Unternehmen sucht weiter nach Investoren
Bayern will Fairchild Dornier retten

Der Flugzeugbauer Fairchild Dornier ist zahlungsunfähig. Das Traditionsunternehmen mit Sitz im bayerischen Oberpfaffenhofen stellte am Dienstag Insolvenzantrag. "Das Unternehmen wird uneingeschränkt fortgeführt", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Eberhard Braun. Er werde schnell Verhandlungen mit den Banken aufnehmen und die Suche nach einem strategischen Partner intensivieren. Er hofft, innerhalb der kommenden drei Monate eine Lösung zu finden. Die bayerische Staatsregierung kündigte Gespräche mit allen Beteiligten an, um die Liquidität sicherzustellen.

dpa MÜNCHEN. Von der Finanzkrise betroffen sind 4300 Mitarbeiter, davon 3600 in Deutschland. Die Gehälter sind nach dem Insolvenzrecht für drei Monate gesichert. Fairchild Dornier zählt zu den drei größten Regionalflugzeugherstellern der Welt. Das Management des Unternehmens zeigte sich trotz des Insolvenzantrags optimistisch. "Wir sind guter Hoffnung", sagte Geschäftsführer Thomas Brandt. Ein Insolvenzverfahren könne auch neue Chancen eröffnen.

Die Geschäftsführung begründete die finanzielle Schieflage mit der Luftfahrtkrise nach den Terroranschlägen in den USA. Die Fluggesellschaften hätten ihre Bestellungen verschoben. Zudem tobe in der Branche ein heftiger Preiskampf. Das deutsch-amerikanische Unternehmen war daher seit Monaten auf Partnersuche. Im Gespräch war eine Übernahme durch den US-Flugzeugriesen Boeing, die Gespräche wurden laut Branchenkreisen aber abgebrochen. Der EADS-Konzern mit seiner Airbus-Tochter hatte ebenfalls abgewunken.

Zu den Anteilseignern von Fairchild Dornier gehört auch der Allianz-Konzern. Vor zwei Jahren hatte Allianz Capital Partners (ACP) gemeinsam mit der US-Investmentfirma Clayton, Dubilier & Rice Fairchild Dornier übernommen. Bei der damaligen Transaktion war Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) Verhandlungsführer. Die Mehrheit liegt bei den Amerikanern, ACP hält als reiner Finanzinvestor etwa 25 Prozent. Die beiden Unternehmen investierten gemeinsam 400 Millionen Dollar in Fairchild Dornier. Für einen Teil der Bankkredite von 740 Millionen Dollar, die im Zuge der Übernahme versprochen wurden, bürgten Bund (270 Mio Dollar) und Freistaat (80 Mio Dollar). Von den Krediten wurden laut Brandt bisher 670 Millionen Dollar in Anspruch genommen.

Fairchild Dornier hat ehrgeizige Pläne. Vor knapp zwei Wochen stellte das Unternehmen den Prototyp der neuen Jetfamilie 728 vor, in dessen Entwicklung bisher mehr als eine Milliarde Dollar gesteckt wurde. Mit Hilfe des neuen Jets sollte der Umsatz bis 2008 von zuletzt 593 Millionen Dollar auf bis zu fünf Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) steigen.

Bayerns Staatsregierung kündigte Gespräche mit den Beteiligten an, um zu klären, wie die Liquidität für die kommenden Wochen gewährleistet werden kann. Die Sicherung der Arbeitsplätze müsse im Zentrum der Bemühungen stehen. Der Insolvenzantrag von Fairchild Dornier bedeute nicht zwingend das Aus für den Flugzeugbauer, hieß es in einer Mitteilung von Faltlhauser und Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (beide CSU). Möglicherweise sei der Antrag die Chance für einen Neubeginn.

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