Unternehmen rechnen Sonderausgaben häufig heraus
Ergebniskosmetik kann für Investoren sehr teuer werden

Unternehmen können Investoren und Analysten bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse leicht verwirren. Problematisch ist vor allem die leidige Praxis, Aufwendungen für Umstrukturierung oder Gerichtsverfahren einfach auszulassen, um dem Ergebnis etwas nachzuhelfen. Wo immer dieser Trick angewandt wird, sollte bei Investoren die Warnlampe leuchten: Der Aktienkurs dieses Unternehmens könnte in eine unangenehme Richtung laufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Baseline, einem Tochterunternehmen von Thomson Financial.

Baseline hat 18 Monate lang die Kursentwicklung der Unternehmen im S&P-500-Index untersucht, die ihre in ihren Ergebnis-Veröffentlichungen Sonderposten ausgelassen haben. Dies ist in den so genannten "proforma-Veröffentlichungen" häufig der Fall. Wird das Auslassen von Posten, die als "einmalig" oder "nicht wiederkehrend" heruntergespielt werden, notorisch, dann "steckt oft etwas Ernsteres dahinter". Für Investoren sei dies ein Ausstiegssignal, urteilt der Leiter der Studie, Ronald Perez.

Das Fazit seiner Studie: Unternehmen, die alles offen legen, haben die "unehrlichen" in der Kursentwicklung übertroffen. In den 18 Monaten ab Oktober 2000 erreichten die hundert Unternehmen ohne Ergebniskosmetik eine Rendite von 23,3 % (Dividenden als Reinvestitionen eingerechnet). Die 24 Unternehmen mit Auslassungen, die den Nettogewinn überstiegen, verbuchten eine negative Rendite (-13,4 %).

Die umfangreichste Ergebniskosmetik und größten Kursverluste gab es beim Telekom-Anbieter JDS Uniphase, Nortel Networks und Qwest Communications. JDS hat Sonderposten über 4,9 Mrd. $ nicht aufgeführt. In den darauf folgenden 18 Monaten verlor die JDS-Aktie 94 %. Nortel verbuchte eine Negativ- Rendite von 92 %, Qwest 83 %.

JDS weist allerdings den Zusammenhang zwischen dem Auslassen von Ausgabenposten und dem Kursrutsch zurück. Man habe mit der Veröffentlichung von "Pro forma-Ergebnissen" auf Wunsch der Analysten und Investoren begonnen. Diese hätten eine Einschätzung der Geschäftsentwicklung verlangt, bei der Faktoren unberücksichtigt bleiben sollten, die sich auf einmalige Sonderaktivitäten wie z.B. Fusionen und Akquisitionen bezögen. "Unser Geschäft und das Geschäft des gesamten Telekom-Sektors hat sich abgeschwächt und ist beträchtlich zurückgegangen. Das drückt immer auf die Aktienkurse", sagte JDS-Finanzchef Anthony Muller.

Am anderen Ende der Skala befinden sich der Autoteile-Zulieferer AutoZone, die Steuerberatung H&R Block und der Händler für Industrieprodukte W.W. Grainger. Sie hatten im Untersuchungszeitraum alle Sonderposten veröffentlicht. In den 18 Monaten ab Oktober 2000 verbesserten sie ihre Ergebnisse um über 193 %, 139 % und 116 %.

Nun darf man den Zusammenhang zwischen Ergebniskosmetik und Kursentwicklung nicht überbewerten. Nicht allen Unternehmen, die mit Auslassungen ihre Ergebnisse schönen, droht ein Kursrutsch. "Wir wollen nicht sagen, dass die Anwendung dieser Praxis einer Vorhersage gleichkommt", räumt Perez ein. Aber es sei durchaus wahrscheinlich, dass solche Unternehmen sich schlechter entwickeln als diejenigen, die alles offen darstellen. Investoren, die auf diesen Punkt achten, können sich "teure Fehler bei der Einschätzung des angemessenen Werts eines Unternehmens" ersparen.

Einen "Bekehrten" gibt es bereits: Procter & Gamble gibt nun seine langjährige Praxis auf, Umstrukturierungskosten als einmalige Posten aus dem "Kernergebnis" herauszurechnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%