Unternehmenseffizienz steht im Vordergrund
IT-Euphorie ist mehr Realitätssinn gewichen

Die Konjunkturkrise zwingt Unternehmen, ihre Investitionen in Informationstechnik zu überprüfen. Die Chance: Am Ende des Prozesses steht eine neue Strategie, die den Firmenwert dauerhaft steigert.

Für Walter Seemayer gibt es keinen Zweifel: Web-Services sind derzeit das heiße Thema im E-Business. Der Chef der Softwareentwicklung bei Microsoft Deutschland schwärmt von den neuen Möglichkeiten, Dienstleistungen über das Internet anzubieten. Dank neuer Standards können Versicherungsvertreter künftig mit dem gleichen Programm Kundendaten abrufen wie Autofahrer, die sich Wettervorhersagen anschauen - gleichgültig ob sie ein Notebook, einen Palm oder ein Mobiltelefon nutzen.

Seemayer weiß aber auch, dass Web-Services nicht die gleiche Euphorie auslösen werden, wie es noch jeder neue Internettrend vor ein, zwei Jahren konnte. "Heute gibt es viel mehr Realitätssinn", hat er beobachtet. Nicht mehr das technisch Machbare stehe im Vordergrund, sondern der Nutzen.

Der Microsoft-Manager gibt damit eine Stimmung wieder, die derzeit typisch für die gesamte Branche der Informationstechnik (IT) ist. Jetzt, im konjunkturellen Tal, zählt nicht mehr die Hoffnung auf künftige Umsätze, mit der sich in der Vergangenheit fast jede Investition rechtfertigen ließ. Stattdessen geht es heute beim Thema Computer und Internet vor allem um Kosteneinsparungen und höhere Effizienz. Hinter vorgehaltener Hand geben viele IT-Verantwortliche zu, dass sie einen Euro nur ausgeben dürfen, wenn sie ihrem Unternehmen dadurch mindestens anderthalb sparen.

"Die Krise ist aber auch eine Chance", sagt Andreas Pfeifer, Partner bei der Unternehmensberatung Accenture. Denn die Firmen könnten jetzt die Gelegenheit nutzen, eine neue IT-Strategie zu entwickeln, die vor allem ein Ziel hat: den Unternehmenswert zu steigern.

Optimierung der Unternehmenseffizienz hat höchste Priorität

Den Stimmungswandel in der Szene belegt eine Umfrage von CSC Ploenzke unter IT-Verantwortlichen großer Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Für diese Gruppe war im Vorjahr noch die Entwicklung einer E-Business-Strategie das wichtigste Thema. Jetzt ist es die Optimierung der Unternehmenseffizienz.

Diese Trendwende spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen wider. Im Jahr 2000 wuchs der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation noch um immerhin knapp zwölf Prozent. 2001 erreichte er bescheidene 1,7 Prozent Wachstum, und für dieses Jahr erwartet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien eine Zunahme um ebenfalls nur 4,2 Prozent auf dann 143,6 Milliarden Euro. "Am Ende des Jahres setzt dann der Aufschwung ein", erwartet Heribert Schmitz, Chef von Hewlett Deutschland. -Packard

Ob sich dieser Zweckoptimismus erfüllt, wird sich zeigen. Im Moment versuchen die Unternehmen noch ihre IT-Kosten zu senken. "Sie streichen dabei oft Neuinvestitionen, ohne die langfristige Wirkung auf das Unternehmen zu beachten", fasst Bernhard Holtschke, ebenfalls Partner bei Accenture, erste Erkenntnisse einer Studie zusammen, die er und sein Kollege Pfeifer derzeit durchführen.

Sie haben deshalb ein Konzept entwickelt, die IT-Strategie besser an den Bedürfnissen eines Konzerns auszurichten und so den Geschäftswert messbar zu steigern. Die einzelnen Unternehmensbereiche müssen dazu in enger Abstimmung mit den IT-Verantwortlichen ihren Bedarf definieren. Die sollten sich dabei als Dienstleister verstehen und wie ein Zulieferer diese Leistung erbringen. Gleichzeitig sollte das Management Prozesse wie Warenwirtschaft oder Finanzbuchhaltung sowie Datenstrukturen im Konzern möglichst harmonisieren.

IT-Szene entwickelt sich rasant weiter

Hard- und Software lassen sich dann vereinheitlichen, was die Kosten senkt. Auf diese Weise werde es möglich, die Ausgaben für den Betrieb der IT um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren, so die beiden Berater. Diese Vorgehensweise sei wesentlich effektiver, als die IT-Ausgaben nach dem Rasenmäher-Prinzip zu kürzen.

Pfeifer und Holtschke empfehlen, sich mit einem großen Dienstleister zusammenzutun. Der sollte in der Lage sein, die vorhandene IT-Infrastruktur zu übernehmen und rasch die Kosten zu senken. Die Einsparungen investieren die Partner dann in neue, unternehmensweit einheitliche Systeme.

Gleichzeitig verschafft sich das Unternehmen so Luft, um auf neue Trends zu reagieren. Denn die IT-Szene entwickelt sich rasant weiter. Aus Sicht von Fritz Jagoda, Chefberater bei der Unternehmensberatung Diebold, sollten Manager - auch aus dem Mittelstand - derzeit vor allem auf folgende Themen achten:

  • Verbessern der Kundenbeziehungen per IT (Fachbegriff: Customer Relationship Management)
  • Überwachen der Lieferantenkette (Supply Chain Management)
  • Steuern des Unternehmens per Software (Enterprise Ressource Planning, ERP). Hierfür bietet SAP mit R3 schon lange ein Programm an, das für kleinere Unternehmen aber oft zu teuer und aufwändig ist. "Unterhalb von SAP hat sich ein Markt gebildet, der für viele Mittelständler interessant ist", weiß Jagoda.

Statt teurer Komplettsysteme bieten viele Softwarehäuser verschiedene Programm-Module etwa für die Produktionsplanung, das Finanz- und Rechnungswesen oder die Warenwirtschaft an. Ein Kunde kann die Bausteine ganz nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen und sie künftig gemeinsam mit Kunden oder Zulieferern über das Internet nutzen - als Web-Service, so wie sich Microsoft-Entwickler Walter Seemayer die künftige IT-Welt vorstellt.

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