Unternehmen weist Gerüchte zurück
Thiel: Aktien-Rückkauf nach Kurseinbruch

Der Logistikdienstleister Thiel reagiert mit einem Aktienrückkaufprogramm auf den Kurseinbruch seiner Aktie und weist Marktgerüchte über finanzielle Probleme zurück. Aktienhändler hatten entsprechende Gerüchte für den Einbruch der Thiel-Aktie am Morgen von gut 40 Prozent verantwortlich gemacht.

Reuters FRANKFURT. In den kommenden Wochen sollten bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien aufgekauft werden, teilte Thiel mit. Zu Gerüchten über einen angeblichen Wertberichtigungsbedarf und korrekturbedürftige Bilanzen sagte Unternehmenschef Günther Thiel im Gespräch mit Reuters: "Die Bilanzen sind schlüssig und korrekt, sie entsprechen exakt US-GAAP. Es gibt keinen Wertberichtigungsbedarf und keine Liquiditätsprobleme." Auch an der Finanzplanung 2002 halte das Unternehmen fest.

Aktienhändler hatten entsprechende Gerüchte für den Einbruch der Thiel-Aktie am Morgen von gut 40 Prozent verantwortlich gemacht. Analysten sahen allerdings keinen fundamentalen Grund für den Kursverfall. Thiel gehört zu den von Analysten und Börsianern als seriös und solide eingeschätzten Unternehmen des krisengeschüttelten Neuen Marktes. Reuters-Daten zufolge empfehlen derzeit 15 Analysten den Titel zum Kauf, vier raten zum Halten des Wertes, ein Experte stuft ihn mit "Underperform" ein.

Im Moment reichten schon Gerüchte über Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung aus, um eine Aktie in den Keller zu schicken, sagte ein Händler und verwies auf den Skandal bei Comroad. Das Telematikunternehmen hatte zuletzt einräumen müssen, dass nur ein Bruchteil der Umsätze aus 2001 nachweisbar ist. Die Aktie war darauf eingebrochen. Am Freitag war Comroad von der Börse vom Neuen Markt ausgeschlossen worden. Zum Kursverfall der Thiel-Aktie sagte Günther Thiel, offenbar sei die Aktie zuletzt unter alle Verlustbegrenzungsmarken (stopp loss order) gefallen. In der Vorwoche hätten US-Investoren die Aktie verkauft. Die großen Wagniskapitalgeber im Aktionärskreis seien seinen Informationen zufolge an diesem Montag aber nicht unter den Verkäufern. Händler sagten, so genannte Leerverkäufer und kurzfristig orientierte Anleger seien zu Wochenbeginn in dem Wert aktiv gewesen.

"Es gibt nichts wirklich Neues, was den Kursverfall seit den Höchstständen dieses Jahres bei 25 Euro rechtfertigen könnte", sagte Markus Hesse, Analyst bei der HypoVereinsbank. Er empfehle die Aktie weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 23,50 Euro. "Die vorliegenden Fakten geben keinen Anlass, dem Management von Thiel nicht zu glauben", fügte Hesse hinzu. "Es gibt keinen Grund für diesen Einbruch", sagte auch Klaus Linde, Analyst bei SES Research. "Das Unternehmen ist mit anderen Firmen am Neuen Markt nicht vergleichbar, es verfügt über einen gut funktionierendes Geschäft mit einer guten Track Record (Erfolgshistorie)." Es gebe einen kleinen Risikofaktor, wie bei jedem anderen Unternehmen, der jedoch nicht diese Kursbewegung rechtfertige. Seine Bewertung der Thiel-Aktie liege weiter bei "Outperformer".

Auch Anamica Brötz, Analystin bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, behält nach eigenen Angaben ihre Bewertung der Thiel-Aktie mit "Kaufen" bei. Die Thiel-Aktien erholten sich bis zum Nachmittag wieder teilweise von ihren Verlusten und notierten zuletzt noch mit rund vier Prozent im Minus bei 11,20 Euro. Die Kursbewegung von mehr als 30 Prozent rauf und runter spiegelt nach Ansicht von Börsianern die derzeitige psychologische Verfassung der Anleger am Neuen Markt wieder. "Wenn eine Aktie am Neuen Markt fällt, von der man nicht weiß, warum sie fällt, verkaufen die Leute im Moment schon aus Sorge, es könnten sehr schlechte Nachrichten kommen", sagte Udo Becker, Händler bei Merck Finck.

Day-Trader, die sich im Tagesverlauf bei sieben Euro eingedeckt hätten, würden am Ende des Tages mit einem enormen Gewinn nach Hause gehen, sagte ein anderer Börsianer. "Die machen auch einen guten Teil beim Umsatz heute aus", fügte er hinzu. Bis zum Nachmittag belief sich der Umsatz in Thiel auf dem elektronischen Handelssystem Xetra auf 7,2 Millionen Aktien, Reuters-Daten zufolge waren bis zu diesem Zeitpunkt am Neuen Markt insgesamt 11,6 Millionen Papiere gehandelt worden.

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