Unternehmen reduzieren Zahl der Netzwerk-Server drastisch
E-Business holt Großrechner aus dem Abseits

Weltweit sinken die Umsätze mit Netzwerk-Rechnern. Nur IBM konnte Marktanteile gewinnen. Ein Grund: Viele Unternehmen wollen statt vieler kleiner Server künftig mehr Großrechner einsetzen.

HB FRANKFURT/M. Den Herstellern von Netzwerk-Rechnern (Server) steht nach Einschätzung von Experten in den kommenden Monaten ein knallharter Wettbewerb bevor. Schon mehrere Quartale in Folge sinkt die Nachfrage nach den leistungsfähigen Rechnern, die in Computernetzwerken Datenbanken horten, Programme für Anwender zur Verfügung stellen oder Inhalte von Internetseiten vorhalten.

Im dritten Quartal sank nach Schätzungen des Marktforschers Dataquest der Umsatz mit Netzwerk-Rechnern auf 10,84 Mrd. $. Zwischen Juli und Ende September wurden damit rund 6,5 % weniger Server verkauft als noch im zweiten Quartal dieses Jahres. Mit einem Minus von 23,4 % im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres ist der Rückgang sogar noch deutlicher.

Zum einen liegt die sinkende Nachfrage an der schwachen Konjunktur, zum anderen aber an einer veränderten IT-Strategie vieler Unternehmen: "In den ungestümen Anfangszeiten des E-Business wurden in vielen Unternehmen wahllos Server aufgestellt", sagt Francis Kuhlen, bei der IBM Server Group für den Vertrieb von Netzwerkrechnern in Deutschland verantwortlich. Doch nun setzt sich nach Meinung des IBM-Managers "bei einer steigenden Zahl von Verantwortlichen die Erkenntnis durch, dass solche dezentralen Netze teuer zu unterhalten sind". Besonders bei Großunternehmen macht das Schlagwort der "Konsolidierung der IT-Landschaft" die Runde. Es geht darum "die auf vielen Rechnern verteilten Daten auf weniger, aber dafür leistungsfähigeren Servern zusammenzuführen", beschreibt Gerhard Fay, IT-Spezialist der Commerzbank die Überlegungen des Unternehmens. Die Frankfurter Großbank möchte rund 1300 Server, die heute noch in verschiedenen Commerzbank-Filialen stehen, in einer zentralen Serverfarm zusammenfassen.

Ein Trend, der dem Marktführer IBM ins Konzept passt. Denn es steigt die Nachfrage nach Großrechnern (Mainframe), die lange Zeit als veraltet angesehen wurden. Ursprünglich betrieben mit spezieller Software, schienen die Rechner-Riesen für das Zeitalter des Datenaustausches über das Internet nicht mehr geeignet. Doch mittlerweile haben Großrechner gelernt, mit dem Betriebssystem Linux umzugehen, und an Lösungen für Microsoft-Plattformen wird bereits gearbeitet. Damit lässt sich die neue Generation der Großrechner in die IT-Struktur der Unternehmen integrieren. Die Vorteile der Großrechner sehen Experten in der höheren Sicherheit und den Leistungsreserven der Systeme. Die Umstellung auf E-Business-Prozesse verbindet inzwischen zentrale Unternehmensdaten mit dem Internet. Je dezentraler die Daten gespeichert sind, desto schwieriger ist der Schutz vor Hackern. Zusätzlich halten Befürworter Großrechner trotz Anschaffungskosten von bis zu mehreren Mill. DM pro Rechner für die billigere Lösung, da es theoretisch möglich erscheint, durch einen Rechner mehrere hundert kleine Server zu ersetzen. Im August haben sich die New Yorker Aktienbörsen entschlossen, ihr Händler-Benachrichtigungssystem für 20 Mill. Aufträge pro Tag auf einen Großrechner zu legen und dafür Dutzende anderer Server abzuschalten.

Die Verkaufszahlen scheinen den Trend zu bestätigen. Während der Server-Markt schrumpft, verzeichnete IBM in den vergangen fünf Quartalen jeweils ein "zweistelliges Umsatz-Wachstum bei Großrenern", bestätigt IBM-Manager Kuhlen. Dieser Anstieg sei einer der wichtigsten Gründe dafür, dass IBM in den vergangenen Quartalen die Server-Umsätze fast konstant halten konnte. Die Konkurrenten Compaq und Sun mussten dagegen Rückgänge um 30 % beziehungsweise 40 % hinnehmen.

Doch nicht für jede Aufgabe ist der Großrechner optimal geeignet. "Wir setzen weiterhin viele kleinere Intel-Server ein", sagt Andreas Gauger, Chef des Internetproviders 1&1 AG. "In unserem Rechenzentrum liegen die Internetangebote Tausender Kunden. Daher geht es nicht um die Informationsabfrage aus einer zentralen Datenbank, sondern aus hunderten verschiedener Datenquellen." In diesem Fall seien viele kleinere Server dem Konzept der Großrechner klar überlegen.

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