Unternehmensergebnisse
Kommentar: Talfahrt endet

Was wie „business as usual“ klingt, löst an den Börsen Euphorie und in der Wirtschaft Hoffnungen aus. Zu Recht, denn nie zuvor klafften Stimmung und Realität so weit auseinander wie derzeit.

Die meisten börsennotierten Unternehmen übertreffen die Erwartungen und blicken verhalten in die Zukunft. Was wie "business as usual" klingt, löst an den Börsen Euphorie und in der Wirtschaft Hoffnungen aus. Zu Recht, denn nie zuvor klafften Stimmung und Realität so weit auseinander wie derzeit. Die Lage ist nicht gut, aber besser, als sie vielen erscheint.

Ein teuflisches Gemisch aus Weltrezessions- und Kriegsängsten ließ selbst gestandene Wirtschaftskoryphäen Konjunktur und Unternehmen am Abgrund sehen. Jetzt führen uns die Firmenbilanzen zum ersten Quartal 2003 auf den Boden der Realität zurück. Dass ausgerechnet Großbanken wie J.P. Morgan Chase, Citigroup und Merrill Lynch die Ertragsprognosen besonders heftig übertreffen, komplettiert den Reigen an Fehlprognosen. Schließlich wurden Teile der Finanzbranche schon jenseits des Abgrunds gewähnt.

Microsoft und Nokia spiegeln vielleicht am besten die Situation wider. Beide Weltmarktführer verdienten Milliarden und schlugen knapp die Prognosen der Analysten. Doch weder der Software-Riese noch der Handy-Spezialist sehen für das restliche Jahr eine Erholung. Wie in den Vorquartalen bleiben die Aussichten verhalten. Überproduktion, Verschuldung der Unternehmen und Verbraucher, Wettbewerbsdruck, Dumpingpreise und Strukturprobleme lassen in den großen Industrienationen kein Wachstum wie Ende der neunziger Jahre zu.

Dass die Aktienkurse dennoch nach oben - und nicht wie nach den letzten Quartalsberichten nach unten - schnellten, überrascht nicht wirklich. Denn Investoren ließen sich wie fast alle Analysten und Volkswirte vorab von der negativen Stimmung anstecken, die unmittelbar vor Ausbruch des Irak-Krieges ihren Gipfel erreicht hatte. Wichtige Frühindikatoren wie das Vertrauen der Verbraucher und Firmenmanager in die Wirtschaftskraft waren auf Tiefstände gesunken, wie sie zum Teil in der Rezession Anfang der neunziger Jahre ermittelt wurden. Vertraute man der Stimmung, dann schien eine neue Rezession bereits beschlossen. Dabei vermitteln Industrieproduktion, Konsumverhalten und Häuserkäufe das Gegenteil. Und jetzt beweisen die Unternehmenszahlen dasselbe: Der Wirtschaft geht es nicht so schlecht, wie viele glauben.

Bilanzen und Ausblicke zeigen, dass sich die Firmen auf eine längere Durststrecke einstellen. Auf zweifellos niedrigerem Niveau als noch vor vier Jahren ist Wachstum auf Sparflamme angesagt. Umstrukturierungen und Kostensenkungen zeigen ihre Früchte: Ohne dass die Umsätze zulegen, steigen Gewinne und Margen. Angesichts dieser Voraussetzungen sind Ausblicke wie "Wir sehen keine nachhaltige Erholung" zwar ernüchternd. Doch zusammen mit den Quartalszahlen weisen sie darauf hin, dass die unkontrollierte Talfahrt gestoppt ist.

Darauf deuten im Gegensatz zu den Frühindikatoren - sie dürften nach dem raschen Kriegsende im Irak rasch nach oben drehen - auch die Börsen hin. Der Deutsche Aktienindex legte in nur vier Wochen 30 Prozent zu - Tiefstkurse sind in weiter Ferne. Es wäre nicht das erste Mal, sondern die Regel, wenn die Börsen das Ende der wirtschaftlichen Talfahrt früher als die übrigen Frühindikatoren anzeigen.

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