Unternehmen wehren sich mit Einstweiligen Verfügungen
Penny-Stocks droht ab Montag Ausschluss vom Neuen Markt

Dem Neuen Markt stehen mit der ab Montag geltenden Regelwerksverschärfung einschneidende Änderungen bevor. Gegenwärtig würden rund 20 Firmen nach den neuen Regeln der Deutschen Börse zum Ausschluss von "Penny-Stocks" in der nächsten Zeit aus dem Wachstumssegment verschwinden.

rtr FRANKFURT. Allerdings greift die Neuregelung, nach der Firmen mit einem Börsenwert unter 20 Mill. ? und einem über längere Zeit unter einem Euro liegenden Aktienkurs verbannt werden können, nicht für alle bedrohten Unternehmen. Bislang haben drei Gesellschaften eine Einstweilige Verfügung gegen das Regelwerk erwirkt und damit einen Aufschub bis April 2002 erhalten. Aktionärsvertreter forderten eine für alle Neuen-Markt-Firmen verbindliche Anwendung des Regelwerks.

Ob die ab dem 1. Oktober geltende Neuregelung auch dauerhaft Bestand haben wird, ist wegen laufender gerichtlicher Auseinandersetzungen zumindest unsicher. Die Foris AG hatte jüngst Berufung gegen einen Beschluss des Landgerichts Frankfurt vom 16. August eingereicht, der die Gültigkeit der "Penny-Stock"-Regelung für Foris um ein halbes Jahr aufschob. Dem Antrag des am Neuen Markt gelisteten Prozessfinanzierers wurde damals nämlich nur teilweise statt gegeben. Da der Firma mehr Zeit für mögliche Gegenmaßnahmen wie eine Aktienzusammenlegung oder eine Kapitalerhöhung eingeräumt werden müsse, hatte das Gericht der Börse untersagt, das neue Regelwerk auf die Foris AG vor dem 1. April 2002 anzuwenden. Foris hatte jedoch in seinem Antrag einen Aufschub für alle am Neuen Markt gelisteten Firmen von einem Jahr gefordert. Die Deutsche Börse wie auch Foris haben nun gegen den Gerichtsbeschluss Berufung eingelegt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers steht ein Termin für das Berufungsverfahren noch nicht fest.

Dem Beispiel der Foris AG sind in den vergangenen Wochen auch die Advanced Medien AG und die Abacho AG gefolgt und haben vor Gericht ebenfalls einen Aufschub erreicht. Antrag auf Einstweilige Verfügung haben auch die insolvente Teamwork AG und die Heiler Software AG eingereicht. Deren Verfahren stehen noch aus. Ein Sprecher des Landgerichts Frankfurt räumte einem nach dem 1. Oktober gestellten Antrag nur noch wenig Aussicht auf Erfolg ein. "Wenn der 1. Oktober vorüber ist, dann ist eine Einstweilige Verfügung sicherlich nur schwer zu begründen", hatte der Sprecher Anfang September gesagt.

Die Deutsche Börse hatte am 20. Juli die Erweiterung des Regelwerks vorgestellt. Demnach sind ab 1. Oktober insolvente Firmen sowie solche Gesellschaften von einem Ausschluss vom Neuen Markt bedroht, deren Aktienkurs an 30 Börsentagen nacheinander im Tagesdurchschnitt unter einem Euro liegt sowie deren Marktkapitalisierung 20 Mill. ? unterschreitet. Schaffen es dieses Firmen nicht, in den folgenden 90 Handelstagen 15mal in Folge beide Grenzwerte zu übertreffen, werden sie aus dem Wachstumssegment verbannt. Nach einer weiteren Frist von einem Monat bleibt ihnen dann nur der Wechsel in den Geregelten Markt oder in den Freiverkehr.

Etwa 20 Unternehmen müssen zittern

Nach Reuters-Berechnungen sind gegenwärtig etwa 20 der rund 340 am Neuen Markt gelisteten Firmen von einem Ausschluss bedroht. Deren Aktien notierten in der Zeit vom 16. August bis 26. September unter einem Euro. Auch übertraf deren Marktkapitalisierung nicht die geforderten 20 Mill. ?. Abacho und Advanced Medien wären ebenfalls von der Delisting-Regelung betroffen, hätten sie nicht vor Gericht einen Aufschub erwirkt. Zudem haben bislang neun derzeit am Neuen Markt gelistete Firmen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Von diesen Gesellschaften hat bislang nur die Teamwork AG einen Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die Neuregelungen eingereicht. Sechs der vor dem Konkurs stehenden Firmen unterschritten zudem auch die Grenzwerte bei Aktienkurs und Marktkapitalisierung.

Die US-Technologiebörse Nasdaq denkt nach Angaben aus Kreisen derzeit über eine Lockerung ihres Delisting-Regelwerks nach. Ein Nasdaq-Sprecher sagte am Dienstag, dass "diese Dinge genau untersucht" würden. Nicht genannte, vom Delisting bedrohte Unternehmen hatten zuvor über entsprechende Signale der Börse berichtet. Offenbar will die Technologiebörse damit eine zu starke Ausdünnung ihres Kurszettels angesichts der auf Talfahrt befindlichen Aktienmärkte vermeiden. Derzeit gibt es rund 670 Unternehmen an der Nasdaq, deren Aktienkurs unter einem Dollar notieren und denen ein Ausschluss droht.

Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) befürwortet grundsätzlich die Delisting-Regelungen der Deutschen Börse. Allerdings sollte das Regelwerk auch auf alle Unternehmen gleichzeitig angewandt werden können, sagte Straub. Durch den von einigen Gesellschaften vor Gericht erreichten Aufschub würden die Anleger irritiert und verunsichert. "Für sie ist es schwer zu erkennen, ob die Penny-Stock-Regelung bei dieser Firma nun ab Oktober greift, oder nicht", sagte Straub. Die Deutsche Börse sollte seiner Ansicht nach einen einheitlichen Termin für die Umsetzung der Regelungen finden, der für alle Firmen verbindlich ist. Die Deutsche Börse plant nach Aussagen einer Sprecherin derzeit nicht, den Starttermin der Regelung zu verschieben.

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