Unternehmenssteuerreform und Übernahmegesetz bringen Bewegung in Firmenlandschaft und Kurse
Anleger werden von Übernahmen profitieren

Die Steuerbefreiung für den Verkauf größerer Aktienpakete wird ab Januar die Unternehmenslandschaft verändern. Kommt es zu Übernahmen, sind Anleger zudem ab Jahresbeginn besser gestellt als bisher. Aber schon allein die potenzielle Bedrohung wird zu einer Disziplinierung des Managements führen, was den Aktienwert erhöht.

FRANKFURT/M. Übernahmeschlachten sorgen in Deutschland immer für großen Wirbel auch weil sie bislang relativ selten waren. Das könnte sich ab dem kommenden Jahr ändern. Denn durch die Möglichkeit der steuerfreien Veräußerung von Beteiligungen gerät die Deutschland AG mit großen Anteilspaketen an Industrieunternehmen in der Hand von Finanzinstituten unter Druck.

Auch Minderheitsaktionäre werden profitieren

Ein zweiter Motor für Übernahmen wird die so genannte "Squeeze-out-Regelung" sein. Sie ermöglicht der übernehmenden Gesellschaft, das Übernahmeopfer nach einem entsprechenden Abfindungsangebot von der Börse zu nehmen, sobald sie 95 %der Anteile besitzt. Minderheitsaktionären droht dennoch nicht, zwischen den Interessen der Großen zermahlen zu werden. Im Gegenteil:Nach einhelliger Meinung von Experten werden die Anleger-auch geschützt durch weitere Regelungen des jetzt verabschiedeten Übernahmegesetzes - von den neuen Regeln am Markt profitieren.

Die Fondsgesellschaft Invesco geht sogar davon aus, dass bereits die Bedrohung durch eine Übernahme disziplinierend auf das Management wirkt. Schließlich, so haben nach Angaben von Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer amerikanische Studien gezeigt, droht rund einem Drittel der Top-Manager von ertragsschwachen Übernahmeopfern unter neuen Herren das Ausscheiden aus der Firma. Als Beispiel für eine solche Disziplinierung führt Invesco den Fall Beru an. Bei dem Zündkerzenspezialisten war vor zwei Jahren die US-Kapitalbeteiligungsgesellschaft Carlyle mit 28 % eingestiegen und gab bekannt, die Mehrheit anzustreben. Das Beru-Management, das dem Angebot ablehnend gegenüber stand, machte in der Folge seine Strategie und den Wert der Firma deutlicher; der Kurs der vor dem Angebot bei etwa 25 Euro notierte, liegt heute bei knapp 50 Euro.

Veränderungen im Bereich der Smax-Unternehmen

Invesco geht davon aus, dass es besonders im Bereich der Smax-Unternehmen zu deutlichen Veränderungen kommen wird, da sich in diesem Bereich nach Meinung der Fondsgesellschaft einige unterbewertete Kandidaten finden lassen. Generell, so der Small-Cap-Spezialist Jochen Matheé, lasse sich das Phänomen aber auch auf andere Segmente übertragen, nämlich "auf alle Unternehmen, die günstig bewertet sind".

So hat die Commerzbank auch im M-Dax einige Gesellschaften ausgemacht, bei denen sich im kommenden Jahr etwas bewegen könnte, darunter IWKA, Buderus oder auch die MG Technologies. Bei MG gehen die Banker davon aus, dass der erzielbare Preis für die Beteiligungen deutlich höher wäre als die derzeitige Marktkapitalisierung. Außerdem halten Deutsche Bank und Allianz/Dresdner zusammen 20 % der Anteile. Dass Anleger mit kleinen Anteilspaketen bei einem Übernahmepoker nicht benachteiligt werden, dafür sorgen Regelungen im neuen Übernahmegesetz, das den bisher freiwilligen Kodex ersetzt. Die Richtlinien greifen bereits, wenn ein Investor mehr als 30 % der Stimmrechte unter seine Kontrolle bringt- es sei denn, er verpflichtet sich, sein Stimmrecht in der Hauptversammlung nicht auszunutzen.

"Ein weiterer Baustein zur deutschen Aktienkultur"

Ansonsten muss er ab dieser Schwelle allen Aktionären ein Kaufangebot machen, wobei der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt. Das Angebot muss mindestens so hoch sein, wie der Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate, dürfte in der Praxis aber deutlich darüber liegen. So zahlte beispielsweise Ina Wälzlager den FAG-Aktionären bei der letzten großen Übernahmeschlacht in Deutschland fast 70 % Aufschlag auf den Kurs vor der Offerte und immer noch über 50 % mehr als der Durchschnittskurs der Vormonate. Selbst Paketaufschläge, ein gängiges Mittel, um Großaktionäre zum Verkauf zu bewegen, müssen sich mit geringen Abschlägen im Preis des Abfindungsangebots wiederfinden.

Eingeschränkt wurden zudem die Möglichkeiten des Managements ohne Zustimmung von Aufsichtsrat oder Hauptversammlung den Erfolg einer Übernahme zu verhindern. "Ein weiterer Baustein zur deutschen Aktienkultur", resümmiert Krämer.

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