Unternehmensbonds sollen sich weiter gut entwickeln
Telekomanleihen überraschen Banker positiv

Unter den Unternehmensanleihen hätten Telekombonds eine Auszeichnung für die erstaunlichste Wende im vergangenen Jahr verdient. Anfang 2001 hatten fast alle Analysten geraten, die Finger von den Bonds mit dem größten Anteil am Markt für Unternehmensanleihen zu lassen.

HB FRANKFURT/M. Hohe Schulden durch die UMTS-Lizenzen hatten dazu geführt, dass Investoren schon im Jahr 2000 davor zurückschreckt waren, sich die Bonds ins Depot zu legen.

Spätestens Mitte 2001 wendete sich jedoch das Blatt. Die Schuldenlast der Telekomkonzerne wurde langsam überschaubarer und Großemissionen beispielsweise von France Télécom und Deutscher Telekom konnten platziert werden. Der Risikoaufschlag - so genannter Spread - von Telekombonds gegenüber Staatsanleihen engte sich 2001 leicht ein. Er beträgt inzwischen gut einem Prozentpunkt. Im Jahr zuvor war es zu einem Sprung beim Risikoaufschlag gekommen. Generell bewerten Experten Unternehmensanleihen verschiedener Laufzeiten anders als Aktien nicht nach absoluten Kursgewinnen, sondern nach der Entwicklung zu einem entsprechenden Maßstab - oft zu Staatsanleihen.

Auch für dieses Jahr empfehlen viele Banken Telekombonds. So erwartet Matt King, Kreditstratege bei JP Morgan, dass sich die Spreads von Medien- und Telekomanleihen bis zum Ende diesen Jahres gegenüber Staatsanleihen um etwa 0,20 Prozentpunkte stärker einengen werden als bei den Bonds anderer Branchen. Dabei fasst die Investmentbank in ihrem Index für europäische Unternehmensanleihen Medien- und Telekombonds zusammen. Auch von der Bonitätsseite droht den Telekomanleihen keine Gefahr. Die Konzerne dürften auch in Zukunft in der Investitionsklasse verbleiben, meint die Ratingagentur Moody?s. Zu einer drastischen Verschlechterung der Kreditwürdigkeit der Unternehmen sollte es also nicht kommen. Das ist wichtig, denn sonst müssten viele professionelle Anleger wie Fonds ihre Telekomanleihen auf Grund ihrer Anlagerichtlinien abstoßen.

Wesentlich besser als Telekomanleihen schnitten im Jahr 2001 Tabakpapiere ab, die allerdings nur eine kleine Gruppe am europäischen Bondmarkt bilden. Hier fielen die Risikoaufschläge im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Deutschen Bank um durchschnittlich fast 0,60 Prozentpunkte. Damit ist die Rally nach Meinung einiger Analysten jedoch zunächst beendet.

Insgesamt machte 2001 der Konjunkturpessimismus den Unternehmensanleihen allgemein zu schaffen, nachdem zunächst Leitzinssenkungen der US-Notenbank für gute Stimmung gesorgt hatten. Der Pessimismus im Herbst wurde dann durch die Terroranschläge verstärkt. Zum Jahresende beflügelte die Erholung bei Aktien auch die Unternehmensanleihen. Der Lehman Index für Euro Corporate Bonds stieg 2001 gegenüber Staatsanleihen um 1,06 Prozentpunkte.

Unternehmensanleihen stehen hoch im Kurs

Im neuen Jahr stehen Unternehmensanleihen zunächst hoch im Kurs. Für das erste Quartal empfehlen die meisten Banken, diese Bondart im Vergleich zu anderen Rentenpapieren überzugewichten. Für das erste Halbjahr sieht es dagegen schon schlechter aus. So rechnet Estefanía Meana, Kreditstrategin bei Lehman Brothers, damit, dass die Risikoaufschläge von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen mit Blick auf die ersten sechs Monate bestenfalls stabil bleiben werden. Anja Mikus, Geschäftsführerin bei der Fondsgesellschaft Union Investment, ist hingegen optimistischer: "2002 wird im Rentenbereich generell ein Jahr für Unternehmensanleihen sein." Die Corporate Bonds würden auf die erwartete Konjunkturerholung in diesem Jahr positiv reagieren, zumal sie Wachstumsszenarien oft schneller vorwegnähmen als die Aktienmärkte.

King von JP Morgan ist da anderer Ansicht: "Der Optimismus über die wirtschaftliche Erholung in 2002 sollte sich nur kurzfristig positiv auf viele Branchen auswirken." Dann werde sich zeigen, dass die Gewinnaussichten für Unternehmen trotz allem recht schlecht seien. Ein Hauptgrund: Scharfer Wettbewerb schränkt den Spielraum für Preiserhöhungen ein.

Dies werde vor allem den Automobilsektor treffen - die zweitgrößte Branche am Euro-Bondmarkt. Autobonds sollten sich bis zum Sommer schlecht entwickeln und sich erst zum Jahresende hin erholen, wenn Überkapazitäten abgebaut würden, sagt King. Auch die Empfehlung von Merrill Lynch für Autobonds lautet: untergewichten. Die Deutsche Bank meint dagegen, dass Autoanleihen als die liquidesten Bonds unter den Zyklikern am meisten von der Konjunkturerholung profitieren werden. In den letzten Wochen des vergangenen Jahres hatten sie sich deutlich von ihren Jahrestiefs erholt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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