Unternehmensanleihen sind schon gut gelaufen
Fondsmanager setzen auf Junkbonds

Die Kursrally, die hochverzinsliche Unternehmensanleihen seit Oktober vorweisen können, ist beeindruckend. Dennoch haben Fondsmanager keine Angst vor einem Rückschlag.

FRANKFURT/M. Die Kursrally, die hochverzinsliche Unternehmensanleihen seit Oktober vorweisen können, ist beeindruckend. Dennoch haben Fondsmanager keine Angst vor einem Rückschlag. "Im Oktober war der Markt noch viel zu billig", sagt Barrie Whitman von Threadneedle Investments. Daher bewertet er die jüngste kräftige Kurserholung als eine normale Gegenreaktion.

Fondsmanager setzen weiter auf so genannte Junkbonds, also Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen wegen des erhöhten Ausfallrisikos als spekulativ eingestuft werden. "Wir sind nicht euphorisch, aber konstruktiv gestimmt", sagt Peter Kerger von JP Morgan Fleming. So gut wie in den ersten Monaten des Jahres werde es nicht weitergehen, aber über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren sollten hochverzinsliche Unternehmensanleihen einen Gesamtertrag von etwa 8,5 % pro Jahr bringen.

In diesem Jahr ließ sich mit High-Yield-Anleihen weltweit ein Gesamtertrag aus Zinsen und Kurssteigerungen von 14,5 % erzielen, wie Merrill Lynch errechnete. Das Potenzial sieht Kerger jetzt durch die sich allenfalls nur moderat erholende Weltwirtschaft begrenzt. "Viele Unternehmen haben zwar ihre Kosten schon deutlich reduziert, aber damit sie ihre Verschuldung weiter abbauen können, müssen auch die Erträge wieder anziehen", sagt er.

"Hochverzinsliche Unternehmensanleihen brauchen aber keine blühende Konjunktur, um sich gut zu entwickeln", meint Henning Lenz von West AM. Im Gegensatz zum Aktienmarkt, an dem deutliche Gewinnzuwächse der Unternehmen für eine gute Entwicklung wichtig seien, reiche es bei Junkbonds schon aus, wenn sich die Finanzüberschüsse (Cash-Flows) der Unternehmen stabilisierten.

Als besonders positiv für die Junkbonds gilt auch, dass deren Ausfallraten seit 13 Monaten kontinuierlich sinken. Während im Januar 2002 noch 10,7 % aller von Moody?s bewerteten hochverzinslichen Unternehmensanleihen nicht bedient wurden, waren es im April nur noch 6,8 %. Moody?s rechnet damit, dass die Rate weiter fallen wird.

Außerdem spricht Experten zufolge für die High-Yields, dass ihre Risikoaufschläge im Vergleich zu Staatsanleihen trotz der Rally noch hoch sind (s. Grafik). "Sie liegen immer noch über dem Durchschnitt der vergangenen 17 Jahre", meint Kerger. Außerdem würden Investoren, die sich in den vergangenen Jahren mit Aktien die Finger verbrannt hätten, weiter nach Anlage-Alternativen mit hohen Renditen suchen.

Privatanleger sollten sich allerdings von den hohen Erträgen nicht blenden lassen. Bei High-Yields ist wegen des Ausfallrisikos ein breit gestreutes Portfolio besonders wichtig. "Einzelne Anleihen zu kaufen ist sehr riskant", warnt Lenz. Außerdem müssten die Unternehmen ständig beobachtet und analysiert werden, um Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Ein Problem für Privatanleger ist dabei, dass die Namen vieler Junkbond-Emittenten - wie zum Beispiel der Telekomgesellschaft Slovak Wireless, der Verpackungshersteller Kappa Beheer oder die Hotelkette Sol Melia - nicht so bekannt sind und es nur wenig Informationen über diese Unternehmen gibt.

In Europa zählen allerdings auch viele bekannte Namen inzwischen zu den Junkbond-Emittenten. Diese Unternehmen sind von den Ratingagenturen aus der sicheren Investitions- in die Spekulationsklasse verbannt worden. Dazu gehören ABB, Fiat, Alcatel und Ericsson. Diese Unternehmen allein haben einen Anteil von mehr als 30 % am europäischen Markt für hochverzinsliche Firmenbonds. Sie wiegen am europäischen Markt so schwer, weil er etwa zehn Mal kleiner ist als der in den USA.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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