"Unternehmen Zukunft" in der Krise
Bahnchef Mehdorn unter Druck

dpa BERLIN. Eines hat Bahnchef Hartmut Mehdorn mit seinem Vorgänger Johannes Ludewig gemeinsam: Sein Start an der Spitze des Bahnkonzerns mit rund 240 000 Mitarbeitern vor nicht einmal einem Jahr stand unter keinem guten Stern. Hohe Personalkosten, marodes Schienennetz, veraltete Wagen und Lokomotiven sowie nur mäßige Umsätze prägten die Lage des Unternehmens. Das ganze Ausmaß des Desasters wurde aber jetzt erst deutlich. Das "Unternehmen Zukunft" steckt offenbar viel tiefer in der Krise als bisher angenommen.

Der gewöhnlich eher zurückhaltende Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) spricht angesichts der drohenden neuen Milliardendefizite sogar von einer Katastrophe. Die Deutsche Bahn will die Hiobsbotschaft aus dem Verkehrsministerium nicht kommentieren. Man sei mit der Bestandsaufnahme noch gar nicht fertig, hieß es lediglich. Die Zahlen, wonach der Bahn statt der bisher erwarteten satten Gewinne bis 2005 an die 17 Mrd. DM gegenüber dem Plan fehlen, könne man nicht bestätigen. Sie seien auch noch nicht endgültig.

Bahn arbeitet zu unwirtschaftlich

Unbestreitbar aber ist Mehdorn durch die neuen Negativ- Schlagzeilen unter Druck geraten. Denn der Bund als Mehrheitsaktionär der Deutschen Bahn AG drückt jetzt bei der Sanierung der Bahn aufs Tempo. Das Unternehmen müsse wirtschaftlicher arbeiten.

Geld für Investitionen gebe es jetzt und in den folgenden Jahren genug. Jetzt müsse sich die Bahn "die richtigen Gedanken" machen. Fantasie und Energie seien gefragt, sagt ein Sprecher des Finanzministeriums. Bei der Verwendung der bisher der Bahn zugeflossenen Mittel sehen die Hüter der Bundesfinanzen hier durchaus noch Möglichkeiten. "Die Bahn ist am Zuge", heißt es im Verkehrsministerium.

Dagegen verweist die Bahn darauf, Grundlage der Bahnreform sei ein Investitionsbedarf von jährlich zehn Mrd.. Dieses Geld, das dringend nötig sei, um die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen, habe die Bahn nie gesehen. Von diesem Jahr an sind jetzt 8,7 Mrd. DM zugesagt, davon zwei Mrd. aus den Zinserparnissen nach dem Verkauf der UMTS-Lizenzen.

Bahnchef um seinen Job nicht zu beneiden

Fast täglich machten neue Zahlen für notwendige Investitionen die Runde. Doch um den Verkehrsriesen Bahn wieder flott zu kriegen, geht es um mehr als nur um Geld. Mehdorn ist um seinen Job nicht zu beneiden: Weitere Rationalisierung, Streckenstilllegungen und Personalabbau stehen ins Haus.

Das ruft nicht nur die Gewerkschaften auf den Plan. Fahrgastverbände und Kommunen wenden sich lautstark gegen die Einstellung von Linienverkehr, auch wenn dieser nicht mehr wirtschaftlich betrieben wird. Bisher ist Mehdorn der schwierige Spagat einigermaßen gelungen, die Gewerkschaften mit im Boot zu halten - zuletzt bei der geplanten Stilllegung von mehreren Instandhaltungsbetrieben. Aber weitere Kürzungen drohen.

Die Bundesregierung hat ihre Vorstellung nun begraben müssen, dass die Bahn sich bis 2004 auch börsentauglich herausgeputzt haben könnte. Von der Alternative eines Teilverkaufs des Unternehmens an einen ausländischen Betreiber wollte in Berlin am Montag niemand etwas wissen. "Das ist für uns überhaupt kein Thema", so das Verkehrsministerium.

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