Unternehmen setzt weiter auf Boom bei Neugeschäften
Allianz Leben baut Marktanteile deutlich aus

Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz Leben hat 2002 vom abgeflauten Börsen-Boom profitiert und seine Marktposition zu Lasten finanzschwächerer Versicherer ausgebaut. In diesem Jahr soll sich der steile Aufwärtstrend fortsetzen.

Reuters STUTTGART. Die Neubeiträge seien im vergangenen Jahr um 29,9 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Lebensversicherer am Montag in Stuttgart mit. Der Marktanteil in Deutschland sei damit auf 18,3 (15,1) Prozent ausgebaut worden. Dabei kam dem Marktführer der Trend zu sicheren Anlagen zugute: "Als finanzstarker Versicherer profitieren wir besonders von dieser Entwicklung", erklärte Vorstandschef Gerhard Rupprecht. Für das laufende Jahr setzt die Allianz vor allem auf die betriebliche Altersvorsorge: "Ich rechne mit deutlichen Impulsen für das Neugeschäft", so Rupprecht. Der Verkauf von Riester-Verträgen läuft weiterhin schleppend.

Das Geschäft mit Lebensversicherungen erlebte im vergangenen Jahr einen regelrechten Boom. 1,1 Millionen neue Verträge seien bei Allianz Leben unterzeichnet worden, 82 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte die Allianz mit. Die Brutto-Beitragseinnahmen hätten mit 9,6 Milliarden Euro um 7,8 Prozent höher gelegen als 2001. Im Januar 2003 habe sich das Wachstum fortgesetzt, sagte ein Sprecher. Die Neubeiträge seien um 13,7 Prozent gestiegen. Vor allem die betriebliche Altersvorsorge laufe nun richtig an. Dort waren die Neubeiträge bereits 2002 um 36,7 Prozent auf 851 Millionen Euro gestiegen und hatten sich damit besser entwickelt als das Privatkundengeschäft.

Flaute im Riester-Renten-Geschäft

Hinter den Erwartungen zurück bleibt dagegen weiterhin das Geschäft mit privaten Renten-Policen nach dem Riester-Modell. Nach dem Jahresendspurt 2002 sei der Januar nicht berauschend gewesen, sagte ein Sprecher. Mit 598 000 Policen sei 2002 zwar jeder fünfte Riester-Vertrag bei Allianz Leben abgeschlossen worden, doch hatte der Konzern Anfang des Jahres mit 1,3 Millionen Verträgen gerechnet. "Betrachtet man den Gesamtmarkt, stehen wir zwar gut da - aber insgesamt haben sich bisher zu wenige Bürger an der Riester-Rente beteiligt", erklärte Rupprecht. In einem Interview forderte er mehr Aufklärung, um die Bürger von der Notwendigkeit eigener Vorsorge zu überzeugen.

Die Zuwächse bei den großen Versicherern sind nach Ansicht der Ratingagentur Moody's kein Zufall. Die Kluft zwischen den großen, finanzstarken Unternehmen, die noch mit relativ hohen Überschussbeteiligungen aufwarten könnten, und den kleineren Branchenvertretern, die angesichts der geringeren Renditen am Kapitalmarkt in Kapitalnöte gerieten, werde noch wachsen, hieß es in einer Studie. Die "Flucht in die Produkte erstklassiger Anbieter" habe 2002 bereits begonnen.

Insgesamt müssten die jährlichen Überschussbeteiligungen, aus denen sich für die Kunden der Ertrag am Ende der Laufzeit einer Lebensversicherung ergibt, der Studie zufolge aber weiter sinken. Die Allianz Leben hatte ihre Gesamtverzinsung für 2003 zwar auf 5,3 von 6,8 Prozent gesenkt, liegt damit aber immer noch am oberen Ende der Rangliste der 120 Lebensversicherer in Deutschland. Einige Versicherer können nur noch den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestzins von 3,25 Prozent bieten.

Garantiezins soll erst 2005 sinken

Allianz-Leben-Chef Rupprecht forderte, den zuletzt im Jahr 2000 verringerten Garantiezins noch einmal deutlich zu senken. "Beim Garantiezins sind wir am Anschlag angelangt. Er wird bei einem weiter so niedrigen Zinsniveau angepasst werden müssen", sagte Rupprecht der "Berliner Zeitung". Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet eine Senkung erst für das Jahr 2005. Die Deutsche Aktuarsvereinigung (DAV), in der sich die Versicherungsmathematiker zusammengeschlossen haben und die das Vorschlagsrecht hat, halte für 2004 an der geltenden Verzinsung fest. Die endgültige Entscheidung trifft das Bundesfinanzministerium.

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