Unternehmensanleihen aus der Spekulationsklasse bieten hohe Renditen
Anleihen: Bei High-Yields ist Streuung wichtig

Anleihen von Firmen mit relativ geringer Bonität hatten ein schlechtes Jahr. Experten rechnen zwar mit wieder steigenden Kursen der Bonds. Private Investoren sollten aber nicht auf einzelne Titel setzen.

FRANKFURT/M. Das Jahr hatte für hochverzinsliche Unternehmensanleihen - so genannte High-Yield- Bonds - recht gut begonnen. Im ersten Quartal legten die festverzinslichen Anleihen von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit von den Ratingagenturen als nicht sehr hoch angesehen wird, zu. "Dabei profitierten sie unter anderem von den Zinssenkungen der US-Notenbank", erklärt Holger Friedrich, Fondsmanager des Uni-Renta High-Yield von Union Investment.

Anschließend hätten jedoch schlechte Nachrichten aus der Telekom - und Medienbranche dieses Segment nach unten gezogen. Seit Jahresanfang hat dementsprechend beispielsweise der "Deutsche Bank Western Europe High Yield Index" 13,28 % verloren.

Im kommenden Jahr rechnet Patrick Kersting, Analyst für High-Yield-Telekomanleihen bei der Deutschen Bank in London, allerdings mit einer Erholung hochverzinslicher Unternehmensanleihen. Nach zahlreichen Ausfällen von Krediten finde gerade bei den Telekomwerten eine Restrukturierung statt.

Risikobereitschaft der Investoren steigt

Außerdem seien jetzt viele schlechte Nachrichten in den Kursen eingepreist. Auch Friedrich, meint, dass sich die Kurse im Zuge einer anziehenden Konjunktur im kommenden Jahr wieder erholen könnten. Schon jetzt zeige sich wieder steigender Risikoappetit der Investoren, da die Emission von neuen Anleihen in der Regel gut aufgenommen werde.

Bei High-Yield-Bonds könne man jedoch kaum von einem einheitlichem Markt sprechen, sagt Kersting. Deshalb sei es wichtig, sich bei den einzelnen Unternehmen gut auszukennen, um entsprechend auszuwählen. So habe ein theoretisches Modell-Portfolio der Deutschen Bank seit Beginn des Jahres eine annualisierte Rendite von 8,49 % erwirtschaftet.

Diversifizierung ist das A und O

"Bei High-Yield-Bonds ist Diversifizierung extrem wichtig", sagt auch George Muzinich, der für SEB Invest, den Fond SEB Invest High-Yield managt. Privatanleger sollten nicht einen einzelnen Bond wählen, der eine hohe Rendite bietet, meint auch Friedrich. Denn bei schlechten Nachrichten, gingen die Kurse oft drastisch nach unten. So fiel der Kurs des kanadischen Telekomanbieters 360 Networks im Sommer von 90 % auf 5 % nachdem die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf die unterste Stufe herabgesetzt hatte.

Solche Risiken können Privatanleger nach Meinung von Experten nicht einschätzen. Anlagestrategen von Banken raten Privatanlegern generell nur dazu, Anleihen zu kaufen, die von den Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s mit mindestens "BBB-" bzw. "Baa2" eingestuft werden. Bei niedrigeren Bewertungen beginnt die Spekulationsklasse. Dementsprechend hoch sind die Renditen, daher der Name High-Yield-Bonds.

Langfristig dem Depot beimischen

Auf längere Sicht können Privatanleger aber durchaus High-Yield- Bonds profitieren, wenn sie einen entsprechenden Fonds als Beimischung für ihr Depot wählen. So hat der Uni-Renta High-Yield seit seiner Auflage im Sommer 1999 um 15,9 % zugelegt, davon immerhin 0,7 % in diesem Jahr. Dabei investiert Fondsmanager Friedrich zur Hälfte in hochverzinsliche Unternehmensanleihen und in Anleihen von Schwellenländern, die ebenfalls als Spekulationsklasse eingestuft werden.

Bei den Unternehmesanleihen hat er zu gleichen Teilen Titel aus Europa und den USA im Depot. Der amerikanische Markt ist bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen unter Diversifikationsgesichtspunkten unverzichtbar, sagt auch Muzinich. Denn der US-Markt sei viel reifer und biete eine größere Auswahl. Nach Berechnungen der Deutschen Bank begaben in diesem Jahr US-Unternehmen neue High-Yield-Bonds über 69,2 Mrd. $ - europäische über gerade mal 5,3 Mrd. $. Auch dies ist ein Argument für Fonds, sagt Muzinich. Denn die Fonds könnten sich gegenüber dem Währungsrisiko absichern, was für Privatanleger schwieriger sei.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%