Unternehmensberatung Arthur D.Little soll Image korrigieren
Deutsche Post sieht sich im Mittelfeld

Die Regulierungsbehörde wird die Briefpreise im nächsten Jahr neu festlegen. Das Prüfverfahren läuft. Vieles deutet auf eine Preissenkung hin. Der Gewinn der Post droht unter Druck zu geraten. Die Post hält dagegen. Mit Hilfe von Arthur D. Little will sie beweisen, dass eine Portosenkung nicht gerechtfertigt ist.

HB DÜSSELDORF. Ginge es allein nach dem Willen von Klaus Zumwinkel, wird das Briefporto von 1,10 DM (0,56 Euro) für den Standardbrief nicht gesenkt. "Wir planen, dass das Briefporto in seiner jetzigen Höhe bleibt", gibt der Vorstandschef der Deutsche Post AG die Richtung vor. Seine Gewissheit bezieht er aus der Erfahrung: 1997, anlässlich der letzten Preisregulierung, ist das Porto nicht gesenkt worden. Begründet wurde dies mit Kostensteigerungen. Das ist ein Argument, das auch in der aktuellen Preisrunde zieht. Im Gegensatz zur Entwicklung in Europa sei der Preis für einen Standardbrief in den vergangenen Jahren inflationsbereinigt gesunken, sagt etwa Walter Maschke, Direktor Unternehmensverbindungen der Post und damit Zumwinkels Ober-Lobbyist.

Offenbar ist die Post angesichts deutlich niedrigerer Tarife der - noch wenigen - Wettbewerber aber doch ins Grübeln geraten. Denn mit Arthur D. Little International (ADL) hat sich das Bonner Unternehmen nun renommierten Beistand geholt, um die drohende Portosenkung abzuwehren. Die Studie der Unternehmensberater soll belegen: Im europäischen Vergleich bewegt sich die Deutsche Post beim Porto für den Standardbrief nur im Mittelfeld. Die Behauptung, die Post erhebe das höchste Briefentgelt in Europa, ist haltlos - so lautet jedenfalls das wenig verwunderliche Fazit der Auftragsuntersuchung.

Zu einer anderen Einschätzung kommt die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Danach ist die Post im internationalen Vergleich des Preisniveaus für verschiedene Briefsendungen hinter Italien der teuerste Anbieter weltweit. "Wir stellen die Sicht der Verbraucher und nicht allein betriebswirtschaftliche Überlegungen in den Vordergrund unserer Untersuchung", sagte eine Sprecherin.

Der Unterschied liegt in der Methode: Die Regulierungsbehörde errechnet einen Mittelwert aus allen Preisen von der Postkarte über den Standard- bis zum Maxibrief. Damit lassen sich Produkte mit unterschiedlichen Preisen und Gewichten einbeziehen und Verzerrungen vermeiden, die bei einer Beschränkung auf nur ein Produkt auftreten können. Im internationalen Vergleich verlangt die Post beispielsweise für den 20 bis 50 Gramm schweren Kompaktbrief einen der mit Abstand höchsten Preisaufschläge.

Die Studie von ADL beschränkt sich auf den Standardbrief. Daneben berücksichtigt sie strukturelle Unterschiede in den einzelnen Ländern, insbesondere die Lohnkosten. Allein dadurch erweist sich die Post im Hochlohnland Deutschland als einer der günstigen Anbieter. Auch qualitative Unterschiede werden herangezogen. So stellt die Deutsche Post beispielsweise auch am Samstag Briefe zu, die meisten europäischen Nachbarn dagegen nicht.

Bei einem rein nominalen Vergleich der Preise für den Standardbrief, der allein für den Postkunden ausschlaggebend sein dürfte, gehört Deutschland hinter Italien, Schweden, Finnland und der Schweiz zu den Ländern mit dem höchsten Preis. Der Durchschnittspreis liegt in Europa bei 0,49 Euro. Doch auch dafür hat der Briefmonopolist eine Erklärung: "Denkbar ist, dass in einigen Ländern die Briefpreise ohne Rücksicht auf Kostendeckung aus politischen Gründen niedrig gehalten werden."

Zumwinkels Preiskampagne scheint dennoch Früchte zu tragen. Vom Handelsblatt befragte Analysten erwarten keine deutliche Preissenkung.

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