Unternehmensgründer sperrt sich gegen Übernahme durch Highlight Communications
Eichinger kämpft um Constantin Film

Die Schweizer Firma Highlight will das Filmunternehmen Constantin übernehmen. Doch Gründer Bernd Eichinger wehrt sich. Es geht um Macht und lukrative Filmrechte. Kommt es zu einer Abwehrschlacht?

MÜNCHEN. Das hat sich Fred Kogel sicher anders vorgestellt: Seit Anfang April ist der 42-jährige Medienmanager Chef bei Constantin Film. Nach den harten Aufräumarbeiten in der insolventen Kirch-Gruppe wollte Kogel bei der Münchener Filmfirma wieder kreativ arbeiten. Doch es kam anders: Seit Ende April führt sein Mentor, der Filmregisseur und Constantin-Gründer Bernd Eichinger, einen Kampf gegen die Medienfirma Highlight Communications. Er sperrt sich gegen die Mehrheitsübernahme durch das Schweizer Unternehmen. Kogel und der Vorstand selbst sind in diesem Fall - noch - zu Neutralität verpflichtet.

Highlight will die Münchener Traditionsfirma ("Der Schuh des Manitu", "Der Name der Rose") möglichst billig und schnell übernehmen. Im vergangenen Jahr kaufte Highlight-Chef Bernhard Burgener von der Kirch-Gruppe 23 % an Constantin. Später erhöhte er den Anteil über die Börse auf mehr als ein Viertel. Damals waren das Schweizer Unternehmen noch willkommen: Es leiste "einen wertvollen Beitrag bei der Weiterentwicklung der Constantin", heißt es im Geschäftsbericht des vorigen Jahres.

Vor zwei Wochen kauften die Eidgenossen dann von EM.TV-Chef Werner Klatten weitere 16,4 % der Aktien, stockten damit auf über 40 % auf und kündigten das gesetzlich vorgeschriebene Übernahmeangebot an. "Wir wollen jetzt möglichst viele Aktien erwerben", sagte gestern Highlight-Chefjustiziar Martin Wagner.

Doch Constantin leistet Widerstand. Zwei Aufsichtsratssitzungen unter Leitung von Eichinger endeten schon ohne Ergebnis. Am Samstag wollen die Kontrolleure, darunter Burgener und Aktien-Verkäufer Klatten, erneut die Lage beraten. "Der Ausgang ist vollständig offen", sagt Highlight- Mann Wagner. Die Schweizer signalisieren gestern zumindest Verhandlungsbereitschaft.

Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass der Aufsichtsrat den Vorstand in eine Abwehrschlacht gegen die Schweizer schickt. Constantin plant dann offenbar, das genehmigte Kapital unter Ausschluss des Bezugsrechts zu nutzen und an einen wohlgesinnten Konzern zu verkaufen - einen so genannten weißen Ritter. Highlight würde damit ausgebremst.

Möglicherweise kommen die Kontrahenten aber auch zu einer gütlichen Einigung. Highlight müsste dann wohl mehr zahlen als die 3,6 Euro je Aktie, die EM.TV kassiert hat. Ohnehin liege der Eigenkapitalwert je Aktie bei 5,89 Euro je Aktie, sagt Constantin- Vorstand Daniel Wiest. Eichinger, der als 25 %-Aktionär davon stark profitieren würde, will erreichen, als gleichberechtigter Partner bei der Fusion aufzutreten - "auf Augenhöhe", wie es heißt. Im Klartext: Constantin will seine Unabhängigkeit behalten.

Aber auch persönliche Interessen spielen in dem Gerangel angeblich eine Rolle. "Das Management fürchtet offenbar um seine Pfründe", sagt ein Unternehmenskenner. Kogel hofft, dass Constantin die Produktionsfirma KME kauft, die unter anderem Gerichtsshows für Sat 1 produziert. "Wir halten das für prüfenswert", sagt Constantin-Vorstand Wiest, aber die Transaktion liegt derzeit auf Eis. Pikant an dem Deal: Kogel selbst ist mit etwa 25 % an KME beteiligt. Eichinger hat jüngst die Verfilmungsrechte am Bestseller "Das Parfum" für etwa 10 Mill. Euro an Constantin verkauft. 2004 soll das Werk gedreht werden.

Derzeit laufen die Geschäfte bei Constantin nicht gerade rosig: Im ersten Quartal gingen die Einnahmen zurück, der Überschuss liegt bei nur 0,4 Mill. Euro. Das starke zweite Halbjahr komme noch, verspricht Wiest. Jetzt blicken aber alle erst einmal auf das Aufsichtsratstreffen am Samstag in der Schwabinger Constantin-Zentrale. Erst dann ist klar, wie es weiter geht - und ob Fred Kogel hier eine Zukunft hat.

Quelle: Handelsblatt

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