Unternehmensgründer Schmid weist Rücktrittsgerüchte zurück
Mobilcom: Aufbau des UMTS-Netzes ist billiger als erwartet

Niedrigere Kosten für die Antennenstandorte und die Einkaufsmacht gemeinsam mit Großaktionär France Télécom sorgen dafür, dass die Kosten für den Aufbau des UMTS-Netzes bei Mobilcom nicht so hoch ausfallen wie erwartet. Noch diese Woche entscheidet das Telekom-Unternehmen, ob Nokia oder Ericsson sein Netz aufbauen soll.

HB BERLIN. Die Mobilcom AG, Büdelsdorf, wird sich noch in dieser Woche für den Hauptlieferanten ihrer UMTS-Netztechnik entscheiden. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass die Endverhandlungen mit den skandinavischen Netzausrüstern Ericsson und Nokia geführt würden. Mitte 2002 will Schmid mit einer 10 % igen Flächenabdeckung UMTS-Dienste starten. "Ich bin zuversichtlich, dass die Netzausrüster pünktlich liefern werden", sagte Schmid. Eine gewisse Unsicherheit gebe es allerdings bei den Handy-Herstellern.

Schmid ist überzeugt, dass der Netzaufbau weniger kosten wird als die im Plan vorgesehenen 6 Mrd. DM bis 2005, beziehungsweise 10 bis 12 Mrd. DM bis 2010. "Die Einkaufsmacht gemeinsam mit France Télécom zahlt sich aus", sagte er . Die Franzosen haben für 4,7 Mrd. DM 28 % an Mobilcom erworben und sind federführend beim Aufbau des UMTS-Netzes von Mobilcom. Außerdem sei es billiger als erwartet, Antennenstandorte zu akquirieren: Dies erledige die Pfleiderer AG. Zudem gebe es Gespräche zwischen den UMTS-Lizenzinhabern darüber, außerhalb des Mindestabdeckungsgebiets - vorgeschrieben sind 50 % der Bevölkerung - Standorte gemeinsam zu nutzen.



Schmid prophezeit 11 Millionen Kunden im Jahr 2010

Fünf Jahre nach Betriebsbeginn will Schmid die Gewinnschwelle erreichen. Im Jahr 2010 werde Mobilcom 11 Millionen UMTS-Kunden haben, prophezeit er. Schmid erwartet einen Monatsumsatz von 85 Euro pro Kunde. Dabei werde die Rechnung des Kunden bei 50 Euro liegen. Für Mobilcom kämen weitere Einnahmen hinzu, etwa aus Werbung und Vermittlungsprovisionen.

Vehement weist Schmid die hartnäckigen Kurs-drückenden Gerüchte zurück, er sei amtsmüde. Das Gerede sei entstanden, nachdem ein Magazin sein Hochzeitsfoto ergattert hatte. "Anscheinend fiel den Journalisten nichts Besseres dazu ein, als dass ich jetzt mehr Zeit mit meiner Frau verbringen will", sagte Schmid. Alle anderen Medien hätten dies dann nachgebetet. Von Verkaufen könne keine Rede sein. "Bei so niedrigen Kursen wie zur Zeit kaufe ich nach", sagte der Mobilcom-Gründer, der seinen Anteil mit knapp 40 % angibt.



Zukunftsstrategie für Freenet noch unklar

Niedrig bewertet ist derzeit auch die börsennotierte Internettochter Freenet.de AG, an der Mobilcom 77 % hält. "Wir haben festgestellt, dass Konkurrenten wie Tiscali, Terra, T-Online und World Online wegen ihrer Internationalisierung höher bewertet werden als Freenet", so Schmid. Dies sei der Anlass gewesen, die Investmentbank Credit Suisse First Boston mit einer Untersuchung zu beauftragen, welche Strategie für Freenet sinnvoll sein könnte. Bis Mitte November soll entschieden werden, ob eine strategische Allianz, eine Kapitalverflechtung oder ein Zukauf der beste Weg sei. Dass am Ende eine Partnerschaft mit der France-Télécom-Tochter Wannadoo herauskomme, sei "überhaupt nicht zwingend", sagte Schmid. "Autokonzerne haben ja auch nicht unbedingt die selben Partner für die Pkw- und die Lkw-Sparte." Mobilcom wolle sich jedenfalls nicht von Freenet trennen.



Prozess gegen Regulierungsbehörde in Aussicht

Das Interesse der Aktionäre stehe auch bei dem Prozess gegen die Regulierungsbehörde im Vordergrund, den Schmid mit dem Ziel führen will, die 16 Mrd. DM für die UMTS-Lizenz zurück zu bekommen. "Ich sehe sachlich gute Chancen", meint Schmid. So kenne die Finanzverfassung des Staates nur Steuern, Abgaben und Gebühren; die UMTS-Auktion sei keines davon. Außerdem sei es bedenklich, dass der Staat als Inhaber des Frequenzmonopols eine Auktion so gestaltet, dass ein einzelner Bieter die Preise treiben kann, wie dies durch das Staatsunternehmen Telekom geschehen sei.

Im Auftrag Schmids organisiert zunächst der Düsseldorfer Rechtsanwalt Hermann-Josef Piepenbrock in einer Woche ein Symposium, auf dem namhafte Jura-Professoren Gutachten über die Erfolgsaussichten eines Prozesses vorstellen. Schmid will einen Prozess führen, "wenn die Erfolgschancen größer als 50 % sind".

In dem Verwaltungsgerichtsverfahren fallen in der 1. Instanz Gerichtskosten von 140 Mill. DM an, sobald der Termin der Hauptverhandlung festgesetzt ist. Von einem Rechtsanwalt vertreten lassen muss sich das Unternehmen erst ab der zweiten Instanz. Dann müsste Piepenbrock nach der Gebührenordnung 124 Mill. DM von Mobilcom verlangen. Mit erneuten Gerichts- und Rechtsanwaltskosten beim weiteren Gang durch die Instanzen können bei einem siebenjährigen Prozess leicht 700 Mill. DM an Kosten entstehen, die der Prozessverlierer zahlen muss.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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