Unternehmensanleihe und Sparmaßnahmen sollen Zukunft sichern
Alitalia kämpft an vielen Fronten

Italiens noch staatlich dominierte Airline braucht dringend Geld zum Überleben. Die Idee von Vorstandschef Mengozzi, über Anleihen an frisches Kapital zu kommen, gilt aber als wenig realistisch.

MAILAND. Die Krise der italienischen Fluggesellschaft Alitalia spitzt sich zu. Für Donnerstag Abend war eine Verwaltungsrat-Sitzung anberaumt worden, auf der ein Strategieplan für die kommenden zwei Jahre abgesegnet werden sollte. In dem Gremium haben die Vertreter des Finanzministeriums sowie die Belegschaftsaktionäre (vor allem Piloten) das Sagen. In Erwartung kursrelevanter Nachrichten, war die Alitalia-Aktie den ganzen Tag vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt. Die Sitzung dauerte bei Redaktionsschluss noch an.

Alitalia-Vorstandschef Francesco Mengozzi kämpft nicht nur mit der Krise, in der sich die globale Luftfahrtindustrie nicht erst seit dem 11. September befindet. Darüber hinaus streitet er mit dem italienischen Staat, seinem 53%igen Großaktionär, um die Auszahlung bereits von Brüssel genehmigter Beihilfen. Zudem legen sich die in Italien besonders renitenten Gewerkschaften sowie die Belegschaft quer, Mengozzis Notprogramm abzusegnen. Mit ihm sollen statt der ursprünglich geplanten 2 600 Stellen jetzt 3 500 der insgesamt 24 000 Stellen eingespart werden.

Mengozzi will die Airline kleiner und schlanker zu machen, damit sie fit ist für die Partnerschaft in der Allianz "Sky Team" mit Air France und der amerikanischen Delta Airlines. Mit Air France wird eine wechselseitige Kapitalverflechtung nicht ausgeschlossen. "Sabena und Swissair sind pleite gegangen, weil sie über kein internationales Netzwerk und über keinen Partner in den USA verfügten", sagt Mengozzi. Luftfahrtanalysten geben ihm recht: die Teilnahme am Sky Team, dem auch Korean Airlines, Aero Mexico und Czech Airlines angehören, stellt für Alitalia einen Quantensprung dar. Ohne das Abkommen wären die Italiener vollkommen isoliert - wie der einstige Partner KLM.

Beobachter warnen aber davor, Alitalia mit Swissair oder Sabena in einen Topf zu werfen. Schließlich liegt der Schuldenstand der Airline mit 1,15 Mrd. Euro vergleichsweise niedrig. Besorgniserregender verläuft das operative Geschäft. Der Verlust vor Sonderposten lag in den ersten neuen Monaten des Jahres bei rund 150 Mill. Euro. Die Investmentbank Merril Lynch rechnet damit, dass sich das Minus im Gesamtjahr noch auf 490 Mill. Euro hochschrauben wird. Grund dafür sind vor allem hohe Verluste auf den internationalen Routen - vor allem über den Atlantik. Erst 2003 soll laut Strategieplan der Break Even erreicht werden. Bis dahin will sich Alitalia gesundgeschrumpft haben.

Um dringend notwendige Investitionen - vor allem in die Flotte - von 1,55 Mrd. Euro zu finanzieren, benötigt Alitalia aber heute bereits frisches Geld. Nachdem Mengozzi mit seinem Plan einer Kapitalerhöhung in exakt dieser Höhe gescheitert ist, hatte er gehofft, zumindest die letzten beiden Tranchen der bereits 1997 genehmigten Beihilfen in Höhe von 387 Mill. Euro erhalten zu können. In der Regierung gibt es aber starke Stimmen, vor allem um Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, die das Geld angesichts der schwierigen Situation der öffentlichen Haushalte nicht ausbezahlen wollen. Als Alternative dazu hat Mengozzi gestern dem Verwaltungsrat die Emission einer Wandelschuldverschreibung vorgeschlagen. Dadurch will er 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro einsammeln. Die Operation käme einer verdeckten Kapitalerhöhung gleich. Sie müsste nach Ansicht von Experten wieder von der EU-Kommission genehmigt werden - es sei denn, der Staat würde auf sein Bezugsrecht verzichten und somit seinen Anteil von heute 53% deutlich verwässern. Beobachter in Rom gaben gestern nachmittag einer solchen "indirekten" Privatisierung aber nur geringe Chancen.

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