Unternehmen pleite
Game over für Gizmondo

Der vorhersehbare Tod des viel versprechenden Allroundgeräts beweist wieder einmal, wie wichtig ein prägendes Design ist. Kurz vor Weihnachten stand er noch da, in der Londoner Regent Street, vor lauten Coolness protzend, der Flagship Store von Gizmondo. Jetzt ist das Unternehmen pleite.

Allein der Name, was für eine Erfindung! Auf Italienisch so attraktiv wie Sigmund auf Deutsch. Ein globales Gizmo, ein ultimatives Gerät sollte Gizmondo werden. Glänzend wie der ausgewählte Claim: "I can do anything". Aber was genau ist Gizmondo? Telefon, Spielkonsole, GPS-Navigationssystem, Jukebox, Digitalkamera oder ein Multimedia Messenger in einem. Gizmondo eine tödliche Waffe gegen die Giganten Sony PSP und Nintendo DS.

Die Idee, die gut genug war, um Investoren zu finden, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Flop: Ein Jahr lang üppig annonciert, erst seit Herbst auf dem Markt, für satte 329 Euro zu haben, wenige Monate - kurz vor Karneval - muss Tiger Telematics für das Gizmondo-Abenteuer tiefrote Zahlen melden und das Unternehmen liquidieren. Die Verluste sind ein Hundertfaches des mageren Umsatzes - bei geschätzten 5 000 verkauften Geräten.

Im Bild sieht das Multfunktionsgerät besser aus als in der Realität. Es scheint so, als hätten die Designer versucht, die gestalterische Mitte zwischen einem Rasiergerät, Toaster, einer Fernbedienung und einem Weltempfänger zu finden. Dem Claim nach: "Can do anything, looks like anything." Haben sie alles falsch gemacht? Die Frage ist gerechtfertigt, zumal hier nicht irgendjemand, sondern unter anderen Pininfarina am Werk war.

Das Turiner Designbüro ist zwar mehr für seine klassischen Automobilschöpfungen als für das gegenwärtige Industriedesign berühmt. Dennoch ist es nicht alleine schuld an dem Desaster. Auch nicht jene Designer sind alleine schuld, die das schmucke Logo entworfen haben - tragischer Weise ist es dem bekannten Walkman-Markenzeichen viel zu ähnlich.

Gizmondos Problem liegt im Designkonzept. Es wurde der Faktor Marke unterschätzt: Playstation und Nintendo sind feste Größen am Markt und pflegen eine sehr treue Community - eine, die vor allem eines will: spielen. Um mehr zu bieten, wurde viel Unnützes in das Gerät integriert.

Gleichzeitig wurde vergessen, den Kern der Innovation zu kommunizieren. Gizmondo ist die einzige Spielekonsole, die Dank Positionserkennung per Satellit (GPS-Funktion) eine interaktive Einbindung der Umgebung in das Spiel ermöglicht hätte. Eine faszinierende neue Dimension der virtuellen Spielewelt - wären rechtzeitig passende Spiele dafür entwickelt worden.

Nicht nur ordentliches Gaming, sondern alles andere auch - MP3- Player, Rechner, Kamera, Navigation - bieten viele Handys oder PDAs auch. Es ist schwer genug, ein Produkt zu schaffen, das eine Funktion mit Bravour meistert. Alles auf einmal integrieren zu wollen, ist nicht nur naives Marketingdenken. Es ist auch dummer Design-Idealismus. So viel Heißluft-Innovation will man einfach nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%