Unternehmens-Chef Ballmer wirbt für zusätzlichen Produktservice
Microsoft: Spagat zwischen Lizenzvertrieb und Miet-Software

Einen Werbefeldzug für die neue Internetstrategie "Dot.Net" unternahmen die führenden Köpfe von Microsoft, Ballmer und Gates, in der vergangenen Woche.

PALO ALTO. Die Idee, Software nicht mehr auf Diskette oder CD-ROM gespeichert zu verkaufen, sondern als Abonnentenservice über das Internet, ist nicht neu. Microsofts Rivalen Sun Microsystems und Oracle sprechen schon seit gut zwei Jahren über derartige Möglichkeiten. AOL praktiziert diesen Dienst schon seit Jahren.

Doch seit dem 22. Juni dieses Jahres hat das Thema Mietsoftware eine andere Dimension bekommen. Wie berichtet, hat Microsoft an diesem Tag am Firmensitz in Redmond eine neue Geschäftsstrategie angekündigt, in dessen Mittelpunkt nicht mehr der Personalcomputer, sondern das Internet steht. Neben neuen Entwicklungswerkzeugen für Programmierer war in diesem Zusammenhang auch noch etwas vage von der Möglichkeit die Rede, Software direkt aus dem Internet zur Nutzung laden zu können und für diesen Service zu bezahlen.

Mehr als eine CD-Version

Für Microsoft scheint es nicht leicht zu sein, diesen Weg zu beschreiten. So erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Freitag vor etwa 1 400 Mitgliedern der Technology Association of Georgia (TAG), dass ein Online-Softwareprodukt deutlich mehr bieten müsste als eine CD-Version, sollte sie von den Kunden gekauft werden.

In diesem Zusammenhang erklärte Ballmer, er werde in jüngster Zeit immer wieder gefragt, ob der Software-Gigant seine Software künftig nicht mehr als Lizenzpaket verkaufen wolle, sondern vermieten. "Nein", antwortete Ballmer und fuhr etwas unklar fort, man wolle künftig möglicherweise eine Gebühr auf Monatsbasis einführen, aber keine Miete für komplette Softwarepakete verlangen. Wir wollen künftig Gebühren für einen Service verlangen, der sich selbst verwalten und sich automatisch auf den neuesten Stand bringen kann, erläuterte Ballmer weiter.

Für eine Reihe von Kunden und Partnern von Microsoft wird dieser Ansatz von Beginn an überzeugend sein, während andere darin einen Versuch sehen werden, künftig mehr bezahlen zu müssen. Während die Systemverwalter von Großkunden traditionell neben der Lizenzierung der Softwarepakete auch Serviceverträge abschließen, war dies bisher auf der Nutzerebene kleinerer Büros oder bei Privatkunden noch nicht der Fall.

Problem mit Aufrüstpaketen

Marktforscher Chris LeTocq von Dataquest sieht darin auch eine Lösung für Microsofts Problem mit Aufrüstpaketen (Fachjargon: "upgrades"). Der Umsatz aus diesem Bereich, so LeTocq, war bisher "ziemlich flach". Es gebe genügend Kunden, die mit Office 97 zufrieden sind und daher zögern, eine neuere Softwareversion zu übernehmen. Ein (zwangsweises - Anm. d. Red.) zusätzliches Servicepaket könnte dieses Problem verbessern.

Während Ballmer in Atlanta von Mietsoftware sprach, versuchte der Chef-Software-Architekt Bill Gates auf einer Entwicklerkonferenz in Orlando, Florida, Programmierern die Vorzüge der neuen Dot.Net-Strategie von Microsoft nahe zu bringen. Einen Webbrowser in Windows zu integrieren, so Gates, habe nicht genügt, um den Einsatz von Anwendungen im Internet zu verbessern. Anwendungssoftware und Internet seien bisher eher zwei Bereiche gewesen, die sich nur schwer verstanden hätten.

Das soll die Microsoft Strategie .Net ändern. Bereits die Nachfolgerversion von Windows 2000 (Codename: "Whistler"), die für Mitte nächsten Jahres geplant ist, soll erste Ansätze von .Net-Elementen enthalten. "Whistler" sei jedoch eine Zwischenstufe. Einschneidende Änderungen werden erst mit der nächsten Version (Codename: "Blackcomb") erwartet, die für das Jahr 2003 geplant ist.

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