht zuletzt sollte der Provider alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten können, damit der Kunde sich in allen IT-Belangen an einen verlässlichen Ansprechpartner wenden kann.

Autor:

Jan Geldmacher ist Geschäftsführer Telecommunication Services bei .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%