Unternehmen möglicherweise vor dem Aus: Schock für Grundig

Unternehmen möglicherweise vor dem Aus
Schock für Grundig

Blankes Entsetzen herrscht an diesem Montag auf dem Grundig-Firmengelände in Nürnberg-Langwasser. Die Nachricht vom Rückzug des türkischen Beko-Konzerns hat den überschuldeten Elektronikhersteller kalt erwischt.

HB/dpa NÜRNBERG. Mit den Türken als neuem Mehrheitseigner sollte alles besser werden - nun steht Grundig möglicherweise vor dem Aus. Schon macht das Wort von der Insolvenz die Runde.

In einer Mitteilung an die Istanbuler Börse erklärte Beko Elektronik AS am Montag: "Nach detaillierten Bewertungen ist beschlossen worden, die Aktien der Grundig AG nicht zu kaufen." Ein dürrer Satz, der in der Nürnberger Konzernzentrale zunächst Ratlosigkeit hervorrief. Denn dort wusste man bis dahin nichts von der offenbar schon feststehenden Entscheidung am Bosporus. Im Terminkalender von Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer standen noch für Montagnachmittag Gespräche mit Beko in München.

"Wir befürchten das Schlimmste", sagte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Schwarz. "Unsere Hoffnungen schwinden von Minute zu Minute." In einer eilends einberufenen Betriebsversammlung wurde die Belegschaft von der neuen Situation unterrichtet. Knapp 4000 Beschäftigte, darunter 1300 in Nürnberg, stehen noch auf den Gehaltslisten des einstigen Großkonzerns, der in seinen besten Zeiten weltweit 38 000 Mitarbeiter hatte. Die verbliebenen Beschäftigten haben in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Erst Anfang des Jahres schien der Einstieg des taiwanesischen Sampo - Konzerns besiegelt. Wenig später kam die Absage, doch die Verhandlungen mit Beko weckten neue Hoffnungen.

Die Koc-Holding, zu der Beko gehört, nannte am Montag "unterschiedliche Preisvorstellungen" als Grund dafür, das man "den Dialog mit Grundig beendet" habe. Mehrere Stolpersteine erschwerten die Verhandlungen. So schleppt Grundig hohe Pensionsverpflichtungen mit sich herum, für die allerdings durch eine Vereinbarung mit dem Pensions-Sicherungs-Verein eine Lösung gefunden schien. Das Grundig - Fernsehgerätewerk in Wien war ein weiterer Streitpunkt. Der österreichische Industrielle Mirko Kovats hatte es unter der Bedingung gekauft, dass Grundig dort weiterhin fertigen lässt - eine Vereinbarung, an der Beko dem Vernehmen nach kein Interesse hatte. ´

Ob Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer nach Sampo und Beko nun noch einen Trumpf im Ärmel hat, ist mehr als fraglich. Grundig hat hohe Schulden, verfügt kaum über Eigenkapital und ist seit langem auf Kredite angewiesen. Als neuer Geldgeber war zuletzt die Citibank - Gruppe genannt worden. Die Alt-Banken, zu denen Deutsche und Dresdner Bank, Commerzbank und Bayerische Landesbank zählen, wollten sich dann zurückziehen. Doch die Gespräche mit der Citibank waren Berichten zufolge auf Beko-Vermittlung zu Stande gekommen und könnten damit bereits hinfällig sein.

"Es geht jetzt darum, möglichst viel Personal zu schützen", sagte Betriebsratschef Schwarz. Zumindest wirtschaftliche Bereiche wie die Autoradio- und die Satelliten-Sparte müssten gerettet werden. Am Dienstag will sich der Grundig-Aufsichtsrat in München treffen. Der Grundig-Eigentümer und Aufsichtsratschef Anton Kathrein (Rosenheim) mochte sich am Montag nicht zum Grundig-Desaster äußern.

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