Unternehmensbereiche werden umstrukturiert
E-Commerce-Chef Schmidt verlässt Bertelsmann

Die Bertelsmann eCommerce Group braucht einen neuen Chef. Der Amtsinhaber Andreas Schmidt hat seinen Posten aufgegeben. Die Entwicklung lief in den letzten Monaten gegen ihn, das Thema e-Commerce büßte mit dem Niedergang der Internet-Branche seinen Zauber vollständig ein.

dpa HAMBURG. Andreas Schmidt stand für eine der rasantesten Karrieren in der Bertelsmann-Welt. Ungewöhnlich war schon der Werdegang: Kein Abschluss an einer renommierten Wirtschaftsfakultät, die Schule nach der mittleren Reife geschmissen und dann eine Karriere beim Bundesgrenzschutz begonnen. Er wies frühzeitig Führungsqualitäten auf, stieg schnell auf, bis ihn ein Unfall mit einer Übungsgranate dienstunfähig machte.

Schmidt schlug die journalistische Laufbahn ein, wurde Chefreporter, Chefredakteur, Geschäftsführer. Thomas Middelhoff, seit 1998 Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, wurde auf das Talent aufmerksam und übertrug ihm den Job des Chefs von AOL Europe. Als der Partner AOL mit Time Warner Anfang 2000 fusionierte, stieg Bertelsmann mit hohem Gewinn aus und Andreas Schmidt übernahm die Bertelsmann eCommerce Group.

Für den Aufsteiger gab es nun kaum noch Grenzen. Er verkörperte das Thema eCommerce und verdrängte mit seiner unübersehbaren Präsenz das eigentlich dafür zuständige Vorstandsmitglied Klaus Eierhoff. Gemeinsam mit Middelhoff bereitete er den spektakulären Deal mit der Musiktauschbörse Napster vor und war der strahlende Held.

Die Internet-Krise beendete den Höhenflug. Auch wenn das Napster-Thema viel Zukunftspotenzial birgt, nun will es keiner mehr so recht hören. Vor allem nicht mehr in der Hauptverwaltung der Bertelsmann AG in Gütersloh. Dort wird der Konzern auf Börsenreife getrimmt, wird geprüft, sortiert und nüchtern bilanziert. Jetzt sind harte Fakten gefragt und die konnte Schmidt nicht bieten. Sein Geschäft wird nun in die DirectGroup von Klaus Eierhoff integriert.

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