Unternehmensgründung
Seminarziel Selbständigkeit

"Exist" soll Studenten zur Gründung eines eigenen Unternehmens ermuntern. Das Bildungsministerium lässt sich das Programm 30 Millionen DM pro Jahr kosten.

HB DÜSSELDORF. Jürgen Nützels Patentrezept für eine erfolgreiche Unternehmensgründung klingt einfach. "Man muss das machen, was den meisten Erfolg bringt und was man selbst beherrscht", meint er. Dennoch griff auch er beim Start auf die Hilfe des Gründernetzwerks "Get up" in Thüringen zurück. Es gehört zum bundesweiten Programm "exist" - Existenzgründer aus Hochschulen, das jährlich mit 30 Millionen DM vom Bundesbildungsministerium gefördert wird.

Nützels Firma "4FriendsOnly.com" vermarktet Computerspiele über das Internet. Der Clou: Der Kunde bezahlt nur die Funktionen, die er braucht. Ursprünglich wollte Nützel nach einer Promotion in Informatik die Professorenlaufbahn einschlagen. Aus "sportlichem Ehrgeiz" nimmt er zunächst am Ideenwettbewerb von "Get up" teil. "Man wurde angespornt und erfuhr, wie man die Geschäftsidee verbessern könnte", lobt er. Mitte 2000 landete er damit beim bundesweiten Gründerwettbewerb "Startup" auf dem zweiten Platz in der Region Hessen-Thüringen.

Auch Eberhard Manz aus Stuttgart hat von "exist" profitiert. "Ich wollte weg aus dem Uniklüngel, und da gab es den Kurs für Existenzgründung", sagt er. In dem Seminar des Netzwerks "Push!" lernte Manz die Grundlagen in Betriebswirtschaft, Recht und Steuern kennen, die er für die Gründung seiner Firma benötigte. Seine Geschäftsidee: Eine Chipkarte mit dem genetischen Fingerabdruck eines Tieres. Die digitalen Tierdokumente können weltweit verwaltet werden.

Außer "Get up" und "Push!" gehören noch die Initiativen "bizeps" in der Bergisch-Märkischen Region, "Dresden exists" und "Keim" in Karlsruhe zum exist-Programm. In jedem Netzwerk kooperieren meist mehrere Hochschulen mit Unternehmen, Kapitalgebern, Forschungseinrichtungen, Kammern, Verbänden und Kommunen.Vorträge und Seminare zu verschiedenen Themen, Planspiele und Gründerwettbewerbe sollen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Daneben beraten und unterstützen erfolgreiche Jungunternehmer und erfahrene Geschäftsleute die Gründer. Das Angebot richtet sich überwiegend an Studenten und Doktoranden und ist meist kostenlos.

"Es geht darum, den Studenten die wichtigsten Dinge zur Unternehmensgründung zu vermitteln. Das muss nicht unbedingt akademisches Niveau haben", meint Professor Werner Esswein, Chefkoordinator von "Dresden exists".

Die meisten Studenten ziehen ein dasein als Angestellter den Risiken der Selbstständigkeit vor

Doch Workshops und Seminare werden wohl kaum Wünsche verändern. Zahlen des Bundesbildungsministeriums belegen: Nur 24 Prozent der Studenten haben Interesse an einer beruflichen Selbstständigkeit, und lediglich 15 Prozent realisieren ihr Vorhaben. Deutsche Studenten arbeiten lieber im öffentlichen Dienst oder bei großen Firmen - dort wo Prestige und finanzielle Sicherheit winken. "Den Hintern bei einer großen Firma im Warmen halten, aber gleichzeitig am Neuen Markt zocken", bringt es Nützel auf den Punkt.

Die internationale Vergleichsstudie "Global Entrepreneurship Monitor", an der mehrere Hochschulen mitwirken, nannte 1999 vor allem soziale und kulturelle Hindernisse: Unternehmer gelten in Deutschland als Ausbeuter und Prügelknaben. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob man der Gründung einer Firma gewachsen ist. Sie werde durch fehlende finanzielle Unterstützung verstärkt. "Die Banken sollten die Willigen nicht einschüchtern, sondern durch die Abnahme von Risiko bestärken", meint Manz. Nicht zuletzt, so die Studie, behindere eine unbewegliche Bürokratie die Unternehmer.

Marianne Kulicke, die beim Fraunhofer für Systemtechnik und Innovationsforschung-Institut in Karlsruhe das "exist"-Programm wissenschaftlich betreut, glaubt: "Man muss bei den Hochschulen ansetzen, da die Kammern meist nur Kleingewerbe und Handwerk fördern. Da fehlt die Unterstützung von High-Tech-Gründungen und internationaler Firmen." Allerdings sei momentan noch schwer zu beurteilen, welche Maßnahmen der Förderinitiativen an den Hochschulen wichtig sind.

Erich Staudt, Vorstandsvorsitzender des Instituts für Angewandte Innovationsforschung an der Universität Bochum, würde die Unternehmerausbildung an den Hochschulen grundsätzlich anders strukturieren. Er plädiert für eine Kombination aus Lehrveranstaltungen und Praktika. "An den Hochschulen findet statt dessen ein Entmündigungsvorgang statt, indem die Studenten von der Praxis ferngehalten werden", wettert Staudt.

Trotzdem scheinen die Angebote der Hochschulen durchaus Sinn zu machen. Eine repräsentative Umfrage vor drei Jahren unter 316 Studenten aller Fachbereiche der Universität Wuppertal ergab, dass 80 Prozent der Studenten, die Interesse an einer Selbstständigkeit haben, sich gerne an der Hochschule zusätzlich qualifizieren würden. Wie Nützel und Manz sind die meisten jungen Gründer mit den Gründerinitiativen sehr zufrieden. "Es war wirklich nur ein Hauch von dem, was auf einen zukommt, aber für den entscheidenden Impuls ausreichend", meint Manz. type="person" value="? Manz, Eberhard" />

Ein besonderer Vorteil der Ausbildung an den Hochschulen liegt darin, dass das Beratungsangebot sehr vielfältig und nicht von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst ist. "Get up war für mich sehr hilfreich", sagt auch Jürgen Nützel. "Besonders wichtig waren die Kontakte, die ich durch das Netzwerk knüpfen konnte."

>> Vom Hörsaal in den Chefsessel: Dabei leisten fünf Exist-Netzwerke den Studenten Beistand. Sie sind auf der Homepage > www.exist.de vereint.

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