Unternehmensgewinne
Kommentar: Die Sieger zeigt erst der Aufschwung

Die Zahlen erschrecken: Um rund 70 Prozent sind die Ergebnisse der 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland im dritten Quartal gesunken. Ganz zu schweigen von den tiefroten Zahlen vieler Firmen an der Wachstumsbörse Neuer Markt. Nirgendwo lässt sich zurzeit besser die Dramatik des wirtschaftlichen Abschwungs ablesen. Doch gerade weil die Daten so beunruhigend sind, bedürfen sie der genauen Interpretation.

Die Lage ist miserabel. Umsätze und Ergebnisse sinken. Kein Zweifel: Wir befinden uns in einer Rezession. Und doch spiegeln die gemeldeten Ergebnisse in vielen Fällen nicht die tatsächliche Situation der Unternehmen wider.

Denn diverse Sonderposten drücken zusätzlich auf das Zahlenwerk. Die Unternehmen nutzen die Krise, um ihre immer wieder aufgeschobenen Hausaufgaben zu erledigen. So manche seit längerem versteckte Leiche wird mit der Bilanz 2001 ganz offiziell zu Grabe getragen. So paradox es klingen mag: Die Manager nutzen die Gunst der Stunde. Schließlich haben Aktionäre und Investoren das Jahr 2001 in Gedanken längst abgeschrieben.

Auch wenn einige der Maßnahmen überzogen scheinen; der Weg ist richtig, so bitter die Folgen für viele Mitarbeiter sein mögen. Die Unternehmenslenker sorgen für jeden Fall vor: Sie sind gerüstet, falls sich die Rezession als besonders hartnäckig erweisen sollte. Sie sind aber ebenso bereit für einen Aufschwung vom Sommer kommenden Jahres an und haben eine rasche Trendwende bei den Erträgen gesichert.

Für diejenigen Manager indes, die auf die Krise bislang nur zögerlich reagiert haben, wird die Luft immer dünner. Ihre Hoffnung auf bessere Tage könnte sich rasch als Trugschluss erweisen. Geht es wieder aufwärts, werden ihnen frühzeitig fit gemachte Konkurrenten Marktanteile abjagen. Die Vergangenheit hat es gelehrt: Die meisten Pleiten gibt es zu Beginn eines Aufschwungs.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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