Unternehmensdaten sind im Internet leichter zugänglich
Das Web verändert die Beziehung zu den Investoren

Das Gesetzliche Vorschriften, das Interesse an der Aktie und das Informationsmedium Internet haben die Investor-Relations-Politik der Unternehmen verändert.

Die Zeiten, in denen man in die Stadtbücherei ging, um ein Verzeichnis der ortsansässigen Unternehmen einzusehen sind vorbei. Früher benötigte man Tage, um sich Informationen über Unternehmen zusammenzusuchen. Heute gehen Investoren ins Internet, und innerhalb kürzester Zeit finden sie, wonach sie suchen.

Die meisten international tätigen Unternehmen in Westeuropa verfügen über eine Web-Site, wo Einzelheiten wie Firmenanschrift, Telefon- und Faxnummern, der Geschäftsbericht sowie Informationen zum Management, zur Strategie und zu den Produkten des Unternehmens zu finden sind. Ursachen für diesen Wandel sind veränderte gesetzliche Regelungen, die Entdeckung der Börsen als eine Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung und nicht zuletzt das Internet. Das Drucken und Versenden von Prospekten und Broschüren ist zeitaufwendig und teuer. Das Internet ist ein ideales Medium für die weltweite und schnelle Verbreitung detaillierter Informationen. Doch das war nicht immer der Fall.

Die Hoppenstedt Verlagsgruppe GmbH in Darmstadt bringt Lexika und Nachschlagewerke heraus. Außerdem verfügt das Unternehmen über eine Datenbank, in der Firmenprofile von 6000 deutschen Unternehmen gespeichert sind. Roland Repp, einer der Geschäftsführer von Hoppenstedt, erläutert: "Anfang der 80er-Jahre war es unsere Hauptaufgabe, Informationen von den Firmen zu bekommen. Die Unternehmen gaben Daten nur an ihre Bank und an die Börse weiter. Die Tatsache, dass der Neue Markt so positiv in Deutschland aufgenommen worden ist, hat dazu geführt, dass Investor-Relations für kleine und große Unternehmen - wie Daimler-Chrysler - eine immer wichtigere Rolle spielen. Mittlerweile geben sie Informationen weiter."

Junge Unternehmen setzen neue Maßstäbe

Für Jungunternehmen am Neuen Markt sei ein anderer Punkt von noch größerer Bedeutung, so Repp. In Deutschland gelte das Handelsgesetzbuch (HGB), doch Firmen, die ihre Werte an den US-Börsen handeln lassen wollten, müssten entweder nach US-GAAP (US Generally Accepted Accounting Principles) oder den internationalen Bilanzierungvorschriften (IAS) bilanzieren. "Für rund 120 Firmen halten wir Daten nach allen drei Bilanzierungsvorschriften vor. Der Trend geht eindeutig in diese Richtung. Andere Unternehmen werden nachziehen", fügt Repp hinzu. Je mehr Anleger Aktien online kaufen, umso mehr Informationen fordern die Investoren von den Unternehmen. Und auf Grund des Wettbewerbs um immer neues Kapital bleibt kein Unternehmen verschont. Die wachsende Bedeutung von Investor - Relations trifft etablierte Unternehmen genauso wie ihre jungen Konkurrenten. "Startups, die gegen etablierte Unternehmen antreten, sind bestrebt, Investoren zu überzeugen. Kommunikation ist eine ihrer starken Seiten, und sie haben damit neue Maßstäbe gesetzt", erklärt Therese Torris, die bei Forrester Research Inc. den Bereich E-Commerce Europa leitet.

Alteingesessene Unternehmen mit schwachen Aktienkursen setzen zur Aufholjagd an. Und Fortschritte in der Informationstechnologie heizen die Nachfrage weiter an. Clare Hart, Präsidentin und Vorstandsvorsitzende des Datenbankunternehmens Factiva, weist darauf hin, dass es Anfang der 80er-Jahre schwer gewesen sei, an Wirtschaftsinformationen zu kommen.

Dafür sei quasi ein Antrag bei einer Bibliothekarin oder einem Dokumentar erforderlich gewesen. "Das Internet hat alles auf den Kopf gestellt. Jeder, der Zugang zu einem Computer hat, kann im Netz nach Informationen suchen. Damit ist eine neue Nutzergemeinde entstanden", erläutert Clare Hart. Doch ein Mehr an Informationen ist nicht immer gut. Ausschlaggebend ist, woher die Informationen stammen. In der virtuellen Welt kann eine betrügerische Web-Site, die in einem Hinterhofzimmer erstellt wurde, genauso viel Speicherplatz einnehmen wie die einer angesehenen Firma mit Tausenden von Mitarbeitern.

Auch wenn statistische Daten über ein Unternehmen zur Verfügung stehen, kann deren Auswertung schwierig sein. Philip Mellor, leitender Analyst bei Dun & Bradstreet Corp., einem der größten Wirtschaftsinformationsdienstleister weltweit, betont: "Wie Unternehmensdaten zusammengestellt werden, kann von Land zu Land verschieden sein. Daher ist es schwierig, eine Datenbank zu erstellen, auf deren Grundlage Unternehmen weltweit einheitlich bewertet werden können."

Auch wenn das Internet Unternehmen dazu zwingt, mehr Informationen als je zuvor preiszugeben, sind Web-Sites nichts anderes als Hochglanzbroschüren, die über negative Details hinwegtäuschen und die Unternehmen in einem günstigen Licht erscheinen lassen sollen. Gehan Talwatt, Managing Director von Hoovers Online Europe, einem Informationsdienst, der über Firmenprofile von mehr als 1500 europäischen Unternehmen verfügt, ist überzeugt, dass es auch weiterhin Recherche erfordere, um geldwerte Informationen für Investoren zu bekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%