Unternehmensberater rechnen mit Stellenabbau in Deutschland
Banken kämpfen gegen die hohen Kosten

Deutsche Banker müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten: Steigender Kostendruck zwingt die großen heimischen Institute, beim Personal zu sparen. Nur so können sie im internationalen Wettbewerb aufholen. Unternehmensberater haben aber auch andere Schwachstellen ausgemacht, die den Banken Probleme bereiten.

FRANKFURT/M. Die deutschen Banken haben ihre Kosten nicht im Griff: Das hat das Ergebnis der ersten beiden Quartale des laufenden Jahres der Hypo-Vereinsbank (HVB) gezeigt. Analysten befürchten bei den Frankfurter Großbanken ein ähnliches Bild. Die Deutsche Bank zieht am morgigen Mittwoch ihre Halbjahresbilanz. Banker in Deutschland müssen deshalb um ihren Arbeitsplatz fürchten. Eine Kündigungswelle, wie sie bei etwa bei den US-Investmentbanken Merrill Lynch und Morgan Stanley im Frühjahr zu beobachten war, rollt nach Ansicht von Unternehmensberatern auf Deutschland zu. "Wir werden sicherlich auch in Europa Massenentlassungen sehen", sagt Hans-Paul Bürkner, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in Deutschland und verantwortlich für die Finanzindustrie. "Die großen heimischen Banken werden bis zu 10 % ihrer Mitarbeiter bis zum Jahresende entlassen", davon geht Edgar Klein, Leiter Financial Services bei Deloitte Consulting, aus. "Es gibt den Trend in Banken, ganze Teams freizustellen", beobachtet auch Ingo Wagner, Leiter Financial Institutions Central Europe bei AT Kearney. Aber es gehe nicht nur um Personalabbau, vielmehr würden nachhaltige Maßnahmen zur Kostenverbesserung umgesetzt. "Jetzt werden die Hebel angesetzt", sagt Wagner.

In den Banken selbst sieht man die Lage allerdings nicht so dramatisch. Der Vorstand der Commerzbank hat Ende Juni einen generellen Einstellungsstopp verhängt. "Frei werdende Stellen werden nicht besetzt, es sei denn, es ist für das Bankgeschäft unerlässlich", sagte ein Sprecher des Instituts. Ein Stellenabbau sei jedoch nicht geplant. Um die Kosten auch kurzfristig zu drücken, werden die Ausgaben genauer geprüft als vorher, etwa bei Dienstreisen oder Aufträgen für externe IT-Berater. Ende diesen Jahres sollen die Kosteneinsparungen in der Gewinnrechnung sichtbar werden. Bei der Deutschen Bank gibt es ebenfalls keine Entlassungspläne, bestätigte ein Sprecher. Im Privatkundenbereich verfügt der Branchenprimus mit der Deutschen Bank 24, großen Filialen und eingeschränkter Präsenz in der Fläche über eine akzeptable Struktur. Kräftige Einschnitte sind laut Bankkreisen hingegen bei Moneyshelf und Maxblue zu beobachten.

HVB-Chef Albrecht Schmidt kündigte zuletzt jährliche Synergieeffekte von 1,2 Mrd. bis 2004 an, die auch auf Personalabbau zurück zu führen sind. Die Streichung von rund 5 000 Stellen in den nächsten Jahren sind bereits beschlossen. Entlassungen im Privatkundenbereich seien jedoch noch nicht einkalkuliert, sagte eine Sprecherin.

Zusammenlegung der Abwicklung birgt Potenzial

Die Unternehmensberater sehen besonders das Personal im Massengeschäft (Retail Banking) gefährdet. Klein: "Das Problem der Banken ist, dass sie zu wenig Kunden in ihren Filialen haben." Auch eine Kundensegmentierung nach Vermögenden und Standardkunden - wie sie etwa die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank umsetzen - löse dieses Problem nicht. "Die Marktdurchdringung der großen Banken ist trotzdem zu gering." Nur durch Zusammenlegung des Retailgeschäfts mit Konkurrenten und die Beschränkung auf eine "Abwicklungsfabrik" könne das Privatkundengeschäft wirklich profitabel werden.

Bislang versucht jede Großbank und ebenfalls jede der Verbundgruppen auf eigene Faust, die Abwicklungskapazitäten bei Wertpapieren durch höhere Volumina auszulasten. Versuche, Dritte auf die eigene Plattform zu ziehen, haben keinen durchschlagenden Erfolg. Dies zeigt das Beispiel der Deutsche-Bank-Tochter, European Transaction Bank (etb), die bislang nur die Privatbank Sal. Oppenheim und die 15 genossenschaftlichen Sparda-Banken als Kunden gewinnen konnte.

Die Konzentration auf eine, maximal zwei "Abwicklungsfabriken" in Deutschland sei nicht nur für das Retail Banking sinnvoll, sondern auch für das Kreditgeschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen, betont Klein. Dies sei aufgrund der künftigen unterschiedlichen Bonitätsbewertungen der Unternehmen durch die Banken allerdings deutlich schwieriger. Außerdem müsse sich jedes Haus fragen, ob nicht der enge Kundenkontakt der Kreditspezialisten und die sich daraus ergebenden Absatzchancen für weitere Finanzprodukte den Kostenvorteil einer einheitlichen Bearbeitung wieder wett machen.

Mit einem Verhältnis des Aufwands zu den Erträgen von über 70 % stünden die deutschen Banken im internationalen Wettbewerb schlecht da (siehe Tabelle), urteilt Bürkner. "Sie müssen mittelfristig ein Niveau von 55 bis 60 % erreichen." Klein hält 60 bis 65 % für notwendig. "In dieser Region liegt die Citigroup. Sie ist weltweit eine der erfolgreichsten Banken." Die deutschen Institute könnten dieses Ziel allerdings aus eigener Kraft nicht erreichen - außer sie würden fusionieren oder Geschäftsfelder zusammenlegen.

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