Unternehmen signalisierte schon im November rote Zahlen
Telekom voraussichtlich erstmals seit 1996 mit Verlust

Die Deutsche Telekom wird am Dienstag bei der Vorlage ihrer Eckdaten für das Geschäftsjahr 2001 trotz deutlicher Verbesserungen im operativen Geschäft Analysten zufolge erstmals seit dem Börsengang im Jahr 1996 einen Verlust ausweisen.

Reuters FRANKFURT. Während im Jahr 2000 hohe Erträge aus Beteiligungsverkäufen die Schwächung des Kerngeschäfts überdecken konnten, dürften im zurückliegenden Jahr Abschreibungen auf Firmenwerte, Zinsen für den UMTS-Mobilfunk und die Verlust bringende US-Mobilfunktochter VoiceStream das Ergebnis ins Negative gezogen haben.

Analysten rechnen im Durchschnitt damit, dass der Verlust einschließlich positiver Sondererträge aus dem Verkauf des Kabelnetzes in Baden-Württemberg und Anteilen an den US-Telekomunternehmen Sprint Fon und Sprint PCS 2,7 (Vorjahr 5,9) Mrd. Euro betragen wird. Ohne die Sondererträge wird der Verlust im Jahr 2001 im Durchschnitt bei 4,66 Mrd. Euro liegen. Dazu könnten noch mögliche Sonderabschreibungen auf Firmenwerte kommen.

Dass die Telekom mit dem Rutsch in die Verlustzone das bisher schlechteste Konzernergebnis als Publikumsgesellschaft ausweisen wird, hatte das Unternehmen bereits Mitte November den Anlegern signalisiert. Nur der am Einspruch des Kartellamts gescheiterte Verkauf von weiteren Kabelnetzen an Liberty Media für 5,5 Mrd. Euro hätte der Telekom noch ein positives Ergebnis bescheren können. Analysten bezeichnen den weiterhin geplanten Abbau der Verschuldung auf rund 50 Mrd. Euro zum Jahresende 2002 als "sehr ambitioniert".

Zehn Mrd. Euro will die Telekom bei dem unter Vorbehalten geplanten Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile einnehmen. Analysten zufolge ist die Verschuldung im vierten Quartal auf Grund der Abtretung von Kundenforderungen und einer Körperschaftsteuergutschrift auf 62,5 Mrd. Euro gesunken.

"Die Verschuldung und die Entwicklung im Mobilfunk insbesondere bei VoiceStream sind die wichtigen Themen bei der Telekom", sagten die Analysten. Zwar sei das Unternehmen nicht in Liquiditätsproblemen. "Aber die Schuldenlast begrenzt die strategischen Optionen und wiegt schwer auf der Stimmung der Investoren gegenüber den Telekom-Aktien", heißt es in der jüngsten Analyse der BHF-Bank. Bei Nichterreichen des Schuldenziels könnten durch höhere Zinsen die Kosten der Refinanzierung um 80 bis 120 Mill. Euro steigen.

Der VoiceStream-Kauf verschlang Analystenangaben zufolge durch Zahlungen an Altaktionäre, Schuldenübernahme und Investitionen 21 Mrd. Euro. Der Kurs der Telekom-Aktien wird auch dadurch belastet, dass sich noch rund ein Fünftel des Aktien-Streubesitzes in den Händen von VoiceStream-Altaktionären befindet, die mittelfristig ihre Anteile veräußern werden.

Der zu erwartende Nettoverlust verstellt jedoch den Blick auf die Verbesserungen im operativen Geschäft, wie Analyst Frank Rothauge von Sal Oppenheim sagte: "2001 war ein gutes Jahr für die Telekom, da sich die Margen verbessert haben. Das Jahr 2000 war grottenschlecht, dies wurde aber durch Sondererträge in Höhe von acht Mrd. Euro verschleiert." Auch der Analyst der Bankgesellschaft Berlin, Ralf Hallmann, verwies auf den stark gestiegenen Gewinn vor Steuern, Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen (Ebitda). Bei einem gegenüber dem Vorjahr um gut 19 % auf 48,5 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz wird die Telekom den Erwartungen zufolge ein Ebitda ohne Sondereffekte von 14,9 Mrd. Euro ausweisen. Im Jahr 2000 lag das Ebitda bei Umsätzen von 40,9 Mrd. Euro bei 12,9 Mrd. Euro.

Verluste bei VoiceStram belasten

Als Belastung für die Telekom wirken sich vor allem die Verluste bei VoiceStream aus, deren Netto-Verluste in den ersten neun Monaten rund 80 % des Umsatzes von 2,88 Mrd. $ ausmachten. "VoiceStream verbrennt das Geld und drückt das Ergebnis der Mobilfunksparte", sagte Analyst Rothauge. Dagegen ist die umsatzstärkste Sparte des Konzerns, das Festnetz (T-Com), profitabel, während die Sparte Systemgeschäft (T-Systems) nur einen geringen Ergebnisbeitrag liefert und T-Online Verluste schreibt. Auch die Investmentbank CSFB urteilte in ihrer jüngsten Analyse: "VoiceStream bleibt die empfindliche Stelle sowohl für die Finanzdaten der Telekom als auch für die Bewertung des Konzerns." Der kleinste der sechs landesweiten US-Mobilfunkanbieter müsse noch beweisen, wie er profitabel zu einer Branchengröße wachsen könne.

VoiceStream überraschte im vierten Quartal mit einem gegen den schwächeren Markttrend in den USA erzielten Kundenzuwachs, der mit plus 668 000 Neukunden zudem über den Erwartungen des Unternehmens lag. Mehrere Analysten gehen davon aus, dass VoiceStream sich das Kundenwachstum zumindest teilweise durch die Gewährung von Gesprächsrabatten erkauft hat, was sich in einem gesunkenen Umsatz pro Kunde niederschlagen müsste. Zudem wird vermutet, dass die Kunden eine sinkende Bereitschaft zeigten, zur Konkurrenz zu wechseln. Diese Wechselbereitschaft war mit 5,1 % im dritten Quartal überdurchschnittlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%